Ingolstadt: Bunter Protest gegen AfD-Politiker
Alice Weidel, Spitzenkandidatin der AfD, trat erst am späten Abend in Ingolstadt auf.
Ingolstadt

Zeitweise flogen allerdings die Fetzen - oder besser gesagt: Wasserbomben.

Davon bekam Alice Weidel nichts mit, weil sie später eintraf. Noch vor ihrer Rede erklärte die Spitzenkandidatin gegenüber unserer Zeitung, die AfD werde für eine "Rückkehr zur Rechtsstaatlichkeit" kämpfen. Laut Kriminalstatistik liege der Anteil der von Ausländern begangenen Straftaten bei rund 40 Prozent, ihr Anteil an der Bevölkerung jedoch nur bei 11 Prozent. "Das geht auf das Konto der Bundesregierung", meinte Weidel.

Die AfD fordert unter anderem, straffällige Ausländer sofort abzuschieben. Das Strafmaß für Gewalttaten müsse auf drei Jahre hochgesetzt werden, sagte Weidel: "Damit diese Leute nicht mehr Bewährung bekommen und frei herumlaufen." Außerdem sollten Ausreisepflichtige ihre Haftstrafen nicht in Deutschland, sondern in ihren Herkunftsländern absitzen.

Zu Beginn der Gegendemonstration vor dem Theater boten Redner der AfD Kontra. Agnes Krumwiede, Bundestagskandidatin der Grünen, sagte, das Stadttheater sei ein Ort der Kultur und der Begegnung auch mit Geflüchteten. "Ausgerechnet dieser Ort ist Treffpunkt für die Feinde unserer offenen Gesellschaft und die Feinde unser vielfältigen Kultur", kritisierte Krumwiede. Für sie ergibt das AfD-Programm folgendes Schreckensszenario: "Vor der Kulisse qualmender Kohlekraftwerke steht die Frau als Gebärmaschine am Bügelbrett, während verzweifelte Menschen an unseren Grenzen abgewiesen werden und aus dem Radio rechte Parolen dröhnen."

Werner Widuckel, der für die SPD in den Bundestag einziehen will, empörte sich, dass die AfD gegenüber Flüchtlingen, Homosexuellen und der Gleichstellung der Frau mit Ablehnung reagiere. "Wir verteidigen hier Artikel 1 unseres Grundgesetzes, in dem es heißt, die Würde des Menschen ist unantastbar. Nicht die Würde der Deutschen!", rief der SPD-Politiker.

Die AfD sei eben keine Alternative, betonte Francesco Garita vom Landesverband der Linken. "Sie ist antidemokratisch, rassistisch und menschenfeindlich, und sie ist unwählbar für alle."

Eine Gruppe junger Leute, vornehmlich Eishockey-Ultras, ging dann massiver vor. Mit Sprechchören wie "Nazischweine" brüllten sie die Redner vom AfD-Kreisverband bei ihrer Kundgebung nieder. Die Rechtspopulisten schrien zurück: "Kinderschänder". Daraufhin schritten die Polizisten ein und stellten sich zwischen die Fronten.

Die Rednerliste bei der anschließenden AfD-Auftaktveranstaltung zum Bundestagswahlkampf im Festsaal war lang. Vor den rund 200 Besuchern ergriff unter anderem Peter Boehringer, bayerischer Spitzenkandidat für den Bundestagswahlkampf, das Wort. Er warf der CSU vor, sie mache "nur Scheinopposition wie in den vergangenen 40 Jahren." Deshalb sollten sich die Wähler für die Alternative für Deutschland entscheiden, "bevor der Euro unseren Wohlstand und Frieden zerstört".

Als Gast aus Österreich trat Georg Mayer von der FPÖ in Lederhosen ans Rednerpult und appellierte an seine deutschen Gesinnungsgenossen: "Durchhalten und Geduld üben. Lasst euch nicht provozieren. Einigkeit und Geschlossenheit werden vom Wähler immer belohnt. Unsere Positionen werden unweigerlich eines Tages in der Mitte der Gesellschaft ankommen."

Einen Bericht und Videos zu der Gegendemonstration auf dem Theatervorplatz finden Sie hier.