Ingolstadt: "Es ist überwältigend"
Der Neuburger Notarzt Alexander Hatz
Hatz
Ingolstadt

Auch, weil Hatz bei dem Einsatz womöglich das Leben eines Kindes rettete, ist inzwischen eine heiße Diskussion darüber entbrannt: Wie weit darf ein Rettungsfahrer im Einsatz gehen, um schnell vor Ort zu sein? Mittlerweile gibt es erste Solidaritätsaktionen mit dem Notarzt. Wir haben mit Alexander Hatz gesprochen.

 

Herr Hatz, Ihr Fall schlägt momentan ziemliche hohe Wellen. Welche Reaktionen haben Sie bislang bekommen?

Alexander Hatz: Es ist überwältigend – im positiven Sinne. Ich bekomme ständig Nachrichten und Anrufe von Leuten, die ich noch nie vorher gesehen habe, die mir ihre Unterstützung kundtun. Das geht ja quer durch die ganze Bundesrepublik. Und wenn Dortmunder einen Bayern stützen, dann will das schon was heißen. Einige Leute haben sich offenbar sogar bereiterklärt, die Geldstrafe zu übernehmen, wenn es zu einer Verurteilung kommen sollte. Eine andere Gruppe hat angeboten, einen Fahrdienst zu organisieren, um mich zu meinen Einsatzstellen zu bringen.

 

Haben Sie auch mit Notarzt-Kollegen gesprochen?

Hatz: Natürlich. Ich habe ja bereits seit Donnerstagabend wieder Notarzt-Dienst. Und alle sagen unisono: Das können wir uns nicht bieten lassen. Denn damit wird letztendlich die Sinnhaftigkeit der Sondersignale und der Einsatzfahrten per se in Frage gestellt. Noch dazu, wo doch gar kein Schaden entstanden ist. Wenn ich jemandem reingefahren wäre – kein Thema. Aber letztendlich geht es nur um ein Ausweichen einem Einsatzfahrzeug gegenüber. Da ist in keinster Weise ein Verständnis dafür zu sehen.

 

Sogar eine Online-Petition wurde bereits für Sie gestartet.

Hatz: Davon habe ich gehört. Ich bin allerdings insofern darüber überrascht, weil ich nicht weiß, was die Petition eigentlich bewirken soll. Aber es zeigt die Unterstützung.

 

Hat sich der Strafbefehl auf Ihren Notarzt-Alltag ausgewirkt?

Hatz: Nein, weil ich nach wie vor der Meinung bin, dass ich mich nicht falsch verhalten habe. Ich habe das getan, was ich in 5000 Einsätzen vorher auch schon getan habe. Und das kann eigentlich nicht falsch sein. Zumal ich bisher noch nie einen Unfall hatte oder irgendjemanden in Bedrängnis gebracht habe. Aber es hat sich insofern für mich – und wahrscheinlich auch für alle anderen Blaulichtfahrer – positiv ausgewirkt, dass ich das Gefühl habe, dass seitdem sich die Sache in der Presse verbreitet, die Leute bereits in dem Moment anfangen auszuweichen, wenn sie nur ein Blaulicht sehen. Ich bin noch nie so sicher und so unbedrängt zu meinen Einsätzen gekommen, wie in den vergangenen zwei Tagen.

 

Das heißt, Sie hatten in der Vergangenheit oft mit dem Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer zu kämpfen.

Hatz: Immer wieder. Ich glaube kaum, dass es einen Einsatzfahrer gibt, der nicht bei jeder Einsatzfahrt eine Situation hat, wo er sagt: „Menschenskind, Leute! Wie kann man sich nur so verhalten“ Erst vorhin hatte ich bei einem Einsatz wieder so eine Situation. Das ist schon ein Irrsinn.

 

Was fahren Sie eigentlich für ein Auto?

Hatz: Damals einen Audi A4. Mittlerweile ist es ein BMW X3.

 

Wie würden Sie selbst Ihren Fahrstil beschreiben?

Hatz: Zügig, aber meines Erachtens jederzeit kontrolliert. Ich tue auch was dafür. Ich mache spätestens alle zwei Jahre ein Fahrtraining beim ADAC, beim ÖAMTC und bei Audi Sport. Um das Auto zu beherrschen und zu sehen, wie sich das anfühlt, wenn ein Auto in einen Grenzbereich kommt und wie man sicher ausweicht.

 

Der Vorsitzende des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst sieht das grundlegende Problem darin, dass Sie als Notarzt überhaupt selbst hinter dem Steuer sitzen. Schließlich müsse der Arzt nicht nur fahren, sondern auch funken und navigieren.

Hatz: Also grundsätzlich hat er damit natürlich recht: Zwei Leute sind bei einem Einsatz immer besser als einer. Aber: Wenn wir in Bayern ein solches System flächendeckend ausbauen wollten, dass alle Mediziner, die momentan den Rettungsdienst sicherstellen, aus der Rettungswache heraus den Notarztdienst fahren – mit einem zusätzlichen Fahrer – dann haben wir schätzungsweise in 50 Prozent der bayerischen Standorte das Problem, dass der Dienstplan nicht mehr sichergestellt werden kann.

 

Wie sehen Sie ihre Chancen vor Gericht?

Hatz: Wenn wir unsere Argumente sauber rüberbringen können und der Richter ein vernünftiger Mensch ist – wovon ich ausgehe – bin ich mir sicher, dass das Ganze letztendlich niedergeschlagen werden muss.

 

Die Fragen stellte

Sebastian Oppenheimer.