''Ich bin verwundert und verletzt''
An Hans Maiers Einsatz für „Donum Vitae“ stößt sich der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa. Er verbietet ihm, in katholischen Häusern aus seiner Biografie zu lesen. Im Interview mit unserem Redakteur Til Huber äußert sich Maier enttäuscht über Zdarsa und erklärt, warum er sich für „Donum Vitae“ engagiert.
Ingolstadt (DK) Hans Maier ist ein Mann mit vielen Facetten. Geboren in Freiburg legte er 1956 im Alter von 25 Jahren das Lehramts-Staatsexamen ab. Nach Promotion und Habilitation wurde er schon sechs Jahre später zum Professor für Politikwissenschaft an die Universität München berufen. Seine politische Karriere begann 1970. Er wurde bayerischer Kultusminister und blieb bis 1986 im Amt. Parallel engagierte sich Maier in der katholischen Kirche. Zwölf Jahre lang war er Präsident des Zentralkomitees der Deutschen Katholiken.
Später setzte sich Maier auch für „Donum Vitae“ ein. Die Organisation wurde gegründet, nachdem die deutschen Bischöfe auf Weisung des Papstes aus der Schwangerenkonfliktberatung ausgestiegen waren. An Maiers Einsatz für „Donum Vitae“ stößt sich nun der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa. Er verbietet ihm, in katholischen Häusern aus seiner Biografie zu lesen. Im Interview mit unserem Redakteur Til Huber äußert sich Maier enttäuscht über Zdarsa und erklärt, warum er sich für „Donum Vitae“ engagiert.
Herr Maier, hat Sie die Reaktion von Bischoff Konrad Zdarsa verwundert?
Maier: Mich hat die Reaktion verwundert und sie hat mich auch verletzt. Das ist unmöglich und ich habe dem Bischof deshalb einen Brief geschrieben und ihn gebeten, mir mal seine Gründe zu nennen. Ich würde gerne seine Reaktion abwarten, bevor ich mich weiter äußere. Wenn keine kommt, werde ich mich öffentlich äußern. Ich habe ihn mit der Sonntagspost weggeschickt, er müsste ihn also schon haben.
Statt in dem katholischen Zentrum St. Ulrich findet die Veranstaltung jetzt in einem evangelischen Haus statt.
Maier: Ja, in St. Anna. Das ist ein würdiger Rahmen. Ich freue mich über dieses Entgegenkommen der evangelischen Seite. Es ist schon erstaunlich, dass Evangelische einspringen müssen, wenn Katholiken andere Katholiken ausschließen.
Der Konflikt entzündet sich an Ihrer Unterstützung für die Schwangerenkonfliktberatung „Donum Vitae“. Die katholischen Bischöfe haben diese zu einer Organisation außerhalb der Kirche erklärt. Können Sie Zdarsas Reaktion da nicht nachvollziehen?
Maier: Mein Engagement für „Donum Vitae“ ist mehr als zehn Jahre alt. „Donum Vitae“ hat ja letztes Jahr zehnjähriges Bestehen gefeiert. Ich habe meine Gründe immer dargelegt. Wir setzen dabei nur das fort, was die Bischöfe mit Ausnahme von Fulda fünf Jahre lang besten Gewissens getan haben, bis sie vom Papst zum Rückzug gezwungen wurden.
Das heißt, Sie haben als Katholik nichts zurückzunehmen.
Maier: Nein, überhaupt nicht. Wir haben gute Gründe, unsere Aktivitäten fortzusetzen. Sonst bliebe die Kirche in der Schwangerenkonfliktberatung ohne Präsenz. Bei den kirchlichen Stellen findet Konfliktberatung nach eigener Aussage praktisch nicht mehr statt.
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