Nach dem Vaterunser eine Maß Bier
München (DK) Pfarrer Rainer Maria Schießler möchte in einer Kapelle im Ostflügel der Münchner Kirche St. Maximilian ein Bierstüberl samt Wirtsgarten einrichten. Die Diözese ist von der Idee der Kneipe im Gotteshaus wenig begeistert.

Nähe zur bayerischen Bierkultur: Während des Oktoberfestes schlüpft Pfarrer Rainer Maria Schießler seit einigen Jahren in die Rolle des Kellners. In einem ungenützten Seitenbau seiner Pfarrkirche könnte er sich einen "Kirchenwirt" vorstellen – und erregt damit den Unmut der Diözesanverwaltung. - Foto: privat
Die imposante Pfarrkirche im neuromanischen Stil ist die drittgrößte Münchner Kirche. Errichtet wurde das malerisch an der Isar gelegene Gotteshaus 1896 für eine Gemeinde mit 30 000 Gläubigen. Heute beteiligen sich am kirchlichen Leben der Gemeinde nahe dem Schlachthof nur noch 4000 Katholiken. Auch wirtschaftlich ist St. Maximilian am Limit. Oft reicht das Geld nicht mal mehr für das Nötigste. "Ab November hab ich bei der Predigt lange Unterhosen an, so schweinskalt ist es in meiner Kirche", schildert Pfarrer Schießler seine Lage. Geheizt werde meist nur noch an Heilig Abend. Ein Umbau würde also nicht nur die räumliche Situation verbessern, sondern auch ein wenig Geld in die Kassen der klammen Pfarrgemeinde spülen. "Das ist wie bei einem Bauern", sagt Pfarrer Schießler, "wenn der seine Felder nicht mehr bewirtschaften kann, muss er sie verpachten." Ins Visier genommen hat der Geistliche die an das Hauptschiff angrenzende Korbinianskapelle. Der circa 120 Quadratmeter große Anbau aus den Fünfziger Jahren steht die meiste Zeit ungenutzt leer: der ideale Ort für ein Bierstüberl unter dem direkten Schutz des Herrn.
Dass in Bayern zu einer g’scheiten Kirchwirtschaft ein Biergarten gehört; auch das wäre kein Problem. In den gepflegten, schattigen Kirchgarten müsste man nur ein paar Biertische stellen. Fertig wäre das Idyll für bis zu 300 Gäste. "Die Idee kommt aus der Mitte meiner Gemeinde", sagt Schießler. "Sie hat mir auf Anhieb gefallen."
Der Vorteil liegt für ihn auf der Hand. Nach einer Hochzeit könnten die Frischgetrauten gleich nebenan beim Kirchenwirt feiern. "Das wäre auch aus kirchlicher Sicht eine tolle Geschichte", findet der Pfarrer, der sich in seinen Ferien auch selbst gern die Kellnerschürze umbinden würde.
Beim Pfarrgemeinderat und seiner Kirchenverwaltung hat der katholische Seelsorger das Konzept bereits vorgestellt. Beide Gremien haben sofort Ja gesagt. Die Entscheidung liegt nun beim Baureferat der Diözese. Dort aber ist man wenig begeistert vom geplanten Bierausschank unter dem Kreuz. Zum jetzigen Zeitpunkt sei schwer vorstellbar, "dass in St. Maximilian ein Biergarten entsteht", zeigte sich Ordinariatssprecherin Adelheid Utters-Adam reserviert.
Aktuell entwickelt das Baureferat der Diözese für drei Münchner Kirchen – darunter auch St. Maximilian – ein Nutzungskonzept für leer stehende Räume. Deren künftige Nutzung dürfe nur, so Utters-Adam, "rein pastorale-seelsorgliche Bezüge haben". Denkbar wäre also die Einrichtung eines Pfarrheimes, eines kirchlichen Jugendzentrums oder einer Mutter-Kind-Gruppe. Eine "rein weltliche Nutzung wie ein Bierausschank", so die Sprecherin, "wird es wohl nicht sein".
Pfarrer Schießler will sich damit nicht zufrieden geben. Für ihn drängt die Zeit, zumal Herbst, Winter und die langen Unterhosen sicher nicht auf sich warten lassen. Schießler hat noch weitere Ideen im Köcher. "Ich nehme alles, auch eine Filiale des Brandhorst-Museums." Sein Herz aber schlägt für die Biergartenidee. Das Vaterunser, eine kühle Maß und eine einfache Brotzeit, sagt Schließler, "des passt in Bayern einfach zusammen."
Von Constanze Mauermayer
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