Nürnberg: Marcus König vor dem Rathaus in das er hinein will..
Marcus König vor dem Rathaus in das er hinein will.
Pelke
Nürnberg

Sind Sie in der letzten Wochen Lindner-Fan geworden oder Merkel-Bewunderer geblieben?

König: Der Christian Lindner hat einen guten Wahlkampf gemacht und die Partei um 180 Grad gedreht. Davon kann man lernen, ohne gleich Lindner-Fan werden zu müssen. Nach dem unglaublichen Start hat er leider Jamaika platzen lassen. Wenn einer in die Politik geht, muss er auch gestalten. Opposition ist nur die zweite Wahl. Zuallererst muss man regieren wollen. Ein Merkel-Fan bin ich ehrlich gesagt nicht mehr. Irgendwann stellt man fest, dass Menschen, die lange an der Spitze waren, den Blick für das Neue verlieren.

 

Und was ist mit den Grünen? Immerhin haben Sie sich noch als verkehrspolitischer Sprecher der CSU-Fraktion für die Elektromobilität in Nürnberg stark gemacht. Trauern Sie Jamaika hinterher?

König: Nein. Ich bin einer, der zukunftsweisende Politik machen will. Dazu gehört auch Elektromobilität. Das ist die Brückentechnologie für die Zukunft und die dürfen wir nicht verteufeln, nur um uns von den grünen Ideologen abzugrenzen. In Nürnberg wollen Grüne und SPD die Autofahrer mit 1000 Nadelstichen aus der Stadt vertreiben. Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass wir auch in Zukunft noch Autos in der Stadt haben werden. Ob diese Autos dann mit einem Elektro- oder Wasserstoffmotor oder sonst etwas angetrieben werden, kann ich nicht sagen. Aber es wird in Nürnberg auch in Zukunft noch Automobile geben, die von Menschen individuell bewegt werden.

 

Fahren Sie schon ein E-Auto?

König: Nein, noch nicht. Ich warte bis mein Auto kaputt ist. Ich bin ein Typ, der seinen Wagen bis zur letzten Rille fährt. Wenn mein altes Auto kaputt ist, werde ich mir einen E-Smart zulegen.

 

Ergeht es der CSU in Nürnberg nicht ähnlich wie der SPD in Berlin. Werden Sie nicht auch von der Strahlkraft des sozialdemokratischen Oberbürgermeisters Ulrich Maly in den Schatten gestellt?

König: Maly hat einen Merkel-Effekt. Er strahlt über alles. Man schaut nicht mehr genau auf das, was er tut. Dem schenkt man das Vertrauen wie Merkel. Man fühlt sich bei ihm wie bei Merkel in einer scheinbaren Sicherheit. Ich will in den nächsten zweieinhalb Jahren bis zur Kommunalwahl 2020 einen Entzauberungsprozess gegen Maly starten.

 

Wie wollen Sie das machen?

König: Wir haben mit Maly eine One-Man-Show in Nürnberg. Ich möchte eine Mannschaft präsentieren. Ich bin der festen Überzeugung, dass die Stadt besser von einem guten Team als von einem Einzelspieler in die Zukunft geführt werden kann. Ich glaube, dass die CSU die Wirtschaft und die Kultur in dieser Stadt stark nach vorne gebracht hat. Leider hat bislang nur Maly von diesen Erfolgen politisch profitiert.

 

Muss Markus Söder gegen Maly antreten, damit die CSU eine Chance hat. Oder würden Sie Ihren Hut in den Ring werfen?

König: Wir haben so viele gute Leute, die für diese Position geeignet wären. Ich bin mir sicher, dass sich einer aus unserem Team als Leader herauskristallisieren wird, der die Mannschaft gegen Maly erfolgreich anführen kann.

 

Was macht Sie so sicher, dass Maly noch einmal antritt?

König: Maly wird sicherlich noch einmal antreten. Allein schon um die Kulturhauptstadt im Jahr 2025 zu eröffnen. Das würde ihn sicher bauchpinseln, wenn Maly als Macher der Kulturhauptstadt in die Annalen der Stadt aufgenommen wird. Diesen Eintrag bei Wikipedia wünscht er sich.

 

Was erhoffen Sie sich von Söder, was vermissen Sie bei Seehofer?

König: Ich glaube, Söder hat eine unglaubliche Energie. Die Ideen, die er auch für Nürnberg gehabt hat von der Kaiserburg bis zum Wöhrder See, sind einfach gut. Söder hat den Blick für die Zukunft. Seehofer hat viele Verdienste. Aber er ist nicht mehr der Mann für die Zukunft.

 

Sie sind Bankkaufmann, arbeiten in leitender Position und haben mit erst 37 Jahren nun den Fraktionsvorsitz der CSU im Nürnberger Rathaus übernommen. Welche Vision haben Sie für Ihre Heimaststadt?

König: Ich glaube, dass wir mit dem Erbe und der Tradition den Blick in die Zukunft richten können. Tradition bewahren und gleichzeitig Weichen für die Zukunft stellen. Diesen mutigen Blick in die Zukunft muss eine Stadt genauso werfen wie das Land und der Bund.

 

Welche Entscheidung des amtierenden Oberbürgermeisters ärgert Sie vor diesem Hintergrund besonders?

König: Wir beschäftigen uns in Nürnberg sehr stark mit der Rolle der Stadt im Dritten Reich. Das ist wichtig und hat mit dem Dokuzentrum und Memorium Nürnberger Prozesse großartige Einrichtungen hervorgebracht. Genauso wichtig wäre mir aber, den Blick wieder mehr auf die Stärke der Stadt im goldenen Mittelalter zu richten. Da war Nürnberg die Handelsmetropole in Europa.

 

Manche Städte werben mit dem Slogan "arm aber sexy". Welchen Werbespruch haben Sie für Nürnberg?

König: Wir werden unterschätzt. Nürnberg hat keiner auf dem Schirm. Wir müssen wieder in die Offensive gehen. In Deutschland und in Europa.

 

Das Gespräch führte Nikolas Pelke