Cleveres: Flaggschiff auf Digitalkurs
Kühle Optik: Im Interieur haben die Designer auf Reduktion gesetzt. Die meisten Schalter wurden durch zwei große Touch-Displays ersetzt, die beim Drücken einen "Klick-Effekt" erzeugen. Die Front dagegen ist extrem bullig geraten - von vorne ähnelt der neue A 8 stark dem SUV Q7.
Audi
Ingolstadt

Das Design

 

"Der A 8 ist der Startschuss für eine neue Designsprache", sagt Daniel de Jong aus dem Team von Audi-Chefdesigner Marc Lichte. Das kann man zumindest teilweise unterschreiben. Gelungen ist die fast coupéhafte Silhouette der Limousine genauso wie das Heck mit dem durchgezogenen Leuchtenband. Die Front dagegen birgt wenig Revolutionäres und ist extrem bullig geraten - von vorne ähnelt der A 8 stark dem SUV Q 7. Im Innenraum haben die Designer gründlich aufgeräumt. "Die Reduktion wird zum Gestaltungsmerkmal", sagt de Jong. Stimmt. Und damit grenzt sich der A 8 deutlich von der schwülstigen S-Klasse und dem etwas barocken BMW 7er ab.

Die Bedienung

 
Schalter und Tasten sind im neuen A 8 größtenteils Geschichte. Geblieben ist lediglich der Lautstärke-Drehregler. In der Mittelkonsole prangt nun ein 10,1-Zoll-Touchdisplay, darunter ein weiteres mit einem Durchmesser von 8,6 Zoll. Während das obere beispielsweise Navi-Karten oder Songtitel anzeigt, dient das untere zur Steuerung von Klima- und Komfort-Funktionen. Das Display reagiert auf Druck mit einem spürbaren Klick - sozusagen als Bestätigung, ähnlich wie bei einer Computermaus. Der Trick dahinter: Ein Elektromagnet bewegt das Display um etwa die Breite eines Haares zur Seite, dazu wird ein Klick-Geräusch abgespielt. Auch Handschrifteingaben erkennt das Display - sogar wenn man Buchstaben übereinander schreibt. Klar muss man sich kurz eingewöhnen, aber die Bedienung ist wirklich sehr clever gelöst. Einziger Nachteil der schicken Displays: die Fingertapser - hier empfiehlt sich ein griffbereites Mikrofasertuch. Auch die Sprachbedienung ist beeindruckend. Sagt man etwa: "Mir ist kalt", fragt das Auto, welche Temperatur man sich wünsche. Antwortet man: "21,5 Grad", stellt die Limousine exakt diesen Wert ein.

Die Motoren

 
Zum Marktstart sind für den am Standort Neckarsulm produzierten A 8 zwei V6-Motoren verfügbar: ein 3,0-Liter-TDI mit 286 PS sowie ein 3,0-Liter-TFSI mit 340 PS. Bei einer ersten Ausfahrt empfanden wir den Benziner wegen seiner Laufruhe als die harmonischere Variante. Mit dem leicht gestiegenen Gewicht (1995 Kilogramm) hat der Motor keine Probleme - allerdings lag der Verbrauch bei nicht allzu flotter Fahrt mit 10,9 Litern fernab der versprochenen 7,8 Liter. Später soll ein V8-4,0-Liter-TFSI mit 460 PS folgen. Ebenfalls auf dem Plan steht ein Zwölfzylinder mit 585 PS. Abgerundet wird die Motorenpalette dann von einem Plug-in-Hybrid mit einer Systemleistung von 449 PS.

Die Allradlenkung

 
So viele Vorteile ein großes Auto auch bietet - beim Rangieren kann es eng werden. Deshalb hat der A8 die vom Q7 bekannte Allradlenkung übernommen - in einer verbesserten Variante. Bei langsamer Fahrt werden die Hinterräder bis zu fünf Grad gegensinnig zu den Vorderrädern eingeschlagen, wodurch sich der Wendekreis um etwa einen Meter verkleinert. Bei flotter Fahrt funktioniert es umgekehrt: Dann lenken die Hinterräder bis zu zwei Grad gleichsinnig zu den Vorderrädern ein. Das erhöht die Fahrstabilität vor allem bei Spurwechseln und Ausweichmanövern. Allradantrieb ist im neuen A 8 übrigens Standard.

