Kösching/Weiden: Retter in der Not: 2010 reiste Jochen Huber ins vom Erdbeben erschütterte Haiti, um dort ehrenamtlich den einzigen deutschen Hilfshelikopter zu fliegen.
Retter in der Not: 2010 reiste Jochen Huber ins vom Erdbeben erschütterte Haiti, um dort ehrenamtlich den einzigen deutschen Hilfshelikopter zu fliegen. Huber stammt ursprünglich in Manching, war Rettungsassistent und Rettungspilot.
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Kösching/Weiden

Jochen Huber hat als Hubschrauberpilot unzähligen Menschen das Leben gerettet. Nun ist er tot. Der 46-jährige Köschinger (Kreis Eichstätt) ist bei der Kollision nahe Karlsruhe ums Leben gekommen. Er war bei der oberpfälzischen Luftrettungsstation bei Weiden stationiert - und ein erfahrener Pilot. Huber, der ursprünglich aus Manching stammt, hatte die Fluglehrerberechtigung für mehrere Hubschraubertypen. Auf diesem Flug war er als Instruktor an Bord, sein 27-jähriger Kollege sollte in den Umgang mit dem Hubschraubertyp EC 135 eingewiesen werden. Das Kleinflugzeug war mit einem 61 Jahre alten Piloten und seinem 48 Jahre alten Flugschüler aus der Schweiz besetzt.

Die beiden Maschinen waren in der Luft ineinander gekracht und abgestürzt. Nach bisherigen Erkenntnissen der Polizei waren keine Blackboxen in den Maschinen. Die Deutsche Luftrettung (DRF), zu der der Hubschrauber von Jochen Huber gehörte, geht jedoch davon aus, dass sich in dem Rettungshubschrauber durchaus ein Flugdatenschreiber befand. Auch nach Auskunft der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) ist dies möglich.

Zur Unfallursache ist noch nichts bekannt. "Auffällig ist, dass der Hubschrauber völlig ausbrannte, das Flugzeug aber nicht", sagte ein BFU-Sprecher. Welche Schlüsse daraus zu ziehen seien, könne man noch nicht sagen. Den Angaben zufolge sind beide Maschinen "auf Sicht" geflogen. Das bedeutet, nach sogenannten Sichtflugregeln zu fliegen. Diese Regeln besagen, dass für die Piloten volle Sicht nach draußen gegeben sein muss. Nachts oder bei schlechter Sicht muss möglichst nach Instrumenten geflogen werden. Dafür bedarf es aber einer anderen Ausbildung, erklärte der BFU-Sprecher. Wer auf Sicht fliegt, wird auch nicht von einem Fluglotsen durch den Flugraum geleitet. "Das funktioniert ähnlich wie Verkehrsregeln auf der Autobahn", erläutert eine Sprecherin der Deutschen Flugsicherung (DFS). Die Piloten müssen selber wissen, welche Abstände sie einzuhalten haben zu Bergen, zu anderen Flugzeugen, zu Wolken. "Das lernen sie in ihrer Ausbildung." Flugzeuge, die auf Sicht fliegen, sind auf dem Radar zwar sichtbar, aber vom Lotsen nicht identifizierbar. Allerdings werden diese Radarspuren aufgezeichnet und müssen eine gewisse Zeit aufbewahrt werden, erläutert Freitag. Die Radarspuren der beiden verunglückten Maschinen werden nun ausgewertet. Nach Angaben des Flughafens Speyer hatte der Flugleiter den Piloten des Flugzeuges jedoch auf den Helikopter hingewiesen. Er habe die Antwort bekommen: "Habe Hubschrauber nicht in Sicht."

Währenddessen herrscht in Kösching und in Weiden Fassungslosigkeit. Jochen Huber, der als junger Mann als Faschingsprinz gemeinsam mit seiner späteren Ehefrau 2003 auf dem Manchinger Faschingsthron der Manschuko saß, hat 19 Jahre lang als Rettungsassistent gearbeitet - und dabei auch viel Leid gesehen. Acht Jahre lang flog er an Bord von "Christoph 32", dem Rettungshubschrauber, der am Ingolstädter Klinikum stationiert ist. Den Pilotenschein hatte er einst selbst finanziert, wie er der Weidener Zeitung "Der neue Tag" in einem Interview erzählte. "Ich bekam viel Unterstützung von meinen Eltern, sonst wäre das nicht möglich gewesen." In der Oberpfalz war Huber als Stationsleiter und Rettungsflieger aktiv. Seine Kollegen dort bezeichnen ihn als einen "umsichtigen, anerkannten, hoch professionellen und bei allen beliebten Kollegen und Vorgesetzten".

Anderen Menschen helfen, das war Jochen Huber immer eine Herzensangelegenheit. Für den DONAUKURIER berichtete er 2010 aus Haiti. Nach dem katastrophalen Erdbeben flog er ehrenamtlich den einzigen deutschen Hilfshelikopter. "Ich fühle mich traurig, aber auch glücklich darüber, dass ich diese Reise angetreten habe", schrieb er. "Ich wollte denen helfen, die eh nie etwas hatten. Jetzt kann ihnen durch die Spenden der Menschen ein Stück Hoffnung zurückgegeben werden." Zwei Wochen blieb er auf Haiti, zurück kam er mit schlimmen, aber auch schönen Erinnerungen. Die Begegnungen mit verletzten Kindern gingen ihm sehr nahe.

Seine eigene Familie stand bei seinem Engagement immer hinter ihm. "Ohne die Unterstützung der Familie könnte ich gar nicht daran teilnehmen", sagte Jochen Huber über seinen Rettungseinsatz. Neben seiner Frau hinterlässt der Lebensretter zwei Söhne im Alter von neun und zwölf Jahren.