Kronprinz Söder
München (DK) Personalrochade im bayerischen Kabinett: Umweltminister Markus Söder beerbt Georg Fahrenschon als Finanzminister. Damit endet ein tagelanges Hickhack in der CSU. Die große Verliererin ist Familienministerin Christine Haderthauer. Die Ingolstädterin galt zunächst als erste Wahl auf die Fahrenschon-Nachfolge.
Staatskanzleichef Marcel Huber wird neuer Umwelt- und Gesundheitsminister, Kultusstaatssekretär Thomas Kreuzer wird Chef der Regierungszentrale. Neuer Staatssekretär im Kultusministerium wird der niederbayerische Landtagsabgeordnete Bernd Sibler (CSU). Diese Personalrochade gab Ministerpräsident Horst Seehofer (alle CSU) nach tagelangen Beratungen gestern in München bekannt.
Bei der Opposition stieß die Kabinettsumbildung auf teilweise heftige Kritik. SPD, Grüne und Freie Wähler zweifelten vor allem an der finanz- und haushaltspolitischen Kompetenz des neuen Finanzministers Söder, die Rede war von einer „Notlösung“. Fahrenschon hatte am vergangenen Freitag angekündigt, der Politik den Rücken kehren und Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes werden zu wollen.
Seehofer und die CSU waren von Fahrenschons Abgang kalt erwischt worden. „Ich hätte Georg Fahrenschon gerne gehalten – und er hat das auch gewusst“, sagte Seehofer. Aber er akzeptiere seine Entscheidung. Der Regierungschef sprach von einer „starken Umbildung des Kabinetts“, die in einem sehr ruhigen und geordneten Verfahren erfolgt sei. Die schwarz-gelbe Staatsregierung sei zu jeder Zeit voll handlungsfähig.
Den neuen Finanzminister Söder, der kein ausgewiesener Finanzfachmann ist, würdigte Seehofer als profilierten Politiker, der die bayerischen Interessen etwa in der Euro-Krise oder der Steuersenkungsdebatte exzellent vertreten werde. Mit der Ernennung zum Finanzminister hat Söder den nächsten Schritt auf der Karriereleiter genommen. Dem Franken werden deshalb die besten Chancen im Ringen um eine mögliche Nachfolge von Seehofer als Ministerpräsident eingeräumt.
Für die Fahrenschon-Nachfolge wurde kurzzeitig auch Sozialministerin Christine Haderthauer gehandelt. Gegen die Ingolstädterin soll es aber unter anderem parteiintern Vorbehalte gegeben haben. Seehofer betonte gestern dagegen, Haderthauer hätte das Amt genauso ausüben können. Seite 2 und 3
- Machtspiele und Karriereträume
- Der Manager
- Der Thronfolger
- Der Vielseitige
- Söder soll offenbar bayerischer Finanzminister werden
- Im Karussell
- Wäre Christine Haderthauer eine gute Finanzministerin?
- Ministerin Aigner dementiert Wechsel nach Bayern
- Der starke Auftritt zählt
- Haderthauer soll Finanzministerin werden
-
Noch deutlichere Sprache
(0)
geschrieben am 04.11.2011 09:47
Auch sehr interessant zu lesen.
Linktipp: Fehlender Mannschaftsgeist in der CSU -
Zukunft?
(0)
geschrieben am 04.11.2011 08:35
Offensichtlich macht es Schule, das sich angeschlagene oder aber im Vertrauen der Bürger gesunkene Betriebe und Banken hochkarätige Politiker ins Haus holen. Auch wenn Sparkassen in der Bankenlandschaft noch ein akzeptables Ansehen haben, sehen Sie anscheinend die Notwendigkeit für Ihr Ego hochkarätige Politiker aus dem Job zu loben. So kam auch ein Robert Koch abhanden. Vielleicht sollten wir endlich anfangen unsere Politiker anständig zu bezahlen. Mit den Politikern, die in den letzten Jahren von den Oppositionsparteien demontiert und aus der Industrie abgeworben wurden, könnte man vielleicht eine eigene Partei und schlagkräftige Regierung bilden. Stimmt, vielleicht etwas übertrieben. Aber mir macht es den Eindruck als würde es Schule machen. In der Politik hochdekorieren und in der Industrie dann absahnen. Schon ein übler Gedanke. Mit meiner demokratischen Stimme bei der Wahl beeinflusse ich nicht nur die Politik sondern auch noch den zukünftigen Gehaltszettel meines Kandidaten.


