Gustl Mollath
Gustl Mollath
SWR/Report Mainz
München

Weil er seine Ex-Frau geschlagen, gewürgt und Autoreifen zerstochen hat, urteilte das Landgericht Nürnberg. Viele sehen ihn als Justizopfer. Mollath hatte damals Schwarzgeldvorwürfe gegen seine Ex-Frau erhoben – was sich später als begründet erwies. Mancher vermutet, dass er mundtot gemacht werden sollte. Fakt ist, dass es etliche Ungereimtheiten gibt. Der Untersuchungsausschuss des Landtags stellt heute seine Ergebnisse vor. Unser Redakteur Til Huber hat Mollath im Bezirkskrankenhaus Bayreuth angerufen und mit ihm über seine Sicht der Dinge gesprochen.

Herr Mollath, haben Sie denn die Hoffnung, bald freizukommen?

Gustl Mollath: Ich habe keine Wahnvorstellungen. Aber man wird sich in diesem Land noch was wünschen und positive Träume haben dürfen – wenn das nicht auch schon unter psychischer Krankheit geführt wird. Realistisch betrachtet, bewertet man die Dinge aber nach den Tatsachen.

 

Das heißt, Sie sind skeptisch?

Mollath: Es liegt an den Institutionen, die die Entscheidungsgewalt haben. Ich muss auch einkalkulieren, dass es so bleibt, wie es war. Ich sehe von Behördenseite nicht, dass man sich dem Fall ernsthaft wid-met. Nehmen Sie etwa die Tatsache, dass ich nichts mehr habe. Mir wird aktiv von den Behörden verwehrt, dass aufgeklärt wird, wo meine Habe geblieben ist – Pass, Führerschein, Zeugnisse. Es ist nicht hinnehmbar, dass Sie keine Antwort auf die Frage bekommen: Wo ist Ihr Leben geblieben?

 

Wem machen Sie die größten Vorwürfe, dafür, dass es zu all dem gekommen ist?

Mollath: Es fängt mit Behauptungen von Straftaten an, die ich angeblich begangen haben soll. Mir ist vom Gericht verboten worden, die Sachaufklärung so darzulegen, dass sie meiner Verteidigung dienlich ist. Es ist ja mittlerweile nachgewiesen worden, welchem Richter ich da ausgeliefert war. Aber es ist nicht nur dieser eine Richter. Es war über die Jahre ein regelrecht falscher Film. Man ist über Jahre persona non grata und nirgends bekommt man Hilfe.

 

Auch nicht in der Klinik?

Mollath: Hier in den Anstalten hat Personal immer wieder Einfluss auf ermittelnde Personen genommen. Die sind offensichtlich vorher beiseite genommen worden. Nach dem Motto: ,Der Mann ist balla balla, da brauchen Sie eh nichts machen.’

 

Ihnen wurde vorgeworfen, Ihre Frau geschlagen und gewürgt sowie mehrere Autoreifen zerstochen zu haben. Da ist also überhaupt nichts dran?

Mollath: Natürlich nicht. Deshalb bleibt mir ja auch nichts anderes übrig, als ein Wiederaufnahmeverfahren anzustreben. Damit ich mich dann endlich in einem Verfahren, das rechtstaatlichen Grundsätzen genügt, verteidigen kann. Ich gehe davon aus, dass ich als freier unbescholtener Bürger aus der Verhandlung herausgehe.

 

Ihr Ziel ist die Wiederaufnahme des Verfahrens und dann der Freispruch und der Widerruf ihrer vermeintlichen Geisteskrankheit?

Mollath: Ganz genau. Denn wenn Sie diskreditiert sind als angeblich Geistesgestörter und dann erleben Sie Polizeimaßnahmen: Das wünsche ich nicht meinem schlimmsten Feind.

 

Halten Sie es für möglich, dass in Ihrem Fall einfach nur Fehler passiert sind, oder glauben Sie an eine Verschwörung?

Mollath: Das kann ich nicht beurteilen. Wie es tatsächlich war, wissen nur diejenigen, die da agiert haben. Es gibt Indizien, die teilweise auf so etwas hindeuten. Aber ich habe keine Wahnvorstellungen. Ich kann unterscheiden zwischen Indiz, Vermutung und Beweis. Ohne Beweise kann man nicht sagen: So war es. Es mag sein, dass einige aktiv Einfluss genommen und dabei vielfältige Systemfehler ausgenutzt haben, also die Unzulänglichkeiten von vielen einzelnen Personen.

 

Nachdem etliche Ungereimtheiten öffent-lich geworden sind, kommt die Sache aber doch nun ins Rollen.

Mollath: Das führt aber nicht zu einer Trendwende. Man wäre offensichtlich zufriedener, wenn jetzt Gras über die Sache wachsen würde. So werde ich hier in der Klinik auch behandelt: Ich bin der Unruhestifter. Man ist einem böse. Ich muss Ihnen sagen: Das ist ekelerregend.

 

Warum haben Sie immer wieder verweigert, sich begutachten zu lassen?

Mollath: Wenn Sie erleben müssen, wie Ihnen das Wort im Mund herumgedreht wird und Dinge vollkommen falsch dargestellt werden, würden Sie sich auch so verhalten müssen wie ich. Wenn ich mich einem Gutachter überhaupt noch einmal ausliefern sollte, dann würde ich um eine volle Aufzeichnung in Bild und Ton bitten, die mir auch uneingeschränkt zur Verfügung steht – als Beleg dafür, was ich gesagt und getan habe. Möglichst sollte auch eine Person meines Vertrauens dabei sein. Unter anderen Umständen würde ich mich nie mehr solchen Leuten ausliefern.