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28.07.2010 21:01 Uhr | 169x gelesen
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Kein Staub auf den Büchern


Bild: Kein Staub auf den Büchern . Ingolstadt Ingolstadt (DK) Das digitale Buch kommt, die analoge Bücherei geht – oder? Der katholische St. Michaelsbund, Träger vieler Büchereien, diskutiert heute auf seiner Jahrestagung in Beilngries, ob die Ausleihe ein \

Ingolstadt (DK) Das digitale Buch kommt, die analoge Bücherei geht – oder? Der katholische St. Michaelsbund, Träger vieler Büchereien, diskutiert heute auf seiner Jahrestagung in Beilngries, ob die Ausleihe ein "kulturelles Modell der Vergangenheit" ist. Doch der Trend ist ein anderer.


Ingolstadt: Kein Staub auf den Büchern
Viel Lesestoff: Bibliotheken wie die Ingolstädter Stadtbücherei können sich über Besuchermangel nicht beklagen. - Foto: Herbert
"Es gibt einen eindeutigen Trend zurück zum Buch." In Zeiten, wo überall von digitalen Büchern und Lesegeräten in Handyformat geredet wird, ist dieser Satz von Uwe Brandl eine überraschende Erkenntnis. Aber Brandl weiß, wovon er spricht: Er ist Präsident des Bayerischen Gemeindetages und Bürgermeister in Abensberg. "Es gibt ein generelles Bedürfnis, ein gedrucktes Exemplar in der Hand zu halten, trotz des Trends zu neuen Medien", stellt Brandl fest. Und damit ist er nicht allein.

Tatsächlich finden in der Medienwelt enorme Veränderungen statt: Nachrichten landen blitzschnell auf Computern und Handys; Informationen von A wie "Asteroidengürtel" bis Z wie "Zollernalbkreis" sind jederzeit online abrufbar; Bücher in digitaler Form ("E-Books) werden über das Internet verbreitet. Dagegen scheint die Bücherei mit beschränkten Öffnungszeiten, einem häufig vergriffenen Bestsellerangebot und dem Schalter, an dem man sich zum Ausleihen und Zurückgeben anstellen muss, eine Einrichtung von vorgestern zu sein. Macht nichts – sie ist in der Region nach wie vor beliebt.

Gabi Lauhoff leitet die Stadtbücherei in Hilpoltstein und berichtet: "Unsere Leserzahlen bleiben ungefähr gleich, aber die Ausleihzahlen sind gestiegen." Dafür sorgen die Schulklassen, mit denen Lauhoff immer häufiger zusammenarbeitet, und die einmal im Monat mit ihrem Lehrer die Bücherei besuchen. "Die Jugend wächst mit dem Internet auf", sagt Lauhoff. "Aber ein Buch in der Hand halten, das ist einfach was anderes."

Die Aufregung um die digitalen Medien hat die Bücherei in Hilpoltstein noch nicht erreicht. Internetplätze gibt es keine, "die wurden bisher auch nicht nachgefragt", sagt die Leiterin. In Schrobenhausen ist das etwas anders. Hier kann man sogar dank des Online-Katalogs OPAC Bücher über das Internet vom Wohnzimmer aus reservieren oder die Ausleihfrist verlängern – und spart sich somit unnötige Gänge zur Bücherei. Dabei ist die einen Besuch wert, seit sie aus der baufälligen Hauptschule in einen ehemaligen Supermarkt umgezogen ist – direkt an der Hauptstraße, mit Parkplätzen und einem riesigen Schaufenster. Mit den neuen Räumen erlebt die Bücherei zur Zeit sogar einen kleinen Boom. "Es läuft sehr gut", erzählt Rosemarie Artinger, "wir kriegen neue Anmeldungen, auch Schulklassen kommen." Sie verleiht unter anderem auch Brettspiele, "aber Buch ist Buch", sagt Artinger. "Da nehmen manche gleich 20, 30 mit." Vor allem Bilderbücher sind gefragt.

Mit 14 000 Besuchern im Jahr 2009 gehört die Schrobenhausener Bücherei eher zu den Kleineren. Die Stadtbücherei Ingolstadt im Herzogskasten hatte 2009 rund 254 000 Besucher – und 3000 Neuanmeldungen. Der Bestand an Kinderbüchern, Lesestoff und Sachliteratur füllt mehrere Stockwerke.

Eine solche Sammlung aktuell zu halten ist teuer, und die Kassen vieler Städte und Gemeinden sind leer. Trotzdem: "Es ist nicht spürbar, dass hier Einschnitte vorgenommen werden", sagt Gemeindetagspräsident Brandl. "Andererseits kann man auch nie genug Geld haben." Laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik haben die Gemeinden und Landkreise 2008 über 125 Millionen Euro für ihre Bibliotheken ausgegeben. Mehr Geld wird vermutlich nicht so bald bereitstehen.

Trotzdem, die Büchereien klagen nicht. Nur Gabi Lauhoff aus Hilpoltstein verrät, die staatlichen Zuschüsse seien vor einigen Jahren gekürzt worden, "aber mit den städtischen Zuschüssen haben wir keine Probleme." Von der Aufregung um das E-Book lässt sie sich auch nicht anstecken: "Ich hab noch niemanden damit gesehen." Kommentar Seite 2


Von Susanne Hagenmaier

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