Mittwoch, 30.05.2012 |

 

17.11.2009 21:30 Uhr | 269x gelesen
Drucken Text vergrößern

Neuer Anlauf der Nichtraucher


München (DK) Das Bemühen um den Schutz der Nichtraucher geht in eine neue Runde. Landesweit ruft die ÖDP zur Unterstützung des "Volksbegehren für einen echten Nichtraucherschutz" auf. Ab morgen beginnt eine zweiwöchige Eintragungsfrist.


Kein Thema hat in den vergangenen Jahren die bayerische Seele so zum Glühen gebracht, wie das Rauchverbot in Gaststätten. Nachdem die CSU sich zunächst des schärfsten Nichtrauchergesetzes in Deutschland rühmte, wurde es unter dem Einfluss der mitregierenden FDP wieder aufgeweicht.
 

Doch dagegen rührt sich jetzt heftiger Widerstand. "Der Schutz der Gesundheit muss Vorrang haben vor den Interessen der Tabaklobby", heißt es im Aufruf der Öko-Partei. Dies sei nicht nur für die Gäste wichtig, sondern auch für die Kellnerinnen und Kellner, argumentiert Sebastian Frankenberger (ÖDP), der Organisator des Volksbegehrens.
 
Eingeräucherte Kellner
 
340 000 Bedienungen arbeiteten bayernweit in Wirtsstuben, Kneipen, Restaurants und Diskotheken. "Sie sind täglich an ihrem Arbeitsplatz den herzschädigenden und krebserregenden Schadstoffen des Tabakrauchs ausgesetzt und können sich ihnen nicht entziehen", erklärt der Koordinator der Gesundheitsorganisationen im Aktionsbündnis, der Umwelttoxikologe Friedrich Wiebel.

Den Präsidenten des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes (BHG), Siegfried Gallus, lässt diese Argumentation ziemlich kalt. Er möchte, "dass endlich wieder Ruhe einkehrt in das ständige Auf und Ab beim Nichtrauchergesetz", sagte er dem DONAUKURIER. Den Arbeitsschutz der Bedienungen regele ein Bundesgesetz. Seine Kollegen in den Gastbetrieben bräuchten dagegen endlich wieder "Planungssicherheit".
 
Nun muss man wissen, dass Gallus anfangs für ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie eintrat, sich dann als Verbandspräsident aber nicht gegen seine eigene Klientel durchsetzen konnte. Nur noch in dem Satz "Wer geht denn schon gern zum Essen in ein Raucherlokal" tritt seine persönliche Meinung zutage.
 
Derweil wächst die Front der Unterstützer für das Volksbegehren. Neben der ÖDP findet das Aktionsbündnis Zulauf von der SPD, den Grünen, dem Bund Naturschutz sowie mehreren Nichtraucher-Initiativen. Die SPD-Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner nannte es skandalös, dass mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) ausgerechnet ein früherer Bundesgesundheitsminister die Aufweichung des Rauchverbots eingeleitet habe. In dieser Funktion habe Seehofer die schadhafte Wirkung des Passivrauchens noch mit der toxischen Wirkung von Asbest verglichen.
 
Die gefährliche Wirkung des Rauchens dürfte auch der Grund dafür sein, dass das Volkbegehren von so vielen Gesundheitsorganisationen unterstützt wird. Neben der bayerischen Landesärztekammer, dem Hausärzte- und Apothekerverband ruft auch die Psychotherapeutenkammer Bayerns zur Unterschrift auf. Ziel sei es vor allem bei Kindern und Jugendlichen die Zahl der Neu-Raucher zu vermindern. Diese aber bekämen in Festzelten uneingeschränkt "das schlechte Verhalten von Erwachsenen" dargeboten
 
Die Eintragungsfrist in den Rathäusern endet am 2. Dezember. Wenn bis dahin zehn Prozent der Wahlberechtigten – somit gut 920 000 Menschen – das Volksbegehren für völlig rauchfreie Gaststätten in Bayern unterstützen, kommt es zum Volkentscheid.
 
Verbot gelockert
 
Der Landtag hatte im Juli mit der Mehrheit von CSU und FDP eine Lockerung des Rauchverbots in Bayerns Gaststätten beschlossen. Nach dem Inkrafttreten des neuen Gesetzes ist es seit 1. August 2009 wieder erlaubt, in Bier-, Wein- und Festzelten sowie in Einraumgaststätten mit weniger als 75 Quadratmetern Gastfläche zu rauchen.


Von Gabriele Ingenthron

Artikel weiterempfehlen  Empfehlen Artikel verlinken  Artikel verlinken

Wenn Sie diesen Artikel von donaukurier.de verlinken möchten, können Sie einfach folgenden HTML-Code verwenden:

 

Drucken  Drucken  Leserbrief schreiben   Leserbrief Kommentare lesen/schreiben  Kommentieren
zu diesem Artikel sind keine Beiträge vorhanden

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingelogged sein!
Benutzername  
Passwort      
Noch keinen Zugang?
Jetzt kostenlos registrieren!
Anmeldung über Cookie merken

 
 


Weitere Themen 
Wenn die Rechnung nicht aufgeht
22-Jähriger stürzt von Schiff in die Donau
Die Rückkehr der Nibelungen
Dabei sein ist alles
Das Bier des Bürgermeisters
Entsetzen über "Hass auf Bäume"
Der "singende Cowboy" reitet wieder
Schütze von Memmingen knackte Waffenschrank des Vaters
"Vielfältiger als hier kann die Natur kaum sein"
14-Jähriger wird Haftrichter vorgeführt - Streit mit Freundin ging Tat voran
 


>