Die Unternehmen Parkpocket und Agrilution beschäftigen sich mit äußerst unterschiedlichen Geschäftsfeldern – Verkehr und Pflanzenanbau. Und doch haben sie viel gemeinsam: Sie sind jung und setzen zur Problemlösung aufs Smartphone.

DER PARKPLATZFINDER

Schon die Umgebung, in der sich Parkpocket angesiedelt hat, schreit förmlich nach hippen Ideen, Start-up-Mentalität und Innovation. In dem Areal im Münchner Osten sind Dutzende junge Unternehmen zu Hause; die Toilette heißt hier nicht Toilette, sondern „Pippi-Lounge“. Inmitten dieses Gründerflairs versucht Stefan Bader mit seinem Team, ein recht alltägliches Großstadtproblem zu lösen: die Suche nach einem Parkplatz. Und er verspricht eine digitale Lösung: die einfache Parkplatzsuche per Handy.
Mit Parkpocket findet man leicht den günstigsten Parkplatz (links). Der PlantCube von Maximilian Loessl soll Großstadtbewohner mit selbst angebautem Gemüse versorgen.
Wenisch, Parkpocket, Agrilution, SCE
Das Unternehmen Parkpocket hat in der gleichnamigen App die öffentlichen Parkplätze großer Städte zusammengetragen. Auf einer Karte kann sich der Nutzer nicht nur die Lage und den Anfahrtsweg zum nächsten Parkaus anzeigen lassen, sondern auch viele weitere Informationen abrufen. So ist etwa zu erfahren, dass der billigste Parkplatz in der Ingolstädter Innenstadt der Hallenbad-Parkplatz ist und einen Euro pro Stunde oder maximal fünf Euro pro Tag kostet. Bei den anderen Parkplätzen in der Innenstadt müssen Autofahrer dagegen mindestens 1,80 Euro pro Stunde berappen. Auch die Öffnungszeiten werden angezeigt.

„Die App ist sehr erfolgreich“, freut sich Geschäftsführer Stefan Bader. Mehr als 70 000-mal wurde sie in weniger als einem Jahr heruntergeladen, auch mehrere Auszeichnungen hat sie bereits eingeheimst. Dabei ist die Anwendung eigentlich nur ein Nebenprodukt und ein Vorführmodell für die eigentliche Zielgruppe.

Denn die App ist kostenlos erhältlich. Das Produkt, das Parkpocket verkauft, sind die Parkplatzdaten. „Wir wollen die Daten direkt ins Auto bringen“, sagt der 26-Jährige. Drei große deutsche Automobilhersteller und ein weltweit führender Kartendienst zählen schon zu den Kunden – die Namen sind noch geheim. Beim Vertrieb musste Parkpocket aber Erfahrung mit anderen Geschäftsmodellen machen: „Wir sind ein junges und agiles Start-up – von uns aus könnte es morgen losgehen. Die Entwicklung in Automobilkonzernen ist aber leider etwas langwieriger.“ Ab 2017 sollen die Daten dann direkt im Auto verfügbar sein.

Baders Ziel ist es, alle Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz ab etwa 25 000 Einwohnern abzudecken, später sollen weitere Märkte wie Großbritannien, Spanien oder Frankreich folgen. Zudem soll eine flächendeckende Anzeige integriert werden, wie viele Parkplätze in einzelnen Parkhäusern noch frei sind. Bisher ist das etwa in Hamburg, Frankfurt oder Nürnberg möglich. „Die Verfügbarkeit von Standarddaten wie Preisen ist kein Problem. Schwieriger wird es bei diesen dynamischen Daten“, erklärt Bader. In München und Ingolstadt sollen freie Parkplätze ab Oktober in der App abrufbar sein.

Dass der Fokus einmal auf solchen Informationen liegen würde, daran hat Bader zu Beginn des Projekts nicht gedacht. Denn entstanden ist Parkpocket eigentlich aus einer anderen Idee. „Wir wollten eine Art Airbnb für Parkplätze schaffen. Also ein Portal, auf dem die Menschen ihren Stellplatz vermieten können“, sagt er. Da das aber nicht funktioniert habe, sei sein Team auf die Parkplatzsuche umgeschwenkt – mit großem Erfolg. Das Gründerteam, das Bader 2013 während seines Wirtschaftsstudiums zusammenstellte, ist deutlich gewachsen. 17 Angestellte arbeiten inzwischen an der Idee.

