Ingolstadt: Das kostet Energie
Wartet auf sein Geld: Herbert Geißler aus Wackerstein bei Pförring ist einer der Besitzer von Solaranlagen in Bayern, bei denen Eon mit den Zahlungen für den gelieferten Strom im Verzug ist - Foto: Kügel
Ingolstadt
Eine Fotovoltaikanlage kostet nicht gerade wenig Geld. Die meisten Betreiber müssen hohe Kredite aufnehmen, um die Module auf ihrem Hausdach oder auf ihrem Feld installieren zu können. Wenn der Netzbetreiber dann den eingespeisten Strom nicht zahlt, kann das für manchen existenzgefährdend sein.

Bei Herbert Geißler aus Wackerstein bei Pförring (Kreis Eichstätt) ist das zwar nicht der Fall, dennoch fühlt er sich machtlos. Denn wie er an seine Einspeisevergütung kommen soll, die ihm ja gesetzlich zusteht, weiß er nicht. Immer wieder habe er bei Eon angerufen und Faxe hingeschickt, immer wieder habe es geheißen: „Tut uns leid, Herr Geißler, wir verstehen Ihr Problem und arbeiten daran“, wie der Landwirt erzählt. „Aber das hilft mir nix, die Bank bucht trotzdem weiter bei mir ab“, sagt er. Im Moment schuldet ihm Eon rund 7500 Euro an Abschlagszahlungen für seine beiden Anlagen, die er im August 2010 und im Juni 2011 gebaut hat. Investiert hat er dabei knapp 240 000 Euro.

Anderen Betroffenen fehlen noch weitaus höhere Summen. Der Aichacher Rechtsanwalt Marc Sturm vertritt mittlerweile schon 22 Mandanten – überwiegend aus dem Landkreis Dachau und dem nördlichen Landkreis Aichach-Friedberg – , die bisher keine oder zu wenig Einspeisevergütung von Eon erhalten haben. Darunter befinden sich Rentner mit wenigen Solarmodulen auf ihrem Dach genauso wie Unternehmen, die gewerblich Großanlagen betreiben. Sturm hat zum Beispiel einen Mandanten mit einer 19-Megawatt-Anlage: „Dem gehen pro Tag 8000 Euro ab.“ Geld, das für Zins- und Tilgungsleistungen aber dringend gebraucht werden würde. Am 19. Juni sei der erste Gerichtstermin in Regensburg angesetzt.

Eon Bayern bestreitet die Vorwürfe nicht. „Das Problem ist uns bekannt und wir arbeiten mit Volldampf daran“, sagt Pressesprecher Josef Schönhammer. Er nennt zwei Gründe dafür: Wegen einer Gesetzesänderung müssten die Kundendaten von Netz und Vertrieb getrennt werden. Das habe eine umfangreiche Systemumstellung zur Folge, welche 150 Millionen Datensätze betrifft. Seit Herbst arbeitet der Konzern daran, diese in „die neue IT-Welt“ einzupflegen und ist immer noch nicht fertig damit.

Hinzu kommt laut Schönhammer der Fotovoltaik-Boom in Bayern. „Wir werden mit Anträgen zugeballert, die Bearbeitung hinkt hinterher.“ 210 000 Anlagen speisten momentan ins Eon-Netz ein, allein im vergangenen Jahr seien 40 000 neue in Betrieb genommen worden. Zudem gebe es über 4000 verschiedene Tarifmodelle, um die Stromerzeugung zu vergüten. Angesichts dieser Zahlen, so der Sprecher, lägen die momentanen Zahlungsrückstände „also lediglich im Promillebereich“. 300 bis 500 Anlagenbetreiber seien betroffen, sie könnten sich an die Hotline wenden. „Wir tun unser Möglichstes, um die Rückstände aufzuholen“, verspricht Schönhammer. In ein paar Wochen werde endgültig alles erledigt sein.

Allerdings hat es das bei Eon nun schon öfter geheißen. Rechtsanwalt Sturm wie auch der Bauernverband raten den Betroffenen dazu, das kaufmännische Prinzip anzuwenden. Dabei wartet man nicht mehr auf die monatliche Gutschrift des Netzbetreibers, sondern stellt den gelieferten Strom selbst in Rechnung. So hat man mehr Rechtsmittel in der Hand, kann Mahnungen schreiben und so zumindest Druck auf den Konzern ausüben.

Diesen Schritt hat Landwirt Geißler bisher noch gescheut. Für den Monat März hat er sein Stromgeld nun zwar bekommen, von Oktober bis Februar vermisst er es aber noch. „Und es ist offenbar auch nichts in Sicht. Eon lässt nichts von sich hören.“ Lange will er sich das nicht mehr gefallen lassen. „Es ist ja nicht so, dass ich irgendwie versuchen würde, illegal Geld zu nehmen.“ Die Energiewende sei ein Gesetz der Politik und Bürgerwille – „und den setze ich um“.