Entspannung nach dem anstrengenden Video-Dreh: Gitarren-Legende Ritchie Blackmore und seine Lebensgefährtin Candice Night im Garten von Schloss Eggersberg bei Riedenburg. - Foto: Hauser
Obwohl die Dreharbeiten für das Promotion-Video zur neuen CD bis um 5 Uhr am Morgen gedauert haben, sitzen Blackmore und Night gestern Nachmittag völlig entspannt im Schlossgarten. "Schau Dir diesen Vogel an", sagt das frühere Model und deutet mit kindlicher Begeisterung gen Himmel. Der Mann, der einst bei den Rockbands "Deep Purple" und "Rainbow" die Gitarre traktierte, blickt auf. "Ich liebe die Natur", versichert er. In München bleibe er keine einzige Nacht. "Die großen Städte inspirieren mich nicht." Und seine rapunzelblonde Partnerin ergänzt: "In der Stadt ist alles grau – die Gebäude, die Pflaster und die Menschen."

In Stadt-Hotels könne er wegen des dauernden Lärms nur noch mit Ohrenstöpseln schlafen, beklagt der einstige Donnergott der Gitarre, der in den 1970er Jahren turmhohe Lautsprecher hinter sich erschallen ließ. "Die Welt wird leider immer lauter."

Deshalb weilten Blackmore und Candice Night schon mindestens 15 Mal auf Schloss Eggersberg im Kreis Kelheim. Dort genießen sie die Stille, den grandiosen Blick hinab ins Altmühltal und die Gastfreundschaft der Betreiber-Familie Schwarz. Sie haben hier CDs aufgenommen und umjubelte Konzerte für ihre treuen deutschen Fans gegeben. Seitdem er mit dem Hardrock gebrochen hat, spielt der 63-Jährige mit seiner neuen Band "Blackmore’s Night" nur noch Neo-Folk, der von Renaissance-Melodien inspiriert ist. Sein bevorzugter Auftrittsort sind Europas alte Burgen und Schlösser wie Eggersberg.

Warum zieht er nicht einfach hierher? Blackmores Antwort kommt hart wie das knallige Riff zu "Smoke on the Water": "Wegen der hohen Steuer in Deutschland." Er lebe nur deshalb in Long Island in den USA, weil ihn dort der verhasste Fiskus nicht so ausnehme.

Dann setzt Blackmore zu einer unerwarteten Philippika auf die Politik an sich an: "Die zu hohen Steuern haben Revolutionen ausgelöst." Die Politiker hielten die Menschen für blöd, beklagt Blackmore. "Sie behaupten, sie geben unser Geld für die Kinder und die Bildung aus. Dabei wird das meiste verschwendet."

Heute werden der Gitarrist und die Sängerin zurück in die Vereinigten Staaten jetten. "Wir müssen uns um unsere Tiere kümmern", haucht Candy, wie Ritchie sie zärtlich nennt. Die umfangreiche Menagerie umfasst unter anderem Hunde, Katzen, Waschbären und sogar Giraffen. "Wir lassen die Tiere maximal einen Monat allein", erzählt Candice Night. Und die Trennung sei überhaupt nur auszuhalten, weil der Tiersitter täglich Fotos der Vierbeiner maile. "Wenn wir länger als einen Monat weg sind, dann werden die Viecher sauer und reden nicht mehr mit uns", pflichtet ihr Blackmore bei. "Wir sind einfach Tier-Freaks", säuselt Candy.

Ein Fan von Bach

Auch deshalb nehmen sie keine Platten mehr in Eggersberg auf. Da wäre man zu lange weg. Die beiden betreiben ein Heim-Studio auf Long Island, wo auch die jüngste CD "Secret Voyage" aufgenommen wurde. Sie wird am 27. Juni auf den Markt kommen. Blackmore erweise sich in Deutschland noch immer als solider Verkaufshit, berichtet Frank Uhle, der Marketing-Manager der Plattenfirma SPV. Und weltweit würden von der neuen Scheibe locker über 100 000 Stück über die Ladentheken gehen.

Um die vom Mittelalter inspirierte Musik im Internet und im Fernsehen weltweit zu promoten, musste man natürlich an einem Original-Schauplatz drehen: Schloss Eggersberg. Dort fiel in dieser Woche für 36 Stunden ein 15 Mann starkes Filmteam ein. Die Truppe war unter anderem mit einem eigenen Generator-Fahrzeug ausgerüstet. Ansonsten hätten die 6000 Watt starken Scheinwerfer das Stromnetz des betagten Gemäuers in die Knie gezwungen.

Das Pächter-Ehepaar Renate und Michael Schwarz verrät auch die kulinarischen Vorlieben des Rockstars: bayerische Hausmannskost wie Krautwickerl, Fleischpflanzerl und Bratkartoffeln. Und in der Biedermeier-Suite bette sich das Promi-Paar zur Ruhe. "Ich komponiere auch gerne in Eggersberg, dieser Ort inspiriert mich", berichtet Blackmore. So sei hier sein Hit "Fires at Midnight" entstanden, der auf einer Melodie aus dem 12. Jahrhundert basiere. Diese Stätte sei voller Musik, schwärmt Blackmore und outet sich als Fan von Bach. "England hat dagegen nur die Spice Girls", meint er abfällig.

Gerne würde er mit seiner Band auch auf der Riedenburger Rosenburg auftreten, wo ein Falkenhof mit Vogelschau residiert. "Doch dann müssten die Vögel ausquartiert werden." Das könnten zwei Tierfreunde aber nicht zulassen.

Seit 19 Jahren seien sie ein Paar und nun sollen im Oktober die Hochzeitsglocken auf Long Island läuten, freut sich die 37-Jährige. Der Frauenheld von einst wird zum braven Ehemann. Der Altersunterschied stört die beiden nicht. "Er wird durch mich jünger und gleichzeitig macht er mich älter", lächelt Candy.