Mittwoch, 30.05.2012 |

 

05.01.2012 21:37 Uhr | 235x gelesen
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Wulffs Schatten über Wildbad Kreuth


Bild: Wulffs Schatten über Wildbad Kreuth. Kreuth Kreuth (DK) Es ist etwa zehn Uhr morgens, als ein Techniker anfängt, auf dem Podium des Konferenzsaals herumzuschrauben. Eines der Rednerpulte kommt weg – der Parteichef wird nicht zur Pressekonferenz erscheinen. Warum? Er werde eben „davon absehen“, sagt eine Sprecherin der CSU-Landesgruppe.

Kreuth (DK) Es ist etwa zehn Uhr morgens, als ein Techniker anfängt, auf dem Podium des Konferenzsaals herumzuschrauben. Eines der Rednerpulte kommt weg – der Parteichef wird nicht zur Pressekonferenz erscheinen. Warum? Er werde eben „davon absehen“, sagt eine Sprecherin der CSU-Landesgruppe.


Der wegen eines Hauskredits und seines Umgang mit der Presse kritisierte Bundespräsident Christian Wulff hat einer Umfrage zufolge seit Wochenbeginn kontinuierlich Sympathien eingebüßt.
Bild: © 2012 AFP Der wegen eines Hauskredits und seines Umgang mit der Presse kritisierte Bundespräsident Christian Wulff hat einer Umfrage zufolge seit Wochenbeginn kontinuierlich Sympathien eingebüßt.
Eigentlich kann es sich jeder denken: Horst Seehofer will keine Fragen zur Affäre um Bundespräsident Christian Wulff beantworten, lautet die allgemeine Interpretation. Er wolle sich nicht den Mund verbrennen. Schließlich ist völlig ungewiss, was noch alles herauskommt. Dass die Affäre um den Präsidenten mit dem jüngsten Fernsehinterview ausgestanden ist, glaubt in der CSU kaum jemand.

Bis zu diesem Freitag tagt die CSU-Landesgruppe noch bei ihrer traditionellen Winterklausur in Wildbad Kreuth. Eigentlich ist die Stimmung gut. Die jüngsten Umfragen für Bayern sind passabel. Die Zahlen böten „eine Perspektive“ im Freistaat bald auch wieder ohne die FDP zu regieren, sagt ein Präsidiumsmitglied. Und es sieht danach aus, als könne der Schonkurs, den die CSU jüngst gegenüber dem Partner eingeschlagen hat, schon sehr bald vorbei sein. Als es hinter verschlossenen Türen um das Streitthema Vorratsdatenspeicherung geht, gibt Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt die Richtung vor. „Wir können die Probleme der FDP nicht lösen, indem wir das eigene Profil aufgeben“, sagt sie – und bekommt kräftig Zustimmung dafür. Seehofer bekräftigt den Kurs, wie Sitzungsteilnehmer berichten.

Auch der Parteichef persönlich kann sich dieser Tage freuen. Laut der aktuellen Umfrage des Bayerischen Fernsehens hat das Vertrauen in der Bevölkerung zum CSU-Vorsitzenden und Ministerpräsidenten deutlich zugenommen. Zwei Drittel der Bayern halten ihn danach für einen guten Regierungschef. Vor einem Jahr waren es nur gut die Hälfte.

Doch all das wird getrübt durch die Affäre um Wulff. Am Mittwochabend versammeln sich Abgeordnete vor einem der wenigen Fernsehgeräte im Tagungszentrum und sehen sich das Interview mit dem Präsidenten an. Einige sehen den Staatschef dadurch gestärkt. „Er hat sich zu allem geäußert. Man muss fair bleiben“, sagt Generalsekretär Alexander Dobrindt. Doch es bleibt Skepsis. „Man könnte sagen: Er hat sich Zeit gekauft“, meint ein führender CSU-Mann gestern Morgen.

Und schon mittags drohen neue Vorwürfe. Die „Bild“-Zeitung will nun die Nachricht auf der Mailbox ihres Chefredakteurs veröffentlichen, in der Wulff dem Blatt droht. Der Bundespräsident verweigert seine Zustimmung. Bei der CSU will jetzt kaum noch jemand offiziell etwas dazu sagen. Die Sorgen sind größer geworden. „Das wird noch weitergehen“, sagt eine. „Wenn jetzt noch was Neues kommt, wird es eng“, meint ein anderer.

In einem sind sich die meisten einig: Der Kredit, den Wulff von dem befreundeten Ehepaar Gerkens bekommen hat, ist längst nicht mehr das Problem. Schlimm sei das ungeschickte Verhalten des Präsidenten – und die ständig neuen Details, die ans Licht kommen. Und sollte Wulff tatsächlich stürzen, wäre nicht nur er beschädigt. Auch die CSU und alle, die ihn sonst noch gewählt haben, verlören an Vertrauen. Zumal die schwarz-gelbe Koalition bei der Wahl eines neuen Präsidenten nur noch eine winzige Mehrheit in der Bundesversammlung hätte. Auch darüber macht man sich auf den Fluren des Kreuther Tagungszentrums schon so seine Gedanken.

Selbst Seehofer wird darüber nachdenken. Auch wenn er der Pressekonferenz angeblich doch nicht wegen der Causa Wulff ferngeblieben ist, wie man später erfährt. Das Abendprogramm der Bundestagsabgeordneten am Donnerstag versäumt er dann auch noch. Er musste dringend zu einem Präsidenten. Allerdings nicht zum Staatsoberhaupt nach Berlin, sondern zum Chef des FC Bayern München: Uli Hoeneß feierte ganz in der Nähe am Tegernsee seinen 60. Geburtstag.

 


Von Til Huber
 
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