Herr Weber, Markus Söder soll im nächsten Jahr Horst Seehofer als bayrischen Ministerpräsidenten ablösen. Ist es ein guter Tag für die Christsozialen?

Manfred Weber: Die Entscheidung von Horst Seehofer verdient Respekt. Er ist der einzige Ministerpräsident in Deutschland, der mit absoluter Mehrheit regiert. Er gibt nun ein Signal für die Erneuerung der CSU. Wir binden jetzt Erneuerung und Erfahrung zusammen. Die CSU, wir alle haben gewonnen. Wir sollten die vergangenen Wochen, die für die Partei schädlich waren, hinter uns lassen.

 

Ist Söder der Richtige, um die CSU in die Zukunft zu führen?

Weber: Wir hatten in den vergangenen Wochen schwierige Debatten. Da haben verschiedene starke Persönlichkeiten um eine Lösung gerungen. Die Menschen haben Verständnis, wenn es da mal etwas ruckelt. Für solche Diskussionen gibt es keine optimalen Abläufe. Jetzt ist die Entscheidung gefallen. Ich habe Markus Söder heute eine Zusammenarbeit für die CSU in seiner künftigen Rolle als Ministerpräsident angeboten. Die CSU hat die Personalfragen geklärt. Wir haben keine inhaltlichen Streitpunkte. Wir müssen jetzt gemeinsam als Team auftreten, nach vorne schauen und das Vertrauen der Menschen zurückgewinnen.

 

Die CSU hat nicht immer gute Erfahrungen gemacht mit Doppelspitzen . . .

Weber: Wir hatten gute Phasen, in Zeiten, in denen das Amt des Parteichefs und des Ministerpräsidenten in einer Hand lagen. Es gab aber auch gute Phasen, in denen beide Ämter getrennt waren. Da gibt es unterschiedliche Erfahrungen, je nach Situation. Jetzt trennen wir die Ämter und gehen beim Ministerpräsidenten den Weg der Erneuerung. Als Parteichef wird Horst Seehofer weiterhin in Bayern und Berlin seine große Erfahrung einbringen. Er wird dafür sorgen, dass wir bei den Koalitionsverhandlungen in der Hauptstadt geschlossen auftreten und hart und erfolgreich verhandeln. Wir haben jetzt eine gute gemeinsame Lösung gefunden.

 

Sollte Horst Seehofer für die CSU ein Ministeramt in der neuen Bundesregierung übernehmen?

Weber: Es geht jetzt nicht um Posten und Personen. Wir müssen unsere Inhalte durchsetzen. Das reicht von Verbesserungen bei der Mütterrente über Entlastungen für Familien bis hin zur Begrenzung der Migration. Ich setze mich dafür ein, dass Horst Seehofer auf dem CSU-Parteitag mit einem starken Ergebnis wiedergewählt wird. Er hat die volle Unterstützung des Parteivorstands der Partei.

 

In aktuellen Umfragen liegt die CSU derzeit bei 37 Prozent. Die absolute Mehrheit rückt da in weite Ferne. Muss sich die CSU von diesem Ziel verabschieden?

Weber: Nein, wir stellen uns jetzt neu auf und nehmen den Kampf mit der AfD und den Parteien im bürgerlichen Bereich auf. Hinter der AfD-Fassade stehen radikale Kräfte, die schlecht für Deutschland sind. Die AfD ist europafeindlich. Das schadet dem Wohlstand Deutschlands. Ihre Außen- und Asylpolitik ist inhuman. Die CSU wirbt für sich. Aber wir werden die Auseinandersetzung mit der AfD und auch der FDP suchen. Wir werden den Menschen sagen, dass es wegen der FDP keine Soli-Senkung geben wird. Die FDP hat sich aus der Verantwortung gestohlen.

 

Wäre die Neuauflage der großen Koalition das richtige Regierungsbündnis in Berlin?

Weber: Wir brauchen eine stabile Regierung. Eine große Koalition wäre jetzt die beste Lösung für das Land, aber nicht alternativlos. Jedenfalls ist die Inflation roter Linien, die die SPD gerade aufstellt, nicht besonders hilfreich. Die CSU wird hart über die Inhalte verhandeln. Wir stehen für Stabilität und Ordnung in einer Welt im Umbruch.

 

Das Interview führte Andreas Herholz.