Mit Fachbüchern zu Schnapsexperten
Oberschleißheim (DK) Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. "Vom Schnapsbrennen hatten wir überhaupt keine Ahnung", gibt Alexander Bauer unumwunden zu. Der stellvertretende Leiter der Schloss- und Gartenverwaltung Schleißheim wollte es aber trotzdem probieren – und damit eine lange Tradition fortführen. Zum ehemaligen Sommerschloss der bayerischen Könige und Kurfürsten gehörte früher nämlich ein großer Wirtschaftsteil, in dem Ackerbau und Viehzucht betrieben wurde. Daneben gab es auch eine Schlossbrauerei, die für die Edelmänner außer Bier auch Schnaps aus den Früchten der weitläufigen Bio-Obstbaumanlagen des Schlossgartens herstellte.
So griffen Bauer und sein jetziger Brennmeister Ralf Wolff auf das Naheliegendste zurück: auf Fachbücher. Lesen und Ausprobieren hieß die Devise. "Wir haben einfach ins Blaue hinein gebrannt." Natürlich gab jedes Buch andere Tipps und auch jeder Brennmeister, mit dem sich Bauer unterhielt, hatte seine ganz eigene Meinung, wie es denn richtig gemacht werden müsse. Zum Beispiel riet ihm ein Österreicher, möglichst viel Zucker zuzusetzen, um die Alkoholausbeute beim Destillieren zu erhöhen. Wieder zu Hause erfuhr Bauer, dass Zusatzstoffe, gleich welcher Art, in Deutschland streng verboten sind. Aber Bauer und Wolff ließen sich nicht entmutigen.
Mit der Brennerei klappte es schließlich so gut, dass die Verwaltung sich dazu entschloss, in eine neue Brennblase zu investieren. Mittlerweile gibt es den Zwetschgenschnaps "Blauer Kurfürst", den Obstbrand "Renatuswasser", den Quittenschnaps "Slius" sowie verschiedene Liköre. Schleißheim ist neben Herrenchiemsee die einzige staatliche Schlossverwaltung, die ihren eigenen Schnaps brennt.
In diesem Winter wird der Brand nun zum ersten Mal mit einem 300-Liter-Brennrecht produziert. Eine Herausforderung für die Männer, die daneben ja noch ihrer normalen täglichen Arbeit nachgehen müssen. Aber der selbst produzierte Brand ist eben auch ein nicht zu verachtender Werbeeffekt für die Schlossanlage, die in Sachen Bekanntheit und Besucheranzahl weit hinter den bayerischen Prunkschlössern Nymphenburg, Neuschwanstein und Linderhof zurückliegt.
Dabei ist gerade der weitläufige Barockgarten, der die drei prachtvollen historischen Gebäude – Altes Schloss, Neues Schloss und Schloss Lustheim – umgibt, in Bayern einzigartig. Die Obstsorten darin sind bis zu 300 Jahre alt. Im Rahmen eines Projektes der Uni Hohenheim wird laut Bauer sogar versucht, historische Apfel- und Birnensorten, die es zur Zeit des Schlossherrn Maximilian II. Emanuel (1662-1726) gab, rückzuzüchten. "Das wäre natürlich ein Traum, Schnaps aus diesen besonderen Früchten herzustellen", schwärmt Bauer.
Von Silvia Obster
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