"Die Chance muss man nutzen", sagte Franz Müntefering bei seinem Besuch in Pfaffenhofen und ließ sich von den "königlichen Hoheiten" in die Mitte nehmen; links Weizenkönigin Brigitte Buchner, rechts die Hallertauer Hopfenkönigin Mona Euringer. - Foto: Ingenthron
Neben ihm steht Franz Müntefering, der SPD-Parteivorsitzende. In der Früh war er von Berlin nach München geflogen, und nun steht er zum ersten Mal in seinem Leben in einem Hopfenacker. Seine braunen, italienischen Slipper wirken etwas unpassend für den Ausflug aufs Feld. Aber das ist egal, es ist Wahlkampfzeit, in 45 Tagen wird ein neuer Bundestag gewählt und die Termine drängen.

Müntefering lässt sich zwischen dem Hopfengestänge herumführen, riecht an einer Dolde und will wissen, wann der Hopfen eigentlich dem Bier beigemengt wird, das er gerne trinkt. Auch wenn es bei ihm daheim im Sauerland Veltlins oder Warsteiner heißt, und nicht Festus wie hier bei Müllerbräu. "Der Hopfen kommt in den Sudkessel und wird dann abgeseiht", erklärt Siebler. Müntefering: "Ach so ist das, hab’ ich noch nie gesehen."

Die Holledau ist das größte zusammenhängende Hopfenanbaugebiet der Welt mit 1200 Hopfenbaubetrieben und einer Fläche von 15 000 Hektar. Dass Landwirtschaft und Ökologie Arbeitsplätze schaffen, ist keine Neuerfindung der Sozialdemokraten. Und so kommt die große Volkspartei SPD, die in jüngsten Umfragen gerademal auf 20 Prozent taxiert wird, an diesem Tag in Bayern auffallend ökologisch daher.

"Wir sind grün", entgegnet eine junge Mitarbeiterin aus dem Parteivorstand selbstbewusst. Sie begleitet Müntefering auf der Wahlkampftour. So eindeutig will sich der 69-jährige Politprofi aber nicht auf grüne Positionen festlegen lassen und bügelt die vermeintliche Nähe zur politischen Konkurrenz nieder. Die Landwirtschaft sei "ein großer Lebensbereich für Menschen in ländlichen Räumen", deshalb seien diese Themen wichtig, beharrt er eisern. Für den Vorsitzenden der alten Tante SPD laufen die Fäden woanders zusammen. "Wir werden um jeden Arbeitsplatz kämpfen, auch wenn anderen Parteien das nicht so wichtig ist", sagt der Sauerländer fast trotzig.

Noch vor einer halben Stunde haben er und der Pfaffenhofener SPD-Kreisvorsitzende Markus Käser das geplante "Eco-Quartier" im Ortsteil Weihern als vorbildliches städtebauliches Entwicklungskonzept besucht. Landwirtschaft, Wohnen und Gewerbe gehen hier Hand in Hand, Klima- und Ressourcenschutz werden groß geschrieben. "Ein Stück bessere Welt" prangt in großen Lettern über der Bautafel. 2010 soll der erste Spatenstich des neuen Wohngebietes erfolgen, das sich um den Naturlandhof von Theo Hirschberger gruppiert. Müntefering lobt das Projekt, "weil es Arbeitsplätze schafft und gut für die Umwelt ist".

Es ist diese gewisse Vielstimmigkeit, die der SPD zurzeit Probleme bereitet und landauf, landab zu schlechten Umfrageergebnissen führt. Selbst in den Arbeiterbezirken des bayerischen Chemiedreiecks Neustadt, Münchsmünster und Ingolstadt kann die SPD zurzeit nicht punkten.

Müntefering gibt sich dagegen kämpferisch, für ihn ist nichts entschieden. Ein großes Potenzial für seine Partei sieht er noch in den Unentschlossenen. Alles SPD-Wähler? "Es ist noch nichts verloren. Am 27. September wird es besser für uns als im Augenblick", sagt der SPD-Mann. Deshalb sei er ja in Bayern unterwegs.

Im Kompetenzteam von Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier sucht man vergebens einen bayerischen Vertreter. Eine Steilvorlage für die CSU, meinen sogar SPD-Bundestagsabgeordnete. Müntefering bleibt eisern. "Ich kann nicht erkennen, dass die Landwirtschaft eine besondere Herkunft braucht." Im Kompetenzteam seien "alle zuständig für das ganze Land".

Vielleicht ist das der Grund, weshalb Konrad Siebler noch einmal für die Interessen der Hofenbauern wirbt und dem SPD-Vorsitzenden das Hopfenforschungszentrum Hüll ans Herz legt. "Ohne Hüll würde es die Hallertau nicht mehr geben", sagt Siebler. Das Zentrum habe den Hopfen bislang vor der Gentechnik bewahrt.