Horst Seehofer hat sich in den vergangenen Jahren oft zu seiner politischen Zukunft geäußert. Mehrfach stellte der CSU-Vorsitzende klar, dass es im Jahr 2018 definitiv vorbei ist mit der Politik. "Dann ist auch Schluss", sagte er vor der Landtagswahl 2013 mit Blick auf seine damals angestrebte zweite Amtszeit als Ministerpräsident.

Allzu lange hielt diese Seehofer-Garantie aber nicht. Bereits ein Jahr nach der Landtagswahl fing er an, das Credo aufzuweichen. Anschließend ging es munter hin und her zwischen Äußerungen wie "Ich werde bei der nächsten Landtagswahl nicht mehr kandidieren" in der Zeitung "Die Welt" und dem Säen von Zweifeln. "Das würde ich auch gern wissen", sagte er etwa dem "Spiegel" auf die Frage nach einer weiteren Kandidatur. Am Montag will der Ministerpräsident die Hängepartie endgültig beenden. Zunächst will er die CSU-Bezirks- und Arbeitsgemeinschaftsvorsitzenden und anschließend den gesamten Vorstand informieren, ob er die CSU im kommenden Jahr nochmals als Spitzenkandidat in den Landtagswahlkampf führt, ob er erneut als Parteichef antritt und wer auf Platz eins der Bundestagsliste stehen soll. Besonders mit einem Zitat hat Seehofer im Wirrwarr der Spekulationen recht behalten, nämlich als er bei der Verkündung seiner Kandidatur für 2013 bereits anmerkte, die Debatte um seine Nachfolge werde "von gehobenem Unterhaltungswert" sein.

CSU-Chef Horst Seehofer Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU)
CSU-Chef Horst Seehofer
© 2016 AFP (Archivfoto)
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Dafür sorgte Seehofer in erster Linie selbst - vor allem, indem er Dauerrivale Markus Söder immer wieder genüsslich vors Schienbein trat und gegen die eigene Vorgabe verstieß, dass die Nachfolgedebatte in der Kühlbox liege. Zudem rückte Seehofer im Kandidatenpoker immer wieder neue Namen in den Mittelpunkt. Begonnen hatte dies mit der Rückholaktion von Ilse Aigner von Berlin nach München, aber auch die Karten Karl-Theodor zu Guttenberg, Manfred Weber, Alexander Dobrindt oder Joachim Herrmann wurden immer wieder gespielt.

Der derzeit heißeste Kandidat auf die Seehofer-Nachfolge heißt aber Horst Seehofer. Denn entscheidend sei für ihn - das hat Seehofer immer wieder betont -, dass ein geordneter Übergang sichergestellt sein müsse. Das wäre aber derzeit wohl nur möglich, wenn sich Seehofer für seinen schärfsten Konkurrenten ausspräche. "Söder würde gegen jeden antreten, der nicht Seehofer heißt", sagt einer aus der Fraktion. Dass er Söder nach allen Verwerfungen aber doch noch seinen Segen gibt, gilt als ausgeschlossen. Seehofers Abneigung gegen den Finanzminister hat aber nicht nur mit persönlichen Animositäten zu tun, sondern er traue es Söder auch schlicht nicht zu, 2018 die absolute Mehrheit zu verteidigen, heißt es aus der Partei. Seehofer fürchtet um sein politisches Erbe.

Deshalb gehen inzwischen fast alle in der CSU davon aus, dass Seehofer am Montag die Fortsetzung seiner Karriere verkündet. Die Spitzenkandidatur für den Bund wird er aber wohl nicht antreten. Dafür gilt Innenminister Joachim Herrmann als aussichtsreichster Anwärter. Die Position am Berliner Kabinettstisch wollte Seehofer seinen Parteifreunden durch die Aussicht auf die Übernahme des CSU-Vorsitzes schmackhaft machen. Seine Ansage, dass ein "Alphatier" in die Hauptstadt müsse, war in der CSU als unmissverständlicher Wink an Söder interpretiert worden, dass der Minister seine Sachen packen solle. Der aber weigert sich. Mit dem taktischen Kniff der möglichen Ämtertrennung hat Seehofer alle überrumpelt. Es macht dem CSU-Chef sichtlich Spaß, Partei, Fraktion und Medien vor sich her zu treiben und immer wieder an der Nase herumzuführen.

Deutlich weniger Spaß an den Debatten hat dagegen die Landtagsfraktion. Dort geht Seehofer mit seinen Alleingängen, Wendungen und Sticheleien vielen gehörig auf die Nerven. Besonders übel aufgenommen wurde vor einigen Wochen die heftige Watsch'n für die Abgeordneten in der Debatte um eine Reform des Kommunalwahlgesetzes, als Seehofer seinen Parteifreunden indirekt Machtmissbrauch vorwarf.

Derzeit sitzt der CSU-Vorsitzende dennoch fest im Sattel, was sich im Herbst allerdings schlagartig ändern könnte. Seehofers Angebot, dass die Abgeordneten ihn "köpfen" könnten, wenn die Bundestagwahl nach den Verwerfungen mit der CDU und der anschließenden Wiederannäherung schiefgeht, würden viele wohl gerne annehmen. Daher ist eines klar: Auch wenn Seehofer die Fortsetzung seiner Karriere verkünden sollte, ist das nur eine vorläufige Entscheidung bis zur Bundestagswahl. "Das Wollen alleine reicht nicht", hat er selbst kürzlich gesagt. Man müsse auch gewinnen. Aber vielleicht kommt es am Montag auch ganz anders als alle erwarten. "Ihr werdet noch alle überrascht sein", ist einer der Lieblingssätze des Ministerpräsidenten. ‹ŒDK