Das Schloss thront über Sandersdorf: Nun ist das imposante Gemäuer des Adelsgeschlechts de Bassus an die Wittelsbacher verkauft worden. Im 18. Jahrhundert galt das Schloss zeitweise als eine Zentrale des Geheimbundes der Illuminaten. - Foto: Binder
Peter Scherkamp, der Generaldirektor des Wittelsbacher Ausgleichsfonds (WAF), bestätigte auf Anfrage des DONAUKURIER den Kauf des Schlosses und des dazugehörigen rund 1000 Hektar großen Forstbesitzes. Er sprach von einer "sinnvollen Arrondierung", da der Wald an den Köschinger Forst angrenzt. Hier gehören den Wittelsbachern mehr als 4300 Hektar.

"Es gibt langjährige freundschaftliche Beziehungen zwischen den Häusern Wittelsbach und de Bassus", betonte der Generaldirektor der Stiftung. "Den Preis kommentieren wir nicht." Sowohl die Schloss- als auch die Forstverwaltung des Hauses de Bassus waren für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Die Zukunft des Schlosses ist derweil unklar. "Es liegt noch kein überzeugendes Nutzungskonzept vor", räumte Scherkamp ein. Das Schloss sei nicht verfallen und baulich in gutem Zustand. Deshalb gebe es viele Möglichkeiten, es künftig zu nutzen.

Verkäuferin des Besitzes ist die betagte Margarete Baronin de Bassus. Sie ist die Witwe und Erbin des Barons Thomas de Bassus, der im Jahr 1989 kinderlos starb. Der Baron gilt auch fast 20 Jahre nach seinem Tod in Sandersdorf als integere und hoch angesehene Persönlichkeit. Doch er hatte mit dem Niedergang der Landwirtschaft zu kämpfen. Die zum Besitz zählende Schlossbrauerei musste vor einigen Jahren ebenfalls verkauft werden.

"Das Haus de Bassus litt seit Jahrzehnten unter zunehmender Geld-Knappheit", bedauert der Kunsthistoriker Friedrich Fuchs. Er arbeitet für das Diözesanmuseum Regensburg und hat das Adelsgeschlecht de Bassus sowie die Kapelle des Schlosses intensiv erforscht. Für Fuchs kommt der Verkauf des Schlosses nicht überraschend. "Man hat schon lange von der Substanz gezehrt." Dem war nicht immer so. Zu dem Adelsgeschlecht de Bassus zählten wohlhabende und einflussreiche Persönlichkeiten.

Beginn im 12. Jahrhundert

Die Anfänge des Schlosses Sandersdorf reichen ins 12. Jahrhundert zurück. Doch die mittelalterliche Festung wechselte häufig den Besitzer und wurde im Dreißigjährigen Krieg samt dem Ort Sandersdorf zerstört. Die älteste Darstellung stammt laut Fuchs aus dem Jahr 1532. Pfalzgraf Ottheinrich hatte das Gebäude auf seinem Expeditionsritt nach Krakau verewigen lassen.

Das Geschlecht de Bassus stammt aus dem Grenzgebiet zwischen der Schweiz und Norditalien. Das Stammhaus stand vor rund 500 Jahren in Poschiavo am Fuße des Bernina-Passes. Der Ort war einst eine wichtige Ausgangsstation für die Alpen-Überquerung und den Nord-Süd-Handel.

Der Name Bassus ist von der lateinischen Bezeichnung für Sockel, Fundament oder Basis abgeleitet. Doch damit waren keineswegs niedere Stände gemeint. Im Gegenteil. Diesen Namen trugen in römischer Zeit hohe Staatsdiener, die im fruchtbaren Flachland riesige Ländereien besaßen. Laut Fuchs ist aber eine direkte Linie zwischen dem heutigen Geschlecht de Bassus und altrömischen Vorfahren nicht nachweisbar.

Die Verbindung zwischen Poschiavo und Sandersdorf begann um das Jahr 1650. Damals war an der Universität Ingolstadt der Jura-Professor Johann Jacob Lossius tätig. "Lossius war ein wohlhabender Mann und stammte aus Poschiavo", erklärt Fuchs. Seine Schwester sei dort mit einem de Bassus verheiratet gewesen. Lossius kaufte Schloss Sandersdorf um das Jahr 1650.

Da Lossius keine Nachkommen hatte, holte er im Jahr 1657 den damals 14-jährigen Johann Domenikus Bassus, einen Sohn seiner Schwester, nach Sandersdorf und nahm ihn unter seine Fittiche. Der junge Mann erwies sich als fleißig und wissbegierig. Mit 28 Jahren war er bereits Jura-Professor an der Universität Ingolstadt. Im Jahr 1676 trat er das Erbe seines Ziehvaters an.

Johann Domenikus Bassus mehrte das Vermögen und erwarb bei Riedenburg die Besitztümer Eggersberg, Harlanden und Tachenstein. Er spendete der Kirche in Mendorf gewaltige Beträge. Das Gotteshaus birgt seitdem die Grabstätte derer de Bassus.

Nachkomme Thomaso de Bassus wurde ebenfalls Jurist und bekleidete hochrangige Ämter in der bayerischen Verwaltung. Fuchs beschreibt ihn als "umtriebigen und schillernden Mann", der als überzeugter Anhänger der Aufklärung dem Geheimbund der Illuminaten angehörte.

Razzia im Schloss

Da sich der verkrustete bayerische Obrigkeitsstaat von diesem Orden bedroht fühlte, nahm die Regierung im Jahr 1784 die Verfolgung auf. Dabei kam es auch in Sandersdorf zu einer Razzia, bei der zahlreiche Dokumente der Illuminaten entdeckt wurden. Thomaso de Bassus verlor seine Stellung bei Hofe und verbarg sich in Graubünden in der Schweiz.

Erst nach Jahren konnte er zurückkehren. Er entfaltete auf Schloss Sandersdorf einen fürstlichen Hofstaat. In den Salons wurde hohe Politik und ein reger Kunsthandel getrieben. Bei einem Konzert entdeckte der Schlossherr ein junges Musik-Talent: Johann Simon Mayr aus Mendorf, der später eine glanzvolle Komponisten-Karriere startete.

Unter den späteren Angehörigen des Geschlechts de Bassus waren Feldherren, Verwaltungsexperten und ein Luftfahrt-Pionier, der für den Grafen Zeppelin tätig war. Doch nun ist eine lange Tradition zu Ende. "Die Geschichte kennt viele Fälle, in denen Adelsgeschlechter ausgestorben sind", meint Fuchs. Das Haus de Bassus wird nun ein neues Kapitel zu diesem Buch beitragen.