Mittwoch, 30.05.2012 |

 

04.02.2009 21:12 Uhr | 587x gelesen
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Peitschenhiebe am Rossmarkt


Bild: Peitschenhiebe am Rossmarkt .  Berching (DK) Berchings CSU-Bürgermeister Ludwig Eisenreich hat Launiges vorbereitet. \

Berching (DK) Berchings CSU-Bürgermeister Ludwig Eisenreich hat Launiges vorbereitet. "Sie sind der dritte Minister, der kurz nach dem Besuch des Rossmarkts zum bayerischen Ministerpräsidenten aufgestiegen ist", begrüßt das Gemeindeoberhaupt den aktuellen Amtsinhaber Horst Seehofer. Einer von ihnen war Franz Josef Strauß, der es auf fünf Auftritte beim größten Wintervolksfest Bayerns brachte. "Der war auch so ein Hund", entfährt es einem Zuhörer in der ersten Reihe.


Der andere steht auf der Bühne und strahlt. Dabei muss das Zugpferd beim Rossmarkt, der rund 20 000 Besucher in die Oberpfälzer Vorzeigegemeinde gelockt hat, dieses Mal den ein oder anderen Peitschenhieb aushalten. Vor zwei Jahren, bei der Rossmarkt-Premiere des Ingolstädters, hing noch ein riesiges Stoffbanner mit der Aufschrift "Seehofer für Bayern" an einer Fassade. Diesmal heißt es in Sachen Solidaritätsadressen: Fehlanzeige.


Die Zügel fest in der Hand: Horst Seehofer unterhält sich gut gelaunt mit einem Pferdebesitzer und zeigt dabei keine Berührungsängste mit dessen Tieren.
Wie nie zuvor ist der Marktplatz übersät mit Protest-Transparenten wie "Milchpolitik gescheitert, Seehofer gescheitert." Hinter der Bühne, über der Filiale der örtlichen Raiffeisenbank, hat sich der Biosprit-Hersteller Juraps verewigt: "Uns presst die Regierung 18 Cent/Liter Energiesteuer raus und schmeißt’s bei den Großbanken mit der Schaufel wieder raus", ist da in großen Lettern zu lesen.

Doch nicht nur die Landwirte und ihre Mitstreiter mucken auf. Protestierende Fachärzte aus der Neumarkter Gegend nutzen die günstige Gelegenheit, den Ministerpräsidenten öffentlich unter Druck zu setzen. "Bauernsterben jetzt, Fachärztesterben morgen", lautet ihre Tagesparole, die sie Seehofer schon auf dem Weg zur Bühne entgegenhalten.

Der Ministerpräsident muss sich verteidigen. Ein erboster Demonstrant erinnert Seehofer an den flapsigen Spruch, "eine der schönsten Nächte meines Lebens" mit SPD-Gesundheitsministerin Ulla Schmidt verbracht zu haben. "Aber das ist lange her", entgegnet Seehofer. "Wir bleiben dran", verspricht der Regierungschef den Medizinern, die wegen des neuen Gesundheitsfonds finanzielle Einbußen befürchten. "Ihr Wort in Gottes Ohr,", brummt ein Zuhörer im weißen Kittel.

Beim restlichen Publikum hat Seehofer indes ein Heimspiel. Mit vielen, die sich an ihn heran drängen, ist Seehofer per Du. Schließlich hat er ganz in der Nähe in Schamhaupten (Landkreis Eichstätt) sein Ferienhaus, in dem der neue Bayern-Herrscher seine Urlaube verbringt. "Im Sommer kurve ich mit dem Motorrad durch die Gegend, setze mich irgendwohin und höre mir an, wie die Leute über die Politik schimpfen", witzelt er.

Das letzte Eis bricht Seehofer damit, dass er von seinem vorangegangenen Besuch bei den Klostermönchen in Plankstetten erzählt. "Ich bin froh, dass die mir keine Buße auferlegt haben, sondern gesagt haben, sie beten für mich", ruft der Ministerpräsident in die Menge. Denn noch vor zwei Jahren, zu Beginn seines am Ende verlorenen Duells mit Erwin Huber um den CSU-Vorsitz, da sei er ja "ein bisschen wie in der Verbannung" gewesen: "Sie wissen, was ich sagen möchte."

Natürlich weiß das Publikum, dass sein Horst kein Unschuldslamm gewesen ist. Doch seine private Affäre haben ihm die Leute selbst in dieser ländlich-katholischen Gegend offenbar längst verziehen. Immer wieder brandet Beifall auf, als Seehofer in seiner Rede den gescheiterten "Spekulationskapitalismus" anprangert. "Wertschöpfung in der Wirtschaft kann es nur geben, wenn es zugleich eine Wertschätzung der Mitarbeiter gibt", sagt Seehofer. "Sich in der Krise auf seine eigene Stärken beziehen, zusammenstehen", lautet sein Botschaft.

Nicht mehr als eine Dreiviertelstunde muss Seehofer reden, dann sind die meisten Zuhörer zufrieden. "Wir waren schon immer von ihm begeistert", sagt Helmut Ziegler aus Berching. "Es ist schön, wenn einer Humor hat", sagt einer nebenan. Bevor er zu den obligatorischen Schnappschüssen mit den festlich geschmückten Rössern eilt, liefert Seehofer noch eine komödiantische Kostprobe ab. Drei Ministerpräsidenten waren in drei Jahren für die CSU bereits im Einsatz, sagt der neue Premier grinsend. "Ich habe den kleinen Ehrgeiz, dass das in Bayern eingeführte Rotationsprinzip wieder abgeschafft wird."


Von Jürgen Fischer

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