Dienstag, 26. Juli 2016 |

 

06.02.2015 20:07 Uhr | x gelesen
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"Es ist überwältigend"


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Ingolstadt (DK) Der Neuburger Notarzt Alexander Hatz muss sich im April vor dem Neuburger Amtsgericht verantworten. Der Vorwurf: Auf einer Einsatzfahrt soll er zwei entgegenkommende Fahrzeuge zum Abbremsen und Ausweichen in die Bankette gezwungen haben.


Ingolstadt: "Es ist überwältigend"
Bild: Hatz Der Neuburger Notarzt Alexander Hatz

Auch, weil Hatz bei dem Einsatz womöglich das Leben eines Kindes rettete, ist inzwischen eine heiße Diskussion darüber entbrannt: Wie weit darf ein Rettungsfahrer im Einsatz gehen, um schnell vor Ort zu sein? Mittlerweile gibt es erste Solidaritätsaktionen mit dem Notarzt. Wir haben mit Alexander Hatz gesprochen.

 

Herr Hatz, Ihr Fall schlägt momentan ziemliche hohe Wellen. Welche Reaktionen haben Sie bislang bekommen?

Alexander Hatz: Es ist überwältigend – im positiven Sinne. Ich bekomme ständig Nachrichten und Anrufe von Leuten, die ich noch nie vorher gesehen habe, die mir ihre Unterstützung kundtun. Das geht ja quer durch die ganze Bundesrepublik. Und wenn Dortmunder einen Bayern stützen, dann will das schon was heißen. Einige Leute haben sich offenbar sogar bereiterklärt, die Geldstrafe zu übernehmen, wenn es zu einer Verurteilung kommen sollte. Eine andere Gruppe hat angeboten, einen Fahrdienst zu organisieren, um mich zu meinen Einsatzstellen zu bringen.

 

Haben Sie auch mit Notarzt-Kollegen gesprochen?

Hatz: Natürlich. Ich habe ja bereits seit Donnerstagabend wieder Notarzt-Dienst. Und alle sagen unisono: Das können wir uns nicht bieten lassen. Denn damit wird letztendlich die Sinnhaftigkeit der Sondersignale und der Einsatzfahrten per se in Frage gestellt. Noch dazu, wo doch gar kein Schaden entstanden ist. Wenn ich jemandem reingefahren wäre – kein Thema. Aber letztendlich geht es nur um ein Ausweichen einem Einsatzfahrzeug gegenüber. Da ist in keinster Weise ein Verständnis dafür zu sehen.

 

Sogar eine Online-Petition wurde bereits für Sie gestartet.

Hatz: Davon habe ich gehört. Ich bin allerdings insofern darüber überrascht, weil ich nicht weiß, was die Petition eigentlich bewirken soll. Aber es zeigt die Unterstützung.

 

Hat sich der Strafbefehl auf Ihren Notarzt-Alltag ausgewirkt?

Hatz: Nein, weil ich nach wie vor der Meinung bin, dass ich mich nicht falsch verhalten habe. Ich habe das getan, was ich in 5000 Einsätzen vorher auch schon getan habe. Und das kann eigentlich nicht falsch sein. Zumal ich bisher noch nie einen Unfall hatte oder irgendjemanden in Bedrängnis gebracht habe. Aber es hat sich insofern für mich – und wahrscheinlich auch für alle anderen Blaulichtfahrer – positiv ausgewirkt, dass ich das Gefühl habe, dass seitdem sich die Sache in der Presse verbreitet, die Leute bereits in dem Moment anfangen auszuweichen, wenn sie nur ein Blaulicht sehen. Ich bin noch nie so sicher und so unbedrängt zu meinen Einsätzen gekommen, wie in den vergangenen zwei Tagen.

 

Das heißt, Sie hatten in der Vergangenheit oft mit dem Verhalten der anderen Verkehrsteilnehmer zu kämpfen.

Hatz: Immer wieder. Ich glaube kaum, dass es einen Einsatzfahrer gibt, der nicht bei jeder Einsatzfahrt eine Situation hat, wo er sagt: „Menschenskind, Leute! Wie kann man sich nur so verhalten“ Erst vorhin hatte ich bei einem Einsatz wieder so eine Situation. Das ist schon ein Irrsinn.

 

Was fahren Sie eigentlich für ein Auto?

Hatz: Damals einen Audi A4. Mittlerweile ist es ein BMW X3.

 

Wie würden Sie selbst Ihren Fahrstil beschreiben?

Hatz: Zügig, aber meines Erachtens jederzeit kontrolliert. Ich tue auch was dafür. Ich mache spätestens alle zwei Jahre ein Fahrtraining beim ADAC, beim ÖAMTC und bei Audi Sport. Um das Auto zu beherrschen und zu sehen, wie sich das anfühlt, wenn ein Auto in einen Grenzbereich kommt und wie man sicher ausweicht.

 

Der Vorsitzende des Deutschen Berufsverbands Rettungsdienst sieht das grundlegende Problem darin, dass Sie als Notarzt überhaupt selbst hinter dem Steuer sitzen. Schließlich müsse der Arzt nicht nur fahren, sondern auch funken und navigieren.

Hatz: Also grundsätzlich hat er damit natürlich recht: Zwei Leute sind bei einem Einsatz immer besser als einer. Aber: Wenn wir in Bayern ein solches System flächendeckend ausbauen wollten, dass alle Mediziner, die momentan den Rettungsdienst sicherstellen, aus der Rettungswache heraus den Notarztdienst fahren – mit einem zusätzlichen Fahrer – dann haben wir schätzungsweise in 50 Prozent der bayerischen Standorte das Problem, dass der Dienstplan nicht mehr sichergestellt werden kann.

