: Michael Kreitmeir freigesprochen
Ein Schmetterling aus Putzlappen als Willkommensgruß: Nach seinem Freispruch besuchte Michael Kreitmeir am Freitagmittag das Gefängnis von Monaragala, in dem er selbst acht Tage inhaftiert war. Seinen Besuch dankten ihm die Frauen mit dem Geschenk. - Foto: kx
Mit dem lapidaren Satz "Sie können gehen, es wird keine Anklage erhoben" endete am Freitagvormittag für Kreitmeir ein Albtraum, der den gebürtigen Eichstätter körperlich wie psychisch mitgenommen, aber nicht gebrochen hat.

Für ihn sei es eine "völlig unwirkliche Situation" sagt Kreitmeir wenige Minuten nach Ende seiner inzwischen neunten Verhandlung vor einem Gericht auf Sri Lanka über Handy dem DONAUKURIER. Er fühle sich zwar erleichtert, aber Freude könne er kaum verspüren. Dafür seien die Wunden zu tief und noch zu frisch.

Am 17. August, also genau vor vier Monaten, war der gebürtige Eichstätter, der vor elf Jahren mit dem Aufbau eines Kinderdorfes auf Sri Lanka begonnen und dort inzwischen mit der von ihm gegründeten Little Smile Association eine Reihe weiterer Hilfsprojekte ins Leben gerufen hat, verhaftet worden. Bei der Durchsuchung seines Autos waren Drogen gefunden worden, deren Besitz der ehemalige TV-Journalist immer wieder vehement bestritten hatte.

Kreitmeir selbst sprach damals und spricht nach wie vor von einem Rachefeldzug eines Provinzministers auf Sir Lanka, dessen Erpressungsversuchen er nicht nachgegeben hatte. Deshalb sei sein Auto von einer Milizeinheit durchsucht worden, wobei ihm die Drogen untergeschoben worden seien. In den zurückliegenden Monaten stand er deswegen insgesamt vier Mal vor Gericht, wobei die Drogen – angeblich 1,8 Gramm Heroin – nie als Beweismittel vorgelegt worden waren. Parallel dazu war er verdächtigt worden, illegales Kulturgut zu besitzen. Auch diese Vorwürfe erwiesen sich in fünf Verhandlungen nach und nach als völlig haltlos.

Seit Freitagvormittag sind nun alle gegen ihn erhobenen Beschuldigungen fallen gelassen. Kreitmeir hat seinen Pass wieder in seinen Händen, ist ein freier Mann, und kann Sri Lanka jederzeit verlassen. Das allerdings liegt ganz und gar nicht in seinem Sinne. Der Eichstätter hat seinen Beruf als TV-Journalist aufgegeben und sich der Hilfe von Kindern und Müttern mit Kindern in Not auf Sri Lanka verschrieben. Etwa 450 Schützlinge betreut er dort in seinem Kinderdorf Little Smile sowie in Waisenhäusern oder anderen, von ihm gegründeten Einrichtungen. Dieses Lebenswerk will er fortsetzen. "Ich werde wieder neu anfangen, aber nicht mehr von vorne", teilt er mit.

Weihnachten werde er deshalb auch nicht zu Hause bei der Familie im oberbayerischen Eichstätt verbringen. Damit hat sich seine Frau Elke, die zu Hause sein Schicksal mit Bangen verfolgt hat und jetzt "glücklich" ist, abgefunden: "Michael und die Familie haben sich für Little Smile entschieden, und ich stehe hinter diesem Projekt", sagt sie nach dem Freispruch. Und Sohn Manuel (24), der bei der Verhaftung seines Vaters auf Sri Lanka mit im Auto saß und im Freispruch ein "Weihnachtsgeschenk für unsere ganze Familie" sieht, weiß um den Idealismus seines Vaters.

Ob Kreitmeir allerdings seine Arbeit auf Sri Lanka fortsetzen kann, hängt davon ab, ob sein Visum, das im Frühjahr ausläuft, verlängert wird. Doch da hat die Zuversicht bei dem 54-Jährigen schon wieder Oberhand. "Ich gehe davon aus, dass ich bleiben kann."