Auch wenn Michael Gutmann und Stephan Emslander Konkurrenten sind, hört bei ihrer beider Produkt, beim Bier, der Spaß für beide nicht auf. Bier, das ist für sie nicht nur Broterwerb und Lebensunterhalt. Bier, das ist „ein Kulturgut in Bayern und ein schmackhaftes Grundnahrungsmittel“ (wie es Gutmann formuliert); Bier, das ist „ein Stück Lebensgefühl, gibt Lebensfreude und Tradition“ (wie Emslander mit nicht weniger großen Worten fabuliert).

Bierserie Eichstätt Hofmühl Gutmann
Der 43-jährige Kaufmann Stephan Emslander (rechts) steht mit seinem Bruder Benno in vierter Generation an der Spitze der Brauerei Hofmühl in Eichstätt, der 29-jährige Diplom-Braumeister Michael Gutmann (links) rückt in sechster Generation an die Spitze der Brauerei Gutmann in Titting.
Und Tradition können Michael Gutmann von der gleichnamigen Brauerei aus Titting und StephanEmslander von der Hofmühlbrauerei aus Eichstätt reichlich aufbieten. Die beiden Eichstätter Brauereien, die im Zentrum unserer heutigen Biergeschichten stehen, beackern zwar auf engem Raum das gleiche Geschäftsfeld; doch die Konkurrenten haben ein Miteinander gefunden, das jeweils dem anderen genügend Luft lässt, um eigene Stärken auszuspielen. Vielleicht verstehen sie sich auch deshalb so gut, weil sie eine gemeinsame Wurzel haben, wie die Geschichte zeigt. In der Eichstätter Hofmühl wird seit dem Jahr, als Christopher Kolumbus Amerika entdeckte, seit 1492, Bier gebraut, in Titting seit 1707.
 
Damals hatten noch die Fürstbischöfe im Hochstift Eichstätt das Sagen und erkannt, dass sich mit dem Gerstensaft auch finanziell gut leben lässt. Wie andere ihrer „fürstlichen Kollegen“ auch nahmen sie das Bierbrauen in staatliche Hand und bescherten ihrem Staatssäckel erkleckliche Einnahmen. Mit der Säkularisation allerdings war dann zunächst einmal alles vorbei. Bis Michael Gutmann aus Kinding ins Braugeschäft einstieg. Er erwarb 1855 das fürstbischöfliche Wasserschloss mit Brauerei in Titting. Fünf Jahre später, 1860, übernahm er zudem die Braustätte in Eichstätt, um sie seiner Tochter Crescentia zu vererben. Die wiederum heiratete 1867 Johann Baptist Emslander, der so zum Herrn der Hofmühl wurde.

Seit 1855 (Titting) und 1867 (Eichstätt) stehen so die Namen Gutmann und Emslander für Biererzeugung im Eichstätter Raum. Der 29-jährige Diplombraumeister Michael Gutmann arbeitet sich momentan zusammen mit seinem Bruder Fritz (30, Diplomkaufmann) in der sechsten Generation nach und nach in die Geschäfte ein; der 43-jährige Kaufmann Stephan Emslander steht in vierter Generation zusammen mit Bruder Benno seit 1994 an der Spitze des Eichstätter Unternehmens.

Berührungsängste haben die beiden keine. Sie sprechen von einem „respektvollen Miteinander“, das sie pflegen. Natürlich sind sie Konkurrenten auf einem angesichts der schwindenden Trinkfreudigkeit der Deutschen schwierigen Markt. Dennoch greifen beide nicht hinaus in die weite Welt, sondern suchen ihren wirtschaftlichen Erfolg im Umfeld. „Die Region ist unsere Heimat und Bier braucht Heimat“, sagt Stephan Emslander. So stammt beispielsweise auch das Braugetreide der Brauerei Gutmann von 40 Landwirten aus der unmittelbaren Umgebung, welches in der eigenen Mälzerei verarbeitet wird.

Maximal in einem Umkreis von 100 Kilometern rund um den heimischen Schlot wird das Bier an die Kunden gebracht. Das hat auch etwas mit der Qualität zu tun. Eine Frischegarantie für ihr Bier wollen beide Brauereien geben, wobei sie ihr Hauptaugenmerk auf jeweils andere Sorten und Verpackungen legen: Das Hofmühl- Helle ist großteils auch im Fass erhältlich, das Gutmann- Weizen gibt es ausschließlich in der Flasche. „DieQualität ist das A und O“, sagen Michael Gutmann und Stephan Emslander und sind mal wieder einer Meinung.

Gutmann-Weizen wird bis nach Nürnberg geliefert (dort hat die Brauerei sogar einen Ausflugsbiergarten am Dutzenteich übernommen), das Helle der Hofmühl-Brauerei geht in das Eichstätter Umland und nach Neuburg und Roth (in beiden Städte haben die Hofmühler Brauereien übernommen).

Auch beim Erhalt der historischen Gebäude ihrer Braustätten marschieren beide im Gleichschritt; ein nicht leichtes Unterfangen, wenn gleichzeitig Innovationen gefordert sind. „Als wir unsere Solaranlage aufs Dach gesetzt haben, da war das ein Handstand mit wackelnden Ohren“, beschreibt Emslander die Verhandlungen mit der Denkmalpflege. Aber die Kompromissfähigkeit beider Seiten hat sich gelohnt. Hofmühl als Solarbrauerei ist bundesweit Vorreiter auf diesem Gebiet.

Brauen in einem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude ist auch für die Gutmänner seit Jahrzehnten eine Herausforderung – die sie aber mit Bravour meistern. Immerhin haben Fritz Gutmann senior und sein Bruder Hans für ihr denkmalschützerisches Engagement vor einigen Jahren bereits den „Denkmal-Oskar“, den Denkmalpreis der Hypo-Kulturstiftung, erhalten. Dass dieses Bestreben auch der Qualität zugutekommt, weiß Nachfolger Michael Gutmann: „Vor vielen Jahren stellte sich die Frage, die offenen Gärbottiche durch hohe Edelstahltanks zu ersetzen. Da aber somit die historischen Keller nicht mehr genutzt werden konnten, entschied man sich, nach dem altbayerischen Verfahren mit Flaschengärung, wie es seit 1913 in Titting praktiziert wird, weiter zu brauen.“

Mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes? Ja, sagen beide. „Die Wege sind ähnlich, auch wenn sich dieHofmühl als Vollausstatter mit Bier und wir als Weizenbierspezialitätenbrauerei positioniert haben“, so Michael Gutmann. „Das eine oder andere kleine Geheimnis gibt es dennoch“, so Stephan Emslander. So soll es auch bleiben. Man versteht sich – und prostet sich mit dem jeweiligen eigenen Produkt zu.