 

Wie sehen Sie ihre Chancen vor Gericht?

Hatz: Wenn wir unsere Argumente sauber rüberbringen können und der Richter ein vernünftiger Mensch ist – wovon ich ausgehe – bin ich mir sicher, dass das Ganze letztendlich niedergeschlagen werden muss.

 

Die Fragen stellte

Sebastian Oppenheimer.


Donaukurier
 
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  • Das erklärt einiges.... lädt ... nicht eingeloggt Gefällt mir noch nicht bewertet Gefällt mir nicht mehr schon bewertet ()
    geschrieben am 08.02.2015 15:17

    Wie würden Sie selbst Ihren Fahrstil beschreiben?

    Hatz: Zügig, aber meines Erachtens jederzeit kontrolliert

    Autor:   likeme  (43)
    Beiträge: 88
  • Solitärität für Dr.Hatz lädt ... nicht eingeloggt Gefällt mir noch nicht bewertet Gefällt mir nicht mehr schon bewertet ()
    geschrieben am 08.02.2015 15:07

    Seit 38 Jahren fahre ich mit Sonderrechten, es ist Tatsache, dass einige Autofahrer meinen für Sie gilt das Sondersignal nicht, sie träumen beim Autofahren, kennen keinen Spiegel, sehen kein Blinkzeichen aber dann sind sie überrascht wenn plötzlich ein Einsatzfahrzeug vor Ihnen steht. Dr.Hatz hat nur getan, was ihm die Pflicht und sein Verantwortungsbewußtsein auferlegt hat.
    Ich habe ein Urteil vom Oberlandesgericht in Koblenz Az.: 12 U 996/93 in dem eine riskante Fahrweise mit Sonderrechten ausdrücklich als nicht rechtswidrig festgestellt wurde. Am Ende heist es, selbst bei einem Unfall trifft die alleinige Schuld die andern beteiligten Verkehrsteilnehmer.
    Sollte Dr.Hatz verurteilt werden, müssen wir Einsatzkräfte uns solidarisieren und grundsätzlich nicht mehr mit Blaulicht und Martinshorn fahren. Der Staatsanwalt und der Richter wollten dann das so ! Es gibt kein Gesetz, welches uns dazu verpflichtet. Alle die dann schnelle Hilfe benötigen werden darunter zu leiden haben.
    Ich biete Herrn Dr.Hatz an, sollte er doch verurteilt werden ihn drei Tage, privat und dienstlich, rund um die Uhr kostenlos aus Solidarität zu fahren. Dazu komme ich auf meine Kosten extra aus dem Fichtelgebirge zu ihm.
    mit freundlichem Gruß

    Wolf Michael
    ORGL - ELRD - RA

    Autor: RAORGLELRD
    Beiträge: 1
  • Meine Anerkennung ! lädt ... nicht eingeloggt Gefällt mir noch nicht bewertet Gefällt mir nicht mehr schon bewertet ()
    geschrieben am 06.02.2015 22:58

    Sehr geehrter Herr Dr. Hatz,

    ich danke Ihnen fuer die im Interview gezeigte professionelle Haltung und Ihren langjaehrigen und sehr schwierigen Einsatz als Notarzt.

    Ich erkenne in Ihren Worten eine hochengagierte und aufrechte Person, der fragwuerdig 'denkende' und 'handelnde' Leute selbst in der Staatsanwaltschaft an's notaerztliche Leder wollen - nur weil Sie, wie vielfach in den vergangenen Jahren, nichts anderes als Ihre berufliche Pflicht getan haben: zuegig und mit angemessenem Sondersignal zu einem lebensrettenden Notfall-Einsatz fahren !

    Das Kind und seine Eltern werden es Ihnen ewig danken ...

    ... doch offensichtlich querulatorisch eingestellte Zeitgenossen und eine offensichtlich dramatisch ueberforderte Staatsanwaltschaft tun's leider nicht ...

    Ich lernte in der Fahrschule in den 70er Jahren, dass von jedem Auto eine Betriebsgefahr ausgeht - und der Fahrzeuglenker (theoretisch, sicherlich ... aber !) zu jedem Zeitpunkt mit a l l e m (Ball rollt auf die Fahrbahn, Kind hinterher ... Wildwechsel im Wald etc. ...) rechnen muss und deswegen angemessen und defensiv zu fahren hat - jederzeit handlungsfaehig und handlungsbereit !

    Sie fuehren mit Sondersignal - also haben zuallererst A N D E R E auf Sie Ruecksicht zu nehmen, weil Sie im Einsatz sind und ANDERE eben defensiv zu fahren und auf Einsatzfahrzeuge Ruecksicht zu nehmen haben.

    Mit der Anzeige dieser fragwuerdigen Fahrzeuglenker zeigen diese mit EINEM Finger auf Sie - den Notarzt ... die anderen drei Finger zeigen auf diese Fahrer ZURUECK.

    Es sind genau DIEjenigen Leute, die sich die Staatsanwaltschaft vorknuepfen sollte - wegen offensichtlicher Verletzung elementarer Pflichten im Strassenverkehr im Zuge des Einsatz eines Notarztwagens mit Sondersignal !!!

    Was reitet die Staatsanwaltschaft, um Sie ins Visier zu nehmen - anstatt die ANDEREN, die in einer vielleicht schwierigen Situation (wie dies Fahrten von Einsatzfahrzeugen immer sind !) wohl N I C H T adaequat reagiert haben ?!?

    Autor: MannimBusch
    Beiträge: 3



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