Donnerstag, 25. August 2016 |

 

21.01.2016 16:00 Uhr | x gelesen
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NSU-Prozess: Zschäpe nennt Namen aus der Neonazi-Szene


München (dpa/AFP) Die mutmaßliche Rechtsterroristin Beate Zschäpe hat im NSU-Prozess mehrere Neonazis als Helfer genannt. Einer ihrer Anwälte verlaß am Donnerstagnachmittag eine neue Erklärung. So habe der Anführer der Chemnitzer „Blood & Honour“-Gruppe, Jan W., eine Waffe beschafft, hieß es darin. Das habe ihr Uwe Böhnhardt erzählt.


Dabei sei auch von einem Schalldämpfer die Rede gewesen. Darüber hinaus nannte sie die Namen weiterer Helfer, die das Trio bei sich versteckten, Wohnungen mieteten oder Papiere oder Krankenkassenkarten zur Verfügung stellten. Davon waren die meisten bereits bekannt und teilweise im Prozess als Zeugen gehört worden.

Die Antworten von Beate Zschäpe auf Fragen des Gerichts haben im NSU-Prozess lieferten allerdings keine grundlegend neuen Informationen. Zschäpe blieb bei ihrer früheren Darstellung, nicht an den Gewalttaten von Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos beteiligt gewesen zu sein. Mit ihrer Aussage belastete Zschäpe den mutmaßlichen NSU-Helfer André E. Zu ihm und dessen Frau habe sie ein besonders enges Verhältnis gehabt. Mit der Frau sei sie „befreundet“ gewesen und habe diese ab 2006 bis zum Auffliegen des NSU regelmäßig getroffen. Meist seien sie mit den Kindern der Familie E. auf einen Spielplatz gegangen. André E. habe dem Trio in Chemnitz eine Wohnung angemietet, seine Frau habe ihre Bahncard zur Verfügung gestellt.

Zschäpe hatte kurz vor Weihnachten erstmals über ihre Verteidigung Angaben zur Anklage der Bundesanwaltschaft gemacht. Darin bestritt sie die Vorwürfe der Anklage zum größten Teil. Zu den Nachfragen des Gerichts sagte sie nun, Böhnhardt und Mundlos hätten ihre Widersprüche gegen die Gewalttaten mit abwertenden Handbewegungen abgetan. Sie habe die Einstellung der beiden zu Gewalt damals nicht geteilt und teile sie auch heute nicht, ließ Zschäpe verlesen. "Die Gewaltanwendungen, insbesondere die Mordtaten und Bombenanschläge, verurteile ich zutiefst."

Zschäpe beschrieb sich als machtlos gegenüber den mutmaßlichen NSU-Terroristen Böhnhardt und Mundlos, mit denen sie dreizehn Jahre im Untergrund gelebt hatte. "Sie ließen sich von mir nicht beeinflussen", ließ Zschäpe erklären. Bei den der mutmaßlichen Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) angelasteten Taten hätten Böhnhardt und Mundlos sie weder für die Planung noch für die Ausführung gebraucht.

Zschäpe sagte, sie habe erst nach dem Tod von Mundlos und Böhnhardt mitbekommen, dass die beiden Männer ihr während des gemeinsamen Lebens im Untergrund "eine Vielzahl an Waffen" nicht gezeigt hätten. Jeder von ihnen habe im gemeinsamen Unterschlupf ein abschließbares Zimmer gehabt, dort hätten die beiden die Waffen vor ihr verstecken können.

Zschäpe beschrieb ihr Verhältnis zu Mundlos wie das von "Bruder und Schwester". "Mein Verhältnis zu Uwe Böhnhardt beschreibe ich so, dass ich ihn geliebt habe." Insgesamt sei sie abhängig von den beiden gewesen.

Sie beschrieb auch einen übermäßigen Alkoholkonsum gerade in den letzten Jahren ihres Lebens im Untergrund. Sie habe regelmäßig heimlich viel Sekt getrunken, am Ende zwei oder drei Flaschen pro Tag. Nur so seien die Tage für sie erträglich gewesen.

Die Erklärung Zschäpes am Donnerstag hatte sich nach einem Befangenheitsantrag des mutmaßlichen NSU-Helfers Ralf Wohlleben gegen den Vorsitzenden Richter Manfred Götzl und eine Richterin um mehrere Stunden verzögert. Eine Entscheidung über die Anträge steht noch aus.


 
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