Der: Gas geben mit gutem Gewissen
Carbon- und Glasfaser sind die beiden Werkstoffe, die die Gasflaschen sicher machen sollen. Das Foto zeigt eine Flasche des A3 g-tron - die des A5 sehen aber im Prinzip genauso aus.
Ingolstadt

Es ist nur ein kleiner Schriftzug am Heck, der auf die Besonderheit des Audi hinweist: g-tron. Mit diesem Kürzel beplankt der Ingolstädter Autobauer seine Erdgas-Fahrzeuge. Der A3 g-tron ist schon seit einigen Jahren auf der Straße, seit neuestem sind nun auch der A4 (nur als Avant) und der von uns getestete A5 Sportback als g-tron erhältlich. Bei den g-tron-Modellen handelt es sich um einen sogenannten bivalenten Antrieb. Das bedeutet, die Autos fahren mit Benzin weiter, wenn der Erdgasvorrat aufgebraucht ist. So will der Autobauer den Kunden die Reichweitenangst nehmen. Denn bislang ist das Erdgas-Tankstellennetz noch nicht besonders dicht: Gut 850 sind es derzeit in Deutschland. Zum Vergleich: Benzin und Diesel bekommt man an gut 14.000 Tankstellen.

Aber was bringt Erdgas im Tank überhaupt? Nachdem viele Kunden seit dem Abgas-Skandal beim Diesel nur noch zögerlich zugreifen, müssen die Hersteller zusehen, wie sie die CO2-Bilanz anderweitig einhalten können. Der Volkswagen-Konzern will die Erdgas-Technik deshalb zunächst weiter fördern. Dem Kunden spart Erdgas im Tank Geld, denn es ist deutlich billiger als Benzin oder Diesel: Ein Kilo Erdgas kostet derzeit zwischen 1 und 1,10 Euro. In unserem Test tankten wir zweimal für 1,01 Euro. Dazu kommt: Ein Kilo Erdgas hat den Energieinhalt von 1,3 Litern Diesel beziehungsweise 1,5 Litern Benzin.

Zudem ist Erdgas umweltfreundlicher. Der CO2-Ausstoß ist geringer: Bei unserem Testwagen liegt die Normangabe bei 114 g/km, fährt der gleiche Motor mit Benzin, sind es 143 g/km. Auch mit Feinstaub und Stickoxiden hat ein Erdgasauto keine Probleme. Aus der Öko-Perspektive ist vor allem eine Option interessant, die Audi Käufern bis Ende Mai nächsten Jahres für drei Jahre kostenlos anbietet: Eine um 80 Prozent reduzierte CO2-Emission. Und das funktioniert so: Für jedes Kilo Erdgas, das der Kunde an der Zapfsäule tankt, speist Audi ein Kilo mehr oder weniger CO2-neutral produziertes E-Gas ins Netz ein. Dieses E-Gas gewinnt der Hersteller unter anderem im niedersächsischen Werlte in einer sogenannten Power-to-Gas-Anlage. Dort wird aus Windkraft mittels Elektrolyse und Methanisierung synthetisches Erdgas gewonnen.

Eine wichtige Lektion für Gas-Antrieb-Novizen: Erdgas (CNG, Compressed Natural Gas) ist nicht zu verwechseln mit Autogas (LPG, Liquefied Petroleum Gas). Letzteres ist mehr oder weniger ein Nebenprodukt aus der Erdölproduktion und ist wesentlich verbreiteter als Erdgas: In Deutschland gibt es rund 7000 Tankstellen, die Autogas im Angebot haben. Der Energiegehalt von LPG ist deutlich niedriger als der von CNG: Ein Kilo Erdgas entspricht rund zwei Litern LPG.

Nun aber zur Technik: Unter der Haube des A5 g-tron werkelt ein 2,0-Liter-Vierzylinder, der 170 PS leistet. 29 neue Bauteile waren nötig, um den Motor für den Gasbetrieb zu optimieren. Den g-tron gibt es sowohl als Handschalter als auch mit Automatik. Ein Nachteil: Allradantrieb ist für den g-tron nicht erhältlich. Die Preise für den g-tron mit Handschalter beginnen bei 40.300 Euro. Unser nahezu vollausgestatteter Testwagen mit der 7-Gang-Automatik lag bei knapp 70.000 Euro.

Die Gesamtreichweite für den A5 g-tron gibt Audi mit 950 Kilometern an: 500 rein mit Gas, nochmal 450 mit Benzin. Diese Angaben basieren aber natürlich auf Berechnungen aus dem Normverbrauch von 4,2 kg Erdgas auf 100 Kilometer. Während unseres Tests kamen wir auf einen Schnitt von 5,1 Kilogramm. Einmal reichte der Gasvorrat für knapp 330 Kilometer, einmal für rund 360 Kilometer. Beide Male hatten wir das Auto vollgetankt, rund 19 Kilo Erdgas passen in die Tanks.

Ist der Erdgas-Vorrat erschöpft wird automatisch und unmerklich auf Benzinbetrieb umgeschalten. So hat man Zeit, sich nach einer passenden Tankstelle umzusehen. Der Audi unterstützt hierbei: Neigt sich nämlich der Gasvorrat im g-tron dem Ende zu (weniger als 50 Kilometer Reichweite), erscheint nicht nur eine Warnmeldung auf dem Navibildschirm - der Computer bietet zudem an, den Fahrer zur nächsten Erdgas-Tankstelle zu lotsen. Das klappte im Test einwandfrei. Tankstellen in der Region gibt es laut der Website erdgas.info in Ingolstadt (2), Neuburg, Eichstätt, Pfaffenhofen, Schweitenkirchen, Kelheim. An der Tankstelle angekommen, läuft der Befüllvorgang unkompliziert ab. Der Schlauch ist etwas steifer als man es von Diesel und Benzin kennt. Hat man den Rüssel auf dem Stutzen aufgesetzt, muss man nur noch einen kleinen Hebel am Griff umlegen und an der Zapfsäule den Startknopf drücken - dann wird das Gas in die Tanks gepumpt und mit einem Druck von 200 Bar gespeichert. Rund drei Minuten dauerte es bei uns, bis die Vorräte komplett aufgefüllt waren.

Und wie fährt sich der A5 g-tron? Sehr harmonisch. Die Motorleistung reicht vollkommen aus, um souverän zu reisen. Lediglich das Ansprechverhalten könnte spontaner sein, und bei höheren Geschwindigkeiten wünscht man sich gelegentlich einen Hauch mehr Durchzug. Das Zusatzgewicht von gut 100 Kilogramm im Vergleich zum 190-PS-Benziner merkt man an dieser Stelle. Aber das ist schon Jammern auf sehr hohem Niveau. ‹ŒDK