Am 19. Februar ziehen die Bischöfe unter der Leitung ihres Vorsitzenden, des Münchner Kardinals Reinhard Marx, zum großen Eröffnungsgottesdienst ins Ingolstädter Münster ein. Bischof Gregor Maria Hanke dürfte dabei als Gastgeber nicht unbedingt freudig zumute sein. Schließlich macht seine Diözese seit Anfang Februar Schlagzeilen mit einem Finanzskandal, wie er in der katholischen Kirche in Deutschland seinesgleichen sucht. Der Verlust von bis zu 60 Millionen US-Dollar (48,3 Millionen Euro) durch ungedeckte Darlehen für Immobilienprojekte in den USA sorgt dafür, dass die Beziehung der Kirchen zum Geld diskutiert wird, wieder einmal. Und sie wird wohl auch Thema bei den Beratungen der Bischöfe sein - auch wenn davon nichts auf den offiziellen Tagesordnungen steht.

Der Eichstätter Fall ist dabei nur ein Teil der momentanen Diskussion, aber der mit dem größten Aufsehen. Während hier möglicherweise mit krimineller Energie die Gutgläubigkeit und mangelnde Kontrolle seitens der Verantwortlichen im Bistum ausgenutzt wurde, diskutiert man im immens verschuldeten Erzbistum Hamburg über ganz andere Dinge. Bei der Debatte um die Schließung von acht katholischen Schulen geht es um die Frage, welche Aufgaben die Kirche noch finanzieren sollte - und zwar dann, wenn sie rote Zahlen schreibt. Schlimmer noch: Das Erzbistum muss handeln, sonst rutscht es möglicherweise in die Vollpleite. Ein ähnliches Szenario gab es schon vor Jahren in Berlin. Hier sprangen die anderen Bistümer ein, halfen aus und zeigten Solidarität. Und dann ist da noch das Erzbistum Freiburg, wo ein leitender Mitarbeiter der Finanzverwaltung Rentenversicherungsbeiträge für Geringverdiener nicht abgeführt hat. Es geht um eine Summe von rund 160 Millionen Euro. All das wird die Öffentlichkeit interessieren, ob es nun auf der Tagesordnung steht oder nicht.

Die derzeit 66 Mitglieder der Bischofskonferenz haben sich bei ihrer Konferenz in Ingolstadt, die im dortigen NH-Hotel stattfindet, andere Schwerpunkte gesetzt. Ihnen geht es um das Verhältnis der Katholiken innerhalb Europas, speziell mit dem Blick gen Osten. Am Mittwoch widmen sie diesem Thema ihren traditionellen Studientag während der Vollversammlung. Besonders im Fokus stehen dabei die EU-Länder Polen, Ungarn, Slowakei und Tschechien.

Zusammen mit Gästen wie dem Theologen Tomas Halik wollen die Bischöfe ergründen, wie die Katholiken dort denken. Dabei wird es sicher auch um die unterschiedliche Haltung zu aktuellen Themen gehen, etwa der Migration. Doch es soll nicht allein dabei bleiben. Denn das Ziel der verantwortlichen Kommission Weltkirche unter dem Bamberger Erzbischof Ludwig Schick ist der Dialog.

Ein weiteres Schwerpunktthema des Bischofstreffens ist die anstehende Jugendsynode im Oktober in Rom. Dabei stehen zunächst Personalfragen in Ingolstadt an, konkret: Es müssen drei Vertreter aus dem Kreis der Konferenz für das Treffen im Vatikan gewählt werden. Und es muss auch über Inhalte gesprochen werden.

Überhaupt wird auch diese Vollversammlung wieder von der Themensetzung des Papstes dominiert. Neben aktuellen Fragen der Flüchtlingsarbeit sowie einem Bericht zur eigenen Flüchtlingsarbeit der Kirche im vergangenen Jahr wollen die Bischöfe erneut über die Umwelt- und Sozialenzyklika "Laudato si'" beraten. Und auch bei einem anderen Thema spielt Franziskus eine Rolle - nicht nur, weil der Papst hier offenbar von den deutschen Oberhirten Vorschläge erwartet. Schon länger debattieren sie über den Kommunionempfang für nicht-katholische Partner in konfessionsverschiedenen Ehen. In Ingolstadt wird diese Streitfrage wohl wieder auftauchen. Dabei könnte die Unterscheidung zwischen den jeweiligen Situationen, in denen diese Menschen leben, wieder eine wichtige Rolle spielen - ein zentraler Gedanke von Franziskus, den er auch schon beim Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen hervorgehoben hat.

Daneben haben zuletzt auch die Themen Schwangerschaftskonfliktberatung und eine mögliche Segnung homosexueller Paare die innerkirchliche Debatte bestimmt - wobei die Wortmeldungen aus dem Kreis der Bischöfe alles andere als unisono klingen. Erst vor wenigen Tagen hatte sich Kardinal Reinhard Marx zu Wort gemeldet. Er forderte mit Blick auf Homosexuelle, "seelsorgerisch näher dran zu sein an denen, die die Seelsorge brauchen und sie auch erwünschen, und da muss man glaube ich auch ermutigen dazu, dass die Priester und Seelsorger den Menschen in den konkreten Situationen auch einen Zuspruch geben", sagte der Kardinal.

Aber auch diese Punkte stehen - zumindest offiziell - nicht auf der Agenda in Ingolstadt. Doch während bei der Schwangerenkonfliktberatung alte Gräben nicht mehr ganz so tief erscheinen wie noch vor einigen Jahren, steht bei der Segnung gleichgeschlechtlicher Partner die breite Debatte im deutschen Episkopat erst am Anfang.