Das Aktivfahrwerk

 
Das neue 48-Volt-Bordnetz ermöglicht den Einsatz neuer Techniken - eine davon ist das Aktivfahrwerk. Das bietet nicht nur einen Wankausgleich, um Kurven praktisch ohne Neigung zu durchfahren, sondern es kann auch Bodenerhebungen bis zu einigen Zentimern neutralisieren. Das funktioniert, indem eine Kamera die Straße abtastet und sich das Fahrzeug dadurch schon vor dem Erreichen der Unebenheit um sechs Zentimeter anhebt. So kann der A 8 tiefer einfedern. Bei einem drohenden Seitenaufprall hebt das System die Karosserie blitzschnell um bis zu acht Zentimeter auf der betreffenden Seite an. Dadurch trifft der Unfallgegner den A 8 in einer tieferen, widerstandsfähigeren Zone. Im Test beeindruckte die Technik. Der Haken: Das "Wunderfahrwerk" wird frühestens Mitte nächsten Jahres erhältlich sein, vermutlich eher später. Gleiches gilt leider auch für den Parkpilot, der das Auto ohne Fahrer an Bord wie von Geisterhand in Längs- und Querparklücken bugsiert.

Der Staupilot

 
Seit Jahren rühren sie in Ingolstadt die Werbetrommel für die herausragendste Fähigkeit des neuen A 8: Autonomes Fahren Level 3. Staupilot nennt Audi die Funktion. Auf Autobahnen und baulich getrennten Straßen kann der Fahrer bei dichtem Verkehr und einer Geschwindigkeit von bis zu 60 km/h den Computer fahren lassen. Dabei darf die Person hinter dem Lenkrad offiziell die Hände von selbigem lassen. Klingt toll. Nur: Wann die Käufer die Funktion nutzen können, steht in den Sternen. Laut Audi liegt das an den immer noch weitgehend unklaren rechtlichen Rahmenbedingungen. Bitter: Wer jetzt einen A 8 kauft, kann das System auch nicht nachrüsten.

Die Typenbezeichnungen

 
Mit dem neuen A 8 werden neue Typenbezeichnungen eingeführt, die die Motorleistung deutlicher nach außen tragen sollen. Bislang nutzte man die Hubraumgröße - doch weil es inzwischen bei einer Hubraumgröße bis zu drei verschiedene PS-Stärken gibt, hat sich Audi zu der Umstellung entschlossen. Rückschlüsse auf die PS-Zahl lassen sich aber seltsamerweise dennoch nicht ziehen. Zwei Beispiele: Der 3,0-Liter-TDI mit 286 PS trägt nun die Bezeichnung A8 50 TDI, der 3,0-Liter-TFSI mit 340 PS heißt ab sofort A 8 55 TFSI. Beim Zwölfzylinder prangt aber weiterhin "W 12" am Heck. Alles klar? Bis Mitte 2018 sollen alle Audis darauf umgestellt werden.

Der Preis


Los geht's bei 90.600 Euro für den A 8 50 TDI, die 13 Zentimeter längere Langversion schlägt mit einem Aufpreis von 3500 Euro zu Buche. Der A 8 55 TFSI startet bei 93.500 Euro. Wer sich ohne Rücksicht auf Verluste durch die dicke Aufpreisliste kreuzt, kann sich aber auch locker einen A 8 jenseits der 150.000 Euro konfigurieren.

Das Fazit

 
Die Formkurve zeigt nach oben: Beim Design des A 8 ist Audi (zumindest teilweise) aus dem Dornröschenschlaf erwacht, bei der Bedienung wurde der liebgewonnene Dreh-Drücksteller über Bord geworfen, um eine erstklassige Bedienlandschaft per Touchscreen zu installieren. Auf der ersten Ausfahrt beeindruckten das Fahrwerk, die her-vorragende Geräuschdämmung und der laufruhige und kräftige Benziner genauso wie die hoch-wertigen Materialien und die tolle Verarbeitung. Unzählige Assistenzsysteme und Detaillösungen erleichtern dem Fahrer das Leben - und endlich gibt es weiche Kopfstützen. Aber: Beim Gewicht hat der A8 leicht zu-gelegt, und die spannendsten Techniken sind schlicht noch nicht erhältlich. Das trübt den guten Eindruck. Ob andere damit am Ende schneller auf dem Markt sind.