Die Amnestiefrist hatte mit einer bundesweiten Waffengesetzänderung zum 6. Juli 2017 begonnen und gilt für ein ganzes Jahr. Nach 2003 und 2009 ist es das dritte Mal, dass diese Option besteht. Vor neun Jahren waren bundesweit rund 200 000 unerlaubte Waffen abgegeben worden. Diesmal dürften es jedoch deutlich weniger werden - ein Trend, der sich auch in der Ingolstädter Region nach etwas mehr als der Halbzeit der Schonfrist abzeichnet.

Nehmen wir beispielsweise den Landkreis Neuburg-Schrobenhausen: Während die Bürger 2009 noch rund 400 illegale Gewehre, Pistolen und Revolver im Landratsamt abgegeben hatten, kommt bei der im vergangenen Juli angelaufenen Aktion bisher fast gar nichts herein. Das hängt damit zusammen, dass vom Innenministerium zunächst keine klaren "Vollzugshinweise" herausgegeben worden waren. "Bevor wir die Leute auffordern, ihre unerlaubten Waffen vorbeizubringen, wüssten wir schon gern, wir uns verhalten sollen", hatte es im August aus Neuburg geheißen.

Inzwischen sind die Modalitäten geklärt. Das Landratsamt gab am Dienstag eine Mitteilung heraus, wann und wo eine Abgabe möglich ist. "Wir hoffen jetzt, dass möglichst viele ihre Keller und Dachböden durchforsten und die Gelegenheit nutzen, unerlaubte Waffen loszuwerden", sagte Landratsamtssprecherin Sabine Gooss.

Das Ordnungs- und Gewerbeamt in Ingolstadt hat bisher 14 Waffen einbehalten. "Davon fallen zwölf unter die Amnestieregelung, zwei waren legale Waffen, von denen die Besitzer sich aber trotzdem trennen wollten", erklärte Stadtsprecherin Ingrid Schmutzler. "Natürlich haben wir auch die zurückgenommen." Die Polizeiinspektion Ingolstadt meldete drei Abgaben, wobei nur zwei Waffen tatsächlich unter die Rubrik illegal fielen. "Wir bekommen jede Woche mindestens zwei Waffen, deren Besitz eigentlich erlaubt ist", erklärte die zuständige Sachbearbeiterin. Im Gegensatz zu Schreckschusspistolen oder -revolvern würden alle scharfen Waffen dem Landeskriminalamt in München übergeben. Dort erfolge eine Untersuchung, ob damit eine Straftat begangen worden sei.

Karl Huber vom Landratsamt in Pfaffenhofen berichtet von einem "gewissen Ansturm im August und September, da sind ungefähr 30 Waffen abgegeben worden. Das waren oft Erbstücke, darunter viele Kleinkalibergewehre, von denen die Besitzer sich trennen wollten". Seither herrsche Flaute, aber es sei ja noch bis 1. Juli Zeit. Sein Kollege Michael Günthner von der Eichstätter Landkreisbehörde kann ebenfalls 29 Abgaben melden. Ein Drittel sei erlaubnisfrei gewesen.

Die Erfahrung zeigt, dass auf den "letzten Drücker", also zum Sommer hin, wohl noch mit etlichen Abgaben zu rechnen ist. Die Ordnungsbehörden in der Region wollen zum Ende der Amnestiefrist hin noch einmal auf die Möglichkeit hinweisen. Die jüngste Änderung des bundesweiten Waffengesetzes betrifft aber nicht nur den unerlaubten Besitz von Schießeisen. Sie regelt darüber hinaus einen wichtigen Punkt im Umgang mit Gewehren und Pistolen. "Wenigstens reicht es jetzt nicht mehr, wenn man seine Waffen in einem besseren Möbeltresor vom Baumarkt aufbewahrt", hatte Pfaffenhofens Polizeichef Helmut Fink die Verschärfung der Auflagen begrüßt. Sie gehören nun in einen tresorgleichen Schrank der sogenannten Klasse 0. Wer Waffen aber bereits vor dem 6. Juli 2017 legal besaß, darf sie weiter in die bis dahin genehmigten Schränke sperren.