Der Präsident des Automobilverbands VDA, Matthias Wissmann, will Anfang kommenden Jahres den Weg für einen Wechsel an der Spitze der Autolobby freimachen. VDA-Präsident Wissmann
Der Präsident des Automobilverbands VDA, Matthias Wissmann, will Anfang kommenden Jahres den Weg für einen Wechsel an der Spitze der Autolobby freimachen.
© 2017 AFP

Deutschlands oberster Auto-Lobbyist nimmt seinen Hut: Nach zehn Jahren im Amt will Matthias Wissmann im Frühjahr 2018 abtreten, wie er der ADAC-Mitgliederzeitschrift "Motorwelt" sagte. Dann läuft der Vertrag des Präsidenten des Automobilverbandes VDA aus. Die vergangenen zehn Jahre seien für die Autoindustrie eine "besonders erfolgreiche Epoche" gewesen, zog der 68-Jährige Bilanz. Dabei seien die vergangenen beiden Jahre "von besonderer Dramatik" gewesen - sie standen im Zeichen des Dieselskandals.

Spekulationen über eine vorzeitige Ablösung von Wissmann gibt es seit Monaten. Große Autohersteller sollen unzufrieden sein mit seiner Verteidigung der Branche in der Debatte über die Umweltschädlichkeit von Verbrennungsmotoren und drohende Fahrverbote. So hatte Wissmann gravierende Fehler einzelner Autokonzerne eingeräumt.

Der VDA-Präsident hatte noch Anfang September klargestellt, er sei "keiner, der von der Fahne geht, wenn es schwierig wird". Nun sagte der 68-Jährige in dem am Donnerstag vorab veröffentlichten Interview mit der ADAC-"Motorwelt", er werde seinen Vertrag zwar noch "mit Freude und Engagement" erfüllen - "doch dann ist es auch gut".

Wissmann ist seit 2007 Chef des Verbands der Automobilindustrie (VDA), in dem rund 600 Unternehmen vertreten sind. Von 1993 bis 1998 war der CDU-Politiker Bundesverkehrsminister - ihm wurden danach beste Kontakte zur Politik attestiert.

Die Branche müsse "individuelle Mobilität sichern - dafür setzen wir uns mit Nachdruck ein", sagte Wissmann der "Motorwelt". Die Politik neige leider zu Verbotsschildern; die künftige Regierung forderte er auf, lediglich "Rahmenbedingungen" zu schaffen, damit die Autoindustrie "anspruchsvolle, aber realistische Klimaziele" umsetzen könne. Bei den Technologien müsse sich "das Beste" durchsetzen, "nicht das ideologisch Passende".

Wissmann sprach sich vehement gegen Fahrverbote aus. "Die Luft in unseren Städten ist heute besser denn je", sagte er der Zeitschrift. Die verkehrsbedingten Stickoxide seien von 1990 bis 2015 um 70 Prozent gesunken, und das trotz gestiegener Verkehrsleistung. Es gehe "um einige Hotspots in bestimmten Städten, das ist kein Flächenproblem".

Technische Umrüstungen älterer Dieselautos lehnte der Verbandspräsident erneut als "wirtschaftlich und technisch schwierig" ab. Wissmann verspricht sich dagegen von neuen Dieselautos mit der Abgasnorm Euro 6d Wirkung: "In den nächsten Monaten kommen immer mehr Autos, die diesen Vorgaben entsprechen." Die Euro-6d-Norm bringe niedrigste Emissionen, nicht nur im Labor.

Zur "Mogelei" der Hersteller beim Spritverbrauch, wie es der ADAC formulierte, sagte Wissmann, der Unterschied zwischen Laborwert und Praxisverbrauch sei "für viele irritierend". Neue Tests würden dafür sorgen, dass der Abstand zwischen Laborwert und echtem Verbrauch kleiner werde. Es werde aber auch künftig eine Differenz geben.

Der Verbandspräsident zog trotz Dieselskandal und Fahrverbotsdebatten eine positive Bilanz der vergangenen zehn Jahre. Die deutsche Autoindustrie habe ihre gute Position auf den Weltmärkten "strategisch gut ausgebaut" und ihr Innovationstempo erhöht. Aktuelle Umfragen bestätigten zudem, dass die Bürger "trotz allem" großes Vertrauen in die deutschen Marken hätten.