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31.12.2015 22:56 Uhr | x gelesen
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Terrorwarnung in München: Hinweise auf IS-Selbstmordanschlag


München (dpa) Wegen eines drohenden Anschlags der Terrormiliz IS hat die Polizei am Silvesterabend in München zwei Bahnhöfe evakuiert. Sie warnte die Menschen vor größeren Ansammlungen. „Die Hinweise, die wir vom Bundeskriminalamt erhalten haben, bezogen sich auf geplante Selbstmordanschläge am Münchner Hauptbahnhof und/oder am Bahnhof Pasing“, sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU). „Es gab Hinweise auf konkret fünf bis sieben Attentäter.“ Unklar sei noch, ob alle selbst die Tat verübt hätten oder Helfer gewesen wären.


Die Polizei in München bleibt auch am Neujahrstag in Alarmbereitschaft. Die Polizeidichte in der Stadt sei höher als üblich, teilte eine Sprecherin am Freitag mit. Die Fahndung nach möglichen Attentätern laufe weiter.

„Der Hinweis bezog sich ganz konkret auf eine Tatausführung um Mitternacht“, sagte Herrmann bei einer nächtlichen Pressekonferenz. „Nun sind seither schon wieder zwei Stunden vergangen. Wir hoffen, dass es weiterhin ruhig bleibt und dass dieser Anschlag nicht stattfindet - vielleicht weil er tatsächlich gar nicht so geplant war oder vielleicht weil die Täter jetzt davon Abstand genommen haben.“ Das sollten die Ermittlungen der nächsten Tage zeigen. Auch Münchens Polizeipräsident Hubertus Andrä sagte gegen 2 Uhr, die Behörden sähen die Lage momentan als entspannter an als vor Mitternacht.

Nach Informationen des Bayerischen Rundfunks soll es sich bei den mutmaßlichen Attentätern um sieben Iraker handeln, die sich schon in München aufhalten und namentlich bekannt sind. Geplant war demnach wohl, dass sich die Männer zu zweit an die Anschlagsorte begeben, um sich kurz hintereinander in die Luft zu sprengen.

Rund 550 Einsatzkräfte waren nach Angaben Andräs im Einsatz. Die Münchner Polizei hatte Kräfte aus dem südbayerischen Raum zur Unterstützung in die Landeshauptstadt geholt. „Zusammen mit Spezialeinheiten sorgen wir für Eure Sicherheit“, teilte die Münchner Polizei über Twitter mit. Trotz intensivster Ermittlungen seien die Informationen über einen Selbstmordanschlag nicht konkretisiert worden, sagte Andrä.

Der Hinweis kam laut Herrmann gegen 19.40 Uhr vom Bundeskriminalamt - nachdem dieses von einem befreundeten Nachrichtendienst die „dringende Warnung“ vor einem Anschlag in München um Mitternacht erhalten habe. Aus Sicherheitskreisen hieß es, die erste Warnung sei vom französischen Geheimdienst gekommen.

Der Hinweis habe eine konkrete Uhrzeit, einen konkreten Ort und eine klare Benennung von Tätern aus dem Bereich des sogenannten Islamischen Staates (IS) beinhaltet. „Das Bundeskriminalamt und die bayerische Polizei waren übereinstimmend der Auffassung, dass das nicht einfach ignoriert werden kann.“ Die Einschätzung der Gefährdung sei vergleichbar gewesen mit der in Hannover, wo vor wenigen Wochen ein Fußball-Länderspiel abgesagt worden war.

Um 22.40 Uhr hatte die Polizei via Twitter gewarnt, den Hauptbahnhof und den Bahnhof in Pasing zu meiden. Zudem empfahl sie, einen Bogen um größere Menschenmassen gerade im Innenstadtbereich zu machen. Es sei nicht klar, wohin mutmaßliche Täter gingen, wenn sie nicht an die eigentlichen Anschlagziele gelangten, sagte ein Sprecher. Der Hauptbahnhof war abgeriegelt, Einsatzkräfte mit schweren Waffen sicherten ihn. Zwischen 3.30 und 4 Uhr gab die Polizei die Bahnhöfe wieder frei. Der Bahnverkehr konnte planmäßig fahren.

Bis zum Morgen zog die Polizei wieder einige Kräfte ab, wie eine Sprecherin sagte. Dennoch seien an Neujahr den ganzen Tag über mehr Polizisten als sonst auf den Straßen der Landeshauptstadt unterwegs.

In Brüssel war das Silvesterfeuerwerk wegen Terrordrohungen abgesagt worden. Noch am Donnerstag hatte die Münchner Polizei erklärt, in der Silvesternacht werde es im Vergleich zu den Vorjahren keine erhöhten Sicherheitsvorkehrungen geben.

Viele Münchner ließen sich die Silvesterlaune auch so nicht verderben. Sie feierten, ließen Raketen steigen und zündeten Böller. Vielerorts trübte eher der Regen die Stimmung.




 
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