Ingolstadt: "Engagieren, statt sich aufzuregen!"
Demonstration für einen bezahlbaren Wohnraum: Benedikt Horndasch ist kürzlich in die Partei Die Linke eingetreten. - Foto: Meier
Ingolstadt

Auf dem schwarzen T-Shirt ist mit roter Farbe eine E-Gitarre abgedruckt. Um das Instrument herum prangen drei englische Wörter: "Justice, Humanity, Equality" - Gerechtigkeit, Menschlichkeit, Gleichberechtigung. Benedikt Horndasch trägt diese Begriffe wie sein persönliches Wahlprogramm vor sich her. In Jeans und Turnschuhen ist er auch sonst leger gekleidet. Als Parteimitglied der Linken demonstriert er in der Ingolstädter Innenstadt für bezahlbaren Wohnraum. "Ich bin noch ganz frisch dabei", berichtet Horndasch. Seit Juli gehört der Ingolstädter der Partei an. Die Linke vertrete seine Standpunkte, sagt er. Gerade baut er mit seinen Parteikollegen einen Stand in der Mauthstraße auf. Trotzdem hat er Zeit zu erklären, was die drei Begriffe für ihn bedeuten.

"Im Bereich Gerechtigkeit kann die Regierung noch nachjustieren", betont der 25-Jährige: "Wenn ich sehe, wie gewisse Vorstände Millionengehälter beziehen. Millionen an Abfindung kriegen und dann auch noch 8300 Euro Betriebsrente am Tag (Seitenhieb auf Ex VW-Chef Martin Winterkorn) und es auf der anderen Seite Leute gibt, die in der Alten- und Kinderpflege arbeiten und nach 40 Jahren 500 Euro Rente kriegen, dann ist das für mich nicht gerecht." So fordere Die Linke unter anderem eine Mindestrente, um eine annähernde Gerechtigkeit zwischen den einzelnen Berufsgruppen zu schaffen, sagt Horndasch. Für ihn ist das eine gesellschaftliche Ungerechtigkeit.

Auch der zweite Begriff auf seinem T-Shirt beschäftigt den Absolventen: Menschlichkeit. Er erinnert an den großen Strom von Flüchtlingen vor zwei Jahren. Das Paradoxe für Horndasch: Deutschland sei einer der größten Waffenexporteure weltweit - nach Mali, Saudi Arabien oder Qatar wird exportiert. Er bezieht besonders klar Stellung: "Wenn man die Konflikte woanders befeuert, braucht man sich nicht wundern, wenn letzten Endes die Flüchtlinge zu uns kommen." Die Linke ist nach Meinung von Horndasch die einzige Partei, die "sich gegen die Einsätze der Wehr, gegen Waffenexporte und die Rüstungsindustrie stellt".

Als dritten Punkt steht in großen Buchstaben Gleichberechtigung auf seinem T-Shirt. "Es gibt zwar die Ehe für alle, aber wir brauchen auch den gesellschaftlichen Wandel dazu. Es bringt wenig, wenn sie gesetzlich gleichgestellt ist, aber in den Köpfen der Gesellschaft können Vorurteile noch über Jahre hinweg verankert sein." Darum müsse die Politik schauen, dass sie das Thema weiterhin auf der Tagesordnung halte. "Man muss die Rechte von ihnen einwerben, weil nur so kann sich langfristig Toleranz aufbauen."

Während er seine Beweggründe für seinen Eintritt in die Partei Die Linke erklärt, herrscht neben ihm geschäftiges Treiben. Denn: In der Mauthstraße will die Partei an einem geschäftigen Wochentag demonstrieren. Ein meterhoher aufblasbarer Hai wird auf den Pflastersteinen aufgebaut. Auf dem Bauch des Knorpelfischs prangt in großen Buchstaben: "Miethai zu Fischstäbchen." Direkt neben den fletschenden Zähnen des Hais wird ein Informationstisch aufgestellt. Vor dem Stand steht ein rotes Fahrrad mit integriertem Lautsprecher.

Die Partei hat an diesem Tag Großes vor. Unter die Menge mischt sich schließlich auch Horndasch. Im ersten Moment kommt er zurückhaltend herüber, allerdings vertritt er eindeutige Standpunkte, die er im Gespräch immer wieder hervorhebt. Interessierten drückt er einen Flyer in die Hand. Auf dem schwarzen Papier steht in knallroter Schrift: "Bezahlbarer Wohnraum - Jetzt!" Von seiner zurückhaltenden Art keine Spur mehr.

Bereits während seiner Schulzeit habe er sich gerne die Parteiprogramme durchgelesen, obwohl er noch gar nicht wählen durfte, erzählt er. Und während dieser Phase kristallisierte sich bereits eine Tendenz zu den Parteien heraus: "Ich wusste genau, dass es entweder Die Linke oder die ÖDP wird. Letzten Endes habe ich mich für Die Linke entschieden, weil die überregional stark sind." Während seiner Studienzeit diskutierte er gerne mit seinen Kommilitonen über die verschiedenen Parteiprogramme. Der Schritt in die Partei sei da nur der nächste logische gewesen. Denn: "Politik bedeutet zunächst einmal eine Meinung zu haben, diese dann sachlich vorzubringen und ausdiskutieren zu können." Es sei für eine funktionierende Demokratie wichtig, Kompromisse zu finden. Horndasch studierte in Erlangen Materialwissenschaften und Werkstofftechnik. Ein Studiengang, der rein gar nichts mit dem Bereich Politik zu tun hat. Der 25-Jährige strebt zunächst auch nicht an, Berufspolitiker zu werden - ausschließen will er es allerdings auch nicht: "Man muss schauen, was sich für Gelegenheiten ergeben. Mir geht es darum, meine Meinung zu vertreten."

Momentan ist das neue Parteimitglied wöchentlich bei den Diskussionsrunden dabei. Zwar wird bei diesen Treffen viel Organisatorisches besprochen, allerdings findet auch ein Meinungsaustausch statt. Des Weiteren macht er auf Veranstaltungen aufmerksam und begleitet diese. Wie die Demonstration mit dem Miethai an diesem Nachmittag.

Für Leute in seinem Alter hat er eine klare Botschaft. "Ich halte es schon für wichtig, sich für Politik zu interessieren." Denn: "Statt sich aufzuregen, sollte man sich politisch engagieren und wählen gehen. Das ist das Wichtigste."