IAA Frankfurt - Audi
Smart in die Zukunft: Audi-Chef Rupert Stadler vor dem Luxus-Robotertaxi-Konzeptfahrzeug namens Aicon.
Uli Deck (dpa)
Frankfurt
Bei der letzten IAA im Jahr 2015 war die Welt der Autobauer noch in Ordnung – immer noch größer, noch spektakulärer, lautete dieMarschrichtung bei den Fahrzeugpräsentationen. Audi etwa hatte auf dem Messegelände eine eigene, riesige Halle aufgebaut. Doch das war vor Diesel-Gate. Heuer ist Audi bei den anderen Konzernmarken in Halle 3 untergeschlüpft.
 
Die IAA 2017 ist eine der leisen Töne. Das liegt zum einen daran, dass zahlreiche Hersteller abgesagt haben. Aber eben auch am Sinneswandel der deutschen Autobauer. Denn VW, BMW und Daimler verkündeten unisono groß angelegte Elektrifizierungsoffensiven. Da passt es nicht mehr so sehr, wenn man die Fahrzeuge mit Krawallmusik und Lasershow ankündigt. Das zeigte besonders deutlich der diesjährige Auftritt von BMW-Chef Harald Krüger, der bei der IAA 2015 auf der Bühne kollabiert war.
Fotostrecke: Impressionen von der IAA in Frankfurt

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Ohne den sprichwörtlichen Trommelwirbel strahlte das Scheinwerferlicht plötzlich zwei Stühle auf der Bühne an. Darauf Krüger und ein Journalist, der den BMW-Lenker interviewte. Und zwar zu Themen, die die Autobauer auf einer Messe lieber vermeiden. Das ist mehr als ungewöhnlich. So manche Frage umschiffte Krüger aber dann mit aller Routine. Auf den Kartellverdacht angesprochen sagte er: „Das ist ein Vorwurf, der uns überrascht hat.“ Grundsätzlich seien Gespräche unter Autoherstellern nichts Ungewöhnliches. Sicherheitshalber habe man aber eine Arbeitsgruppe zu dem Thema gegründet. „Es gibt keine offizielle Untersuchung der EU-Kommission oder des Kartellamts.“ In Sachen Diesel-Gate betonte der BMW-Chef nochmals: „Wir haben an den Fahrzeugen nicht manipuliert.“ Schließlich wandte Krüger den Blick nach vorne: „Für uns als Konzern hat die E-Mobilität oberste Priorität.“
 
Im Mittelpunkt standen bei den Münchnern dementsprechend nahezu ausschließlich E-Modelle. So rollte unter anderem das Konzeptauto iVisionDynamics auf die Bühne – ein langstreckentaugliches, aber auch gleichzeitig sportliches E-Mobil, das in weniger als vier Sekunden auf 100 Stundenkilometer beschleunigen und 200 km/h Spitze schaffen soll – und das bei einer Reichweite von 600 Kilometern. Bis zum Jahr 2025 kündigte Krüger 25 neue E-Modelle an – davon zwölf rein elektrisch.
 
Schon tags zuvor hatte VW-Chef Müller eine große Elektro-Offensive namens „Roadmap E“ angekündigt. 20 Milliarden Euro sollen laut Plan in die Entwicklung von 80 neuen E-Autos fließen – 50 reine E-Fahrzeuge, 30 Plug-in-Hybride. Bis 2030 soll das gesamte Produktportfolio elektrifiziert werden. Und auch Daimler-Chef Dieter Zetsche präsentierte gestern in Frankfurt eine ambitionierte Elektro-Strategie: Die komplette Produktpalette soll bis 2022 elektrifiziert werden. Den radikalsten Schritt kündigte der Mann mit dem markanten Schnauzer für Smart an: Bis 2020 soll die Marke komplett auf E-Antriebe umgestellt werden.
 
„In der Diskussion der letzten Monate ist zweifellos Vertrauen verloren gegangen“, sagte Zetsche. „Ich bedauere das sehr.“ Allerdings ist sich der Lenker des Stuttgarter Autokonzerns sehr wohl bewusst, mit welchen Antrieben noch immer das Geld verdient wird – und dass nur mit den sparsamen Dieselmotoren die Klimaziele einzuhalten sind. Daher betonte Zetsche, dass effektive Benzin- und Dieselmotoren auch künftig ein wichtiger Bestandteil des Produktportfolios seien. „Den Diesel sofort zu verbieten wäre ein klimapolitisches Eigentor.“
 
IAA Frankfurt - Mercedes-Benz
Prominenter Besuch: Formel-1-Rennfahrer Lewis Hamilton fuhr den Mercedes-AMG Project One auf die Bühne. Das 1000-PS-Auto soll in unter sechs Sekunden auf 200 km/h beschleunigen.
Uli Deck (dpa)
Frankfurt
Zum Schluss zauberten die Schwaben dann aber doch noch mal ein PS-Monster aus dem Hut – wie in alten Zeiten: Den Mercedes-AMG Project One – eine Art Formel-1-Auto mit Straßenzulassung. Das 1000-PS-Geschoss soll in unter sechs Sekunden auf 200 km/h sprinten, der Preis liegt bei schätzungsweise rund 2,8 Millionen Euro. Wer so viel Geld ausgibt, darf sich dann auch mit einem grünen Feigenblatt schmücken – bei dem Renner handelt es sich nämlich um ein Hybridfahrzeug.