Mittwoch, 30.05.2012 |

 

13.01.2012 21:36 Uhr | 184x gelesen
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"Wir brauchen Frauen, die vorpreschen"


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Ingolstadt (DK) 2011 war das Jahr der Frauen in der CSU. Die Frauenquote für Landes- und Bezirksvorstände wurde beschlossen und umgesetzt. Geistige Wegbereiterin war Angelika Niebler, die Landesvorsitzende der Frauen-Union. Unsere Redakteure Gabriele Ingenthron und Til Huber sprachen mit ihr.


Ingolstadt: "Wir brauchen Frauen, die vorpreschen"
„In der Politik muss man immer in Prozessen denken“, sagte die Landesvorsitzende der Frauen-Union, Angelika Niebler, beim Redaktionsgespräch - Foto: Peterhans

Die Frauen sind 2011 geradezu verhätschelt worden in der CSU. Wird es dabei bleiben?

Angelika Niebler: Es war doch richtig, die Frauen im vorigen Jahr in den Mittelpunkt unserer Arbeit zu stellen. Wir haben dafür sogar eine neue Veranstaltungsserie etabliert, die „Lounge in the City“ heißt.

 

Da wird mit Slogans geworben wie „Die CSU weiß, was Frauen wollen“. Wird jetzt mit Kleidchen und Stöckelschuhen Parteiarbeit gemacht?

Niebler: Der Begriff „Lounge in the City“ hat zunächst einige Widerstände ausgelöst. Aber wir haben mit diesem Format Interesse geschaffen. Da werden Frauen angesprochen, die sonst nicht in unsere Veranstaltungen gekommen wären.

 

Männer am Stammtisch, Frauen bei der Cocktail-Party: Damit werden doch alte Rollenmuster festgeschrieben.

Niebler: Unser Problem war nicht: Wie spreche ich die Frauen bei diesen After-Work-Partys an, sondern wie schaffe ich es, die 800 Frauen, die sich drei Tage vor Weihnachten dafür angemeldet haben, in dem kleinen Raum unterzubringen.

Weshalb sollte sich zum Beispiel die moderne großstädtische Frau bei der CSU engagieren?

Niebler: 2012 ist bei der CSU das Jahr der Kommunikation. Wir holen die Frauen da ab, wo sie stehen, und zeigen ihnen, wie großartig die Gestaltungsmöglichkeiten auf allen politischen Ebenen sind.

Und wie steht es um die Entscheidungsmöglichkeiten? Nur drei Frauen sind im bayerischen Kabinett als Ministerinnen vertreten, eine ist Staatssekretärin – von insgesamt 17 Ministerposten.

Niebler: Da müssen wir noch zulegen, da haben Sie recht. Auf Bundesebene haben wir auch noch eine Ministerin. Und alle lassen sich als Mentorinnen einspannen, um politikinteressierte Frauen einzubinden. Wir haben mit unserem Mentoring-Programm ein Tool geschaffen, in dem wir gezielt Frauen ansprechen, die sich davon einen Mehrwert versprechen.

Wie wollen Sie denn die Ministerinnenzahl steigern?

Niebler: Wir haben ein großes Glück mit unserem Ministerpräsidenten, der immer für innovative Personalentscheidung gut ist. Wir haben an vielen entscheidenden Stellen jetzt mehr Frauen sitzen, als das noch vor ein paar Jahren der Fall war.

Seehofer macht sich als Frauenversteher einen Namen in der Partei?

Niebler: Er hat da schon sehr viel Mut bewiesen, auch wenn es dann Kritik aus der Partei gab. Er weiß, dass er an verantwortliche Positionen Frauen setzen muss, die eine gewisse Vorbildfunktion haben. Wir brauchen Frontfrauen, die auch mal provokativ nach vorne preschen, wie das unsere Sozialministerin tut.

Trotzdem ist 2011 der Lapsus passiert, dass diese Frontfrau als Finanzministerin im Gespräch war, und dann doch der Mann, Markus Söder, das Rennen gemacht hat. Ist das das richtige Signal?

Niebler: Die Berufung der Staatsminister ist Sache des Ministerpräsidenten, da kann ich gar nichts dazu sagen.

Solche Signale beschädigen doch auch die Ministerin? Außerdem soll die Bezirksvorsitzende Ilse Aigner daran nicht ganz unschuldig gewesen sein.

Niebler: Christine Haderthauer ist doch nicht beschädigt worden. Im Gegenteil: Sie bringt sich – wie gehabt – engagiert in die Debatte ein und verteidigt auch die bayerischen CSU-Positionen.

Was sagen Sie als Vorsitzende der Frauen-Union dazu, wenn sich zwei Frauen in der CSU gegenseitig beharken und die Posten streitig machen?

Niebler: Das kann ich mir nicht vorstellen. Auch Frau Aigner wird das in keiner Weise bestätigen. Erklären Sie mir doch mal, weshalb unsere oberbayerische Bezirksvorsitzende dagegen sein sollte, dass aus Oberbayern eine weitere Ministerin berufen wird?

Kann es nicht sein, dass die Netzwerke von Frauen nicht so funktionieren wie die Seilschaften unter Männern?

Niebler: Ich weiß nicht, wer das Ganze gestreut hat. Tatsache ist, beide Frauen sind in der Frauen-Union und stimmen sich ab. Frau Aigner ist neue Bezirksvorsitzende geworden und hat Frau Haderthauer als ihre Stellvertreterin vorgeschlagen.

Grundsätzlich muss es Sie doch auf die Barrikaden bringen, wenn eine Frau quasi als sicher gehandelt und dann wieder der Mann nach vorne geschickt wird.

Niebler: In der Politik muss man immer in Prozessen denken. Dann ist es halt nicht in der ersten Runde, dass eine Entscheidung als starkes Signal in Richtung Frauen interpretiert wird. Aber in der nächsten Runde wird es der Fall sein.

Sind Sie da nicht ein bisschen zu genügsam als Frauen-Unions-Vorsitzende?

Niebler: Seit ich Frauen-Unions-Vorsitzende bin, haben wir eine sehr positive Entwicklung unserer Mitgliederzahlen. Ich kann nur feststellen, dass unser Standing in der Partei in den letzten Jahren extrem zugenommen hat. 43 Prozent Frauen sind im Parteivorstand. Das ist ein ganz anderes Klima.

Dann erklären Sie uns doch, warum die CSU eine gesetzliche Frauenquote in den Führungsetagen der deutschen Wirtschaft ablehnt. Nur ein Prozent Frauen sitzen bei den 100 stärksten Unternehmen in den Vorstandsetagen und Aufsichtsräten.

Niebler: Ich finde, dass eine Selbstverpflichtung in einer Partei wie der CSU eine andere Situation ist als in einem Unternehmen, wo dem Eigentümer kraft Gesetz verordnet wird, den Frauenanteil im Vorstand oder Aufsichtsrat um 40 Prozent bis zum Jahr soundso hochzuschrauben.

Aber die freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft gibt es seit rund zehn Jahren, und es hat sich nichts getan.

Niebler: Die Selbstverpflichtung der Wirtschaft hat nicht das gebracht, was man sich erwartet hat. Ich glaube aber, dass jetzt eine andere Dynamik unterwegs ist. Ich kann mir für die Aufsichtsräte der börsennotierten Unternehmen eine gesetzliche Vorgabe vorstellen. Aber da ist noch nicht das letzte Wort gesprochen.


Donaukurier

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