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17.10.2011 21:03 Uhr | 140x gelesen
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Dabei sein war alles


Bild: Dabei sein war alles .  München (DK) Die Bewerbungsgesellschaft für die Olympischen Spiele 2018 löst sich auf. Übrig bleibt eine verwaiste Bürolandschaft – und die Frage: Wohin mit Schreibtischen, Stühlen, Computern? Wer was bekommt, entscheidet sich übermorgen im Internet.

München (DK) Die Bewerbungsgesellschaft für die Olympischen Spiele 2018 löst sich auf. Übrig bleibt eine verwaiste Bürolandschaft – und die Frage: Wohin mit Schreibtischen, Stühlen, Computern? Wer was bekommt, entscheidet sich übermorgen im Internet.


: Dabei sein war alles
 
Ein kaltes Herbstgrau vom Himmel draußen, ein Raum mit nacktem Estrich drinnen – so sieht es aus, wenn sich ein Traum in seine letzten Bestandteile auflöst. Hier lagern Bürostühle und Schreibtische, Computer und Werbeplakate, Drucker und Sonnenschirme. Bald werden die meisten Teile neue Besitzer haben.

Der Traum hieß einmal: Olympische Winterspiele in München, im Jahr 2018. Die Eröffnungsfeier hätte im Olympiastadion stattfinden sollen, man sieht es von dem Lager aus, „aber irgendwie ist das Thema jetzt durch“, sagt Jürgen Bühl und lässt den Blick an einer langen Reihe von Rollcontainern entlangwandern. Bühl war Geschäftsführer der Münchner Bewerbungsgesellschaft. Jetzt ist er ihr Liquidator. Die Gesellschaft muss bis Herbst 2012 abgewickelt und aufgelöst werden.

Als am 6. Juli die Entscheidung gegen München fiel, brachen auf dem Marienplatz Mitarbeiter der Bewerbungsgesellschaft in Tränen aus. Jahrelange Arbeit: umsonst. Der große Traum war ausgeträumt. Was übrig blieb, waren drei riesige Büromodule in einem Komplex im Münchner Nordwesten mit über 70 vollständig eingerichteten Arbeitsplätzen. „Jetzt sind wir noch zu dritt“, sagt Jürgen Bühl. Die Büros sind leer, es ist still auf den Gängen, hier und da klebt noch ein vergessenes Werbeplakat an der Wand.

„Als klar war, dass wir uns auflösen, haben wir uns überlegt: Was kann man machen“, sagt Bühl. Die Büroeinrichtung war zum Großteil ja erst zwei Jahre alt. Die Idee, eine Internet-Auktion zu starten, übernahm man schließlich vom Organisationskomitee der Fußballweltmeisterschaft 2006. Seit Anfang Oktober ist unter der Internetseite des Betreibers GoIndustry jeder Stuhl, jeder Schrank, jede Pinnwand einzeln aufgelistet. Das Startgebot lag bei den meisten Teilen bei einem Euro; Ausnahmen gab es nur bei einem Drucker für Riesenformate und den beiden Telepromptern.

Es gibt kaum ein Stück, auf das noch nicht geboten wurde. Manche, etwa die iPads, die Kaffeemaschinen und die Digitalkameras, sind längst kein Schnäppchen mehr. Andere schon: Für unter 20 Euro kann man 19 Raumteiler oder 17 Pinnwände haben; weniger als 45 Euro kostet derzeit der Posten mit etwa 700 Schreibblöcken; für meterhohe Stapel Papierablagen liegt das Gebot bei zwölf Euro – allerdings ohne Steuer und Abgabe an den Auktionator. Selbst die unzähligen Werbebanner und Fahnen finden Käufer; nur die lachsfarbenen Krawatten mit München2018-Logo nicht.

Einen Tag lang steht das Lager offen, damit sich Interessenten die Stücke aus der Nähe ansehen können. Dabei entdecken sie auch unerwartete Dinge: Zubehör für die Wii-Spielekonsole und bunte Plastikbälle, die in Werbeständen im Einsatz waren. Fahrräder, mit dem die Mitarbeiter zu Terminen radeln konnten, und Thermo-Einlegesohlen für Außeneinsätze im Winter. In einer Ecke lagern 42 Gewichte, jedes 15 Kilo schwer. Sie haben die Werbeballons am Boden gehalten. Auch die werden jetzt versteigert.

Für den Besichtigungstag wurde Tobias Stauber noch einmal engagiert. Er war für die Materialbeschaffung zuständig; jetzt erklärt er Bietern, wie oft die Drucker in Gebrauch waren und wie man die Stellwand für Werbeplakate zusammenbaut. Das Interesse sei groß: „Neulich war sogar jemand aus Norwegen am Telefon.“

Wenn die Auktion vorbei ist, wird für die übrig gebliebenen Dinge ein zweiter Termin angesetzt. Zu diesem Zeitpunkt wird sich auch der Liquidator Jürgen Bühl von seiner Büroeinrichtung trennen.


Von Susanne Hagenmaier

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