Eine vom örtlichen Menschenrechtsbüro organisierte Bustour führte sie zunächst zu der früheren Änderungsschneiderei, wo Abdurrahim Özüdogru am 14. Juni 2001 erschossen worden war. Die Rechtsextremismus-Expertin Birgit Mair berichtete, frühere Nazi-Aufkleber am Haus ließen vermuten, dass Özüdogru schon einige Zeit vor der Tat im Visier von Neonazis gestanden hatte.

Später besuchten die Angehörigen auch Tatorte im Osten und am südlichen Stadtrand, wo 2005 der Imbissstand-Betreiber Ismail Yasar und fünf Jahre zuvor der Blumenhändler Enver Simsek umgebracht worden waren. Begleitet wurden die Hinterbliebenen von der Ombudsfrau der Bundesregierung für die Opfer und Hinterbliebenen der NSU-Verbrechen, Barbara John. Semiya Simsek räumte ein, dass es ihr und ihrer Familie nicht leicht falle, noch einmal den Ort aufzusuchen, wo ihr Vater vor 15 Jahren Opfer eines brutalen Verbrechens wurde. "Wir möchten aber als Gruppe der Angehörigen und als Familie ein Zeichen setzen, dass wir das nicht einfach abhaken, nicht vergessen. Das können wir gar nicht abhaken", sagte die Tochter des Ermordeten. Obwohl sie die juristische Aufarbeitung begrüßen, äußerten die Hinterbliebenen dem Bayerischen Rundfunk (BR) zufolge auch Kritik. "Drei Jahre nach Beginn des Prozesses sind alle unsere Fragen noch unbeantwortet", kritisierte Semiya Simsek nach BR-Abgaben.

Ähnliche Reisen hatten die Angehörigen zuvor nach Rostock, München, Hamburg und Dortmund geführt, wo ebenfalls ausländische Kleingewerbetreibende mutmaßlich vom NSU-Trio ermordet worden waren.