DIE SALATMASCHINE

Ein einzelnes Buch hat das Leben von Maximilian Loessl vor einigen Jahren verändert. Der Titel: „Vertical Farming.“ Darin geht es um den Anbau von Gemüse, doch statt in der Fläche wird in der Höhe angebaut. Die in der Technik schlummernden Möglichkeiten haben Loessl sofort fasziniert. Schnell folgte der Abbruch seiner Weltreise in Neuseeland; stattdessen ging es zum Studium ins niederländische Den Bosch, wo eine der größten Forschungseinrichtungen für Vertical Farming angesiedelt ist.

Doch während sich das klassische Vertical Farming auf Großproduktionen in alten Lagerhallen oder mehrstöckigen Häusern konzentriert, entwickelt Loessl bald neue Pläne. Seine Idee: Jeder soll Vertical Farming zu Hause in der Küche oder im Wohnzimmer betreiben können. Um das zu verwirklichen, gründet er 2013 mit einem Jugendfreund das Start-up-Unternehmen Agrilution, das inzwischen aus fünf Vollzeitkräften besteht.

Und seitdem ist aus „der wirren Idee“ – wie der 27-Jährige es nennt – ein fast serienreifer Prototyp geworden. Ein Kasten in der Standardgröße eines Kühlschranks, der unter jede Küchenarbeitslatte passen soll. Und der sogenannte PlantCube soll wahre Wunderdinge vollbringen – nicht weniger als das Ende „der Zerstörung des Planeten Erde durch die Menschheit“ ist das erklärte Ziel von Agrilution.

Mit dem PlantCube will Loessl eine Art Garten für die Wohnung schaffen. Auf speziellen Matten sind die Samen verschiedener Kleinpflanzen wie Feldsalat, Spinat oder Kräuter aufgebracht. Legt man sie in den Kasten ein, liefert dieser den optimalen CO2-Gehalt, die bestmögliche Belichtung und Luftfeuchtigkeit sowie eine automatische Bewässerung. „Unter den optimalen Bedingungen wachsen die Pflanzen zwei- bis dreimal so schnell wie normal“, erklärt der Unternehmensgründer. Außerdem gedeihen sie das ganze Jahr über und sind unabhängig von äußeren Einflüssen wie Unwetter, Insekten oder Pilzbefall. Bedient wird das Gerät per App. So kann der Besitzer unter anderem einstellen, wann er im Urlaub ist. Das Gerät sorgt dann dafür, dass die Pflanzen langsamer wachsen. Gegenüber der konventionellen Landwirtschaft hat Vertical Farming aber noch weitere Vorteile, betont Loessl. Der Anbau sei deutlich ressourcensparender. 60 Prozent weniger Düngemittel und bis zu 98 Prozent weniger Wasser seien nötig. „In Zeiten, in denen nicht nur in Kalifornien Wassermangel herrscht, sondern teilweise auch in Bayern, ist das extrem wichtig“, betont er.

Durch seine Innovation sollen auch Menschen in Ballungsgebieten die Möglichkeit bekommen, sich frisches Gemüse zu ziehen. Allerdings sei der PlantCube keine Anschaffung für jedermann, gibt er zu: „Es ist ein Premiumprodukt.“ Etwa 1000 Euro wird er kosten, wenn er – so lautet zumindest der Plan – im kommenden Jahr auf den Markt kommt. Derzeit stehe seine Firma in Lizenzverhandlungen mit einem großen Küchengerätehersteller.

Loessl ist sich sicher, dass das Gerät einschlagen wird. Auch ohne offensives Marketing habe es bereits rund 2000 Interessenbekundungen gegeben, sagt er. Regionale Biolebensmittel lägen im Trend, daher stoße Agrilution in eine Marktlücke. Absatzpotenzial sieht er aber weniger in Europa als viel mehr in Nordamerika, wo der Bioboom noch viel größer sei und es zudem mehr Großstädte gebe. Letzteres gilt auch für Asien – den zweiten großen Zielmarkt. Dort kommt außerdem noch hinzu, dass viele Lebensmittel durch verunreinigte Böden belastet sind. Wer es sich leisten könne, wolle sein Gemüse daher gerne selbst anbauen und ernten, ist sich Loessl sicher.

Unterstützung bei der Umsetzung seiner Idee hat Loessl unter anderem von der TU München und der EU bekommen. Dennoch sieht er in Deutschland noch viel Nachholbedarf, wenn es um die Förderung von Startups geht: „In den USA ist es viel einfacher eine Anschubfinanzierung und Büroräume zu erhalten“, sagt er.