Das gilt nicht nur für Produkte aus dem Aichacher Gefängnis. Ab dem Herbst werden unter www.haftsache.de die Waren aus allen bayerischen Justizvollzugsanstalten zentral vermarktet.

Initiator des Projekts ist Günter Rieger, Leiter des Arbeitswesens in der JVA Aichach. Mit der Vermarktung von Produkten, die hinter Gittern entstehen, ist er in der Vergangenheit bereits neue Wege gegangen und hat damit gute Erfahrungen gemacht. Unter dem Titel "Haftcouture" wurde im vergangenen Jahr im Augsburger Textilmuseum Mode von Häftlingen gezeigt – mit erstaunlichem und nachhaltigem Erfolg. "Noch heute bekomme ich jede Woche zwei bis drei Anfragen von Firmen, für die wir Aufträge übernehmen sollen", sagt Rieger.

Die JVA-Schneiderei ist nur einer der "Arbeitsbetriebe der bayerischen Justizvollzugsanstalten" in Aichach, wie der offizielle Name lautet. Daneben gibt es beispielsweise eine Gärtnerei, eine Wäscherei, eine Bäckerei und noch einige andere Werkstätten und Betriebe.

Über "Haftsache.de" werden alle Produkte angeboten, die in bayerischen JVAs produziert werden und für die ein Markt vermutet wird. Die einzelnen Anstalten können dazu Produktvorschläge machen, eine Marketinggruppe untersucht dann die Marktchancen. Und nicht nur das: Sie hat auch die Zertifizierung in der Hand. "Wir wollen keinen Ramsch anbieten", sagt Rieger. "Haftsache" – der Markenname ist bereits geschützt – soll ein Label werden, das für Qualität und solide Handwerksarbeit steht.

Insgesamt sechs Produktkategorien sollen auf der Haftsache-Seite angeboten werden, unter anderem Bekleidung und Möbel. Im Bereich "Haus und Garten" wird es beispielsweise alles von Haushaltsgeräten bis zu Gartenmöbeln und Vogelhäuschen geben.

Noch kann man die Produkte übers Internet allerdings noch nicht kaufen. In der kommenden Woche startet die intensive Vorbereitungsphase, "im Herbst werden wir dann online sein", sagt Rieger. Unter anderem wird in dieser Phase ein Logistik-Unternehmen gesucht, mit dem man beim Vertrieb zusammenarbeiten wird, man untersucht Lagerkapazitäten, legt die Qualitätsstandards fest.

Insgesamt nimmt der Freistaat durch die Arbeitsbetriebe der 37 Justizvollzugsanstalten rund 44 Millionen Euro im Jahr ein. Neben dem Verkauf der Produkte ist dabei die Übernahme von Aufträgen von Fremdfirmen ein wichtiger Faktor. Aber abgesehen von den nicht unerwünschten Einnahmen für den Staat, haben die Betriebe und Werkstätten aber auch eine wichtige Aufgabe bei der Resozialisierung der Gefangenen. Etwa die Hälfte der bayerischen Häftlinge hat keine abgeschlossene Berufsausbildung, viele keinen Schulabschluss. Hinter Gitter holen nicht wenige das nach.