Absage an die Schulpolitik der CSU
München (DK) Für Bayerns Schüler war der Freitag ein Tag mit gemischten Gefühlen. Zwar begannen mit Ausgabe der Zwischenzeugnisse an rund 1,3 Millionen Schüler die Faschingsferien. Doch viele Gymnasiasten waren nicht in Ferienlaune. Sie protestierten gegen den extremen Leistungsdruck am G8.
Bei der zentralen Kundgebung in München forderte Bildungsexperte Hans-Ulrich Pfaffmann von der SPD-Landtagsfraktion die Staatsregierung auf, endlich für eine vernünftige Schulpolitik zu sorgen. Die Demonstrationen seien der Beweis für einen dringenden Handlungsbedarf.
In München demonstrierten nach Polizeiangaben am Vormittag 1500 Schüler, an der Abschlusskundgebung nahmen 3000 junge Menschen teil. Die Schüler verlangen auch eine Verringerung der wöchentlichen Stundenzahl, weniger Abituranforderungen, mehr Lehrer und kleinere Kurse. Auch in Bamberg, Bayreuth, Würzburg, Augsburg und Kempten gingen Hunderte von Gymnasiasten auf die Straße.Präsident Klaus Wenzel vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) rief bei der Münchner Protestaktion alle Lehrer dazu auf, sich mit den Schülern zu solidarisieren. Insbesondere dürfe kein Schüler wegen der Teilnahme an den Protesten bestraft werden, nur weil diese zum Teil während der Unterrichtszeit stattfanden.
Kultusminister Spaenle hatte die Terminplanung im Vorfeld als "blanke Provokation" kritisiert, weil mehrere Protestaktionen noch während der Schulzeit angesetzt waren. Nach den Worten von Spaenle ist es den Direktoren der Gymnasien überlassen, ob sie disziplinarische Maßnahmen ergreifen.
In Bamberg gingen nach Angaben der Organisatoren rund 800 Schüler aus Ober- und Unterfranken auf die Straße und zogen vom Bahnhof in die Innenstadt. In Würzburg protestierten rund 500 Schüler auf dem Platz vor der Residenz. In Bayreuth protestierten rund 1000 Gymnasiasten lautstark mit Trillerpfeifen gegen die Bildungspolitik der Staatsregierung.
Unterstützt wurden die Schüler auch von zahlreichen Eltern. Der Vater eines Gymnasiasten, der seinen Namen mit Rücksicht auf seinen Sohn nicht nennen wollte, beschrieb am Rande der Kundgebung in Bayreuth die Folgen des G8: Angesichts des Leistungsdrucks und der Stofffülle bleibe vom Erlernten wenig hängen. Kaum ein Schüler habe mehr Zeit für Musik oder Sport. Die Folgen bekämen auch die Vereine zu spüren, die in der Jugendarbeit zunehmend Nachwuchssorgen beklagten. "Das G8 ist eigentlich immer noch ein G9, weil die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass die Schüler eine Ehrenrunde drehen müssen", sagte der 47-Jährige.
Donaukurier

