Volkswagen-Chef Matthias Müller könnte schon in wenigen Tagen seinen Posten räumen: Der größte deutsche Autobauer erwägt "personelle Veränderungen im Vorstand". Medien: VW-Konzernchef Müller soll Posten räumen
Volkswagen-Chef Matthias Müller könnte schon in wenigen Tagen seinen Posten räumen: Der größte deutsche Autobauer erwägt "personelle Veränderungen im Vorstand".
© 2018 AFP

Volkswagen-Chef Matthias Müller steht offenbar kurz vor seiner Ablösung. Seine Nachfolge an der Spitze des größten deutschen Autobauers soll Markenchef Herbert Diess antreten, wie mehrere Medien am Dienstag berichteten. VW bestätigte die Personalie nicht, kündigte aber "personelle Veränderungen im Vorstand" an. Derzeit liefen Gespräche mit mehreren Mitgliedern des Aufsichtsrats und des Vorstands. Auch Personalvorstand Karlheinz Blessing muss einem Bericht zufolge seinen Posten räumen.

Volkswagen erklärte am frühen Nachmittag, das Unternehmen erwäge eine "Weiterentwicklung der Führungsstruktur für den Konzern", die auch mit personellen Veränderungen im Vorstand verbunden wäre. Dazu könne auch eine "Veränderung im Amt des Vorstandsvorsitzenden gehören", teilte der Autobauer mit Blick auf Müllers Posten mit. Der seit September 2015 an der VW-Spitze stehende Müller habe seine "grundsätzliche Bereitschaft signalisiert, an den Veränderungen mitzuwirken".

Das "Handelsblatt" sowie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und die "Bild"-Zeitung berichteten anschließend unter Berufung auf Unternehmenskreise sowie informierte Kreise, dass Müller gehen müsse. Demnach soll das der VW-Aufsichtsrat am Freitag beschließen. Markenchef Diess solle auf Müller folgen. Der "Bild" zufolge planten die Eigentümer-Familien Porsche und Piëch den Führungswechsel seit mehreren Monaten, der Aufsichtsratsvorsitzende Hans-Dieter Pötsch sei darüber informiert gewesen.

Nach Informationen der "Braunschweiger Zeitung" steht auch das für Personal zuständige Vorstandsmitglied Blessing vor dem Aus. Es sei aber noch unklar, ob er eine neue Position übernehmen oder den Konzern verlassen werde. Blessing war im Zusammenhang mit den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen überhöhter Zahlungen an VW-Betriebsratsmitglieder in die Kritik geraten.

Volkswagen selbst wollte sich über seine Mitteilung hinaus nicht äußern. Diese sei versandt worden, weil das die Regularien für den Finanzmarkt so verlangten, sagte ein Sprecher des Aufsichtsrats. Dass für Freitag eine Aufsichtsratssitzung geplant ist, wollte der Sprecher nicht bestätigen, die mögliche Personalie Diess wollte er ebenso wenig kommentieren.

Der Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler sagte AFP, Müller sei "ganz ausdrücklich als Krisenmanager gekommen" und der wichtigste Teil der Krisenbewältigung sei nun vorbei. Es sei insofern "richtig, wenn es jetzt in eine neue Richtung geht". Zu Diess als möglichem Nachfolger sagte Pieper, dieser sei ein "sehr guter Kostenmanager" und erscheine ihm die "beste Lösung als Nachfolger" zumindest für die kommenden fünf Jahre zu sein.

Der Autoexperte Frank Schwope von der NordLB sagte zur möglichen Personalie Diess, dieser habe "für wichtige Veränderungen bei VW gesorgt" und sei Chef der wichtigsten Konzernmarke. "Er wäre somit ein plausibler Kandidat für eine vermeintliche Vakanz."

Müller hatte 2015 das Zepter von Martin Winterkorn übernommen, der wegen des Abgasskandals zurückgetreten war. Volkswagen hatte im September 2015 auf Druck von US-Behörden zugegeben, weltweit in rund elf Millionen Dieselfahrzeugen unterschiedlicher Marken eine Software zur Manipulation von Abgaswerten eingebaut zu haben.

Zuletzt geriet Müller wegen seines Millionengehalts in die Schlagzeilen. Dem Geschäftsbericht von VW zufolge bekommt er für das Jahr 2017 eine Vergütung von gut zehn Millionen Euro - ein Plus von fast 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Müller verteidigte die Vergütung jüngst mit der Relevanz des Unternehmens für die Volkswirtschaft sowie dem mit dem Posten verbundenen Risiko. Müllers Vertrag wäre eigentlich erst 2020 ausgelaufen.