Hoffnung der SPD geht in Richtung Linkspartei
Berlin (DK) Aufholjagd mit Hilfe von Links? "Die SPD wird sich von der Union keine stinkende Rote-Socken-Kampagne aufzwingen lassen", baut SPD-Generalsekretär Hubertus Heil vor – für den Fall rot-roter Zusammenarbeit in Thüringen oder im Saarland.
SPD-Anhänger aus der Lethargie herausreißen, Ex-SPD-Wähler dazu bringen, am 27. September ihre Stimme wieder den Sozialdemokraten zu geben – bundesweit könnte das einfacher werden, falls die SPD am Sonntag als strahlender Sieger dasteht. Sichtbares Zeichen des Erfolgs wäre die Ablösung von Ministerpräsident Peter Müller im Saarland und Dieter Althaus in Thüringen. Dem dritten CDU-Ministerpräsidenten, der sich zur Wahl stellen muss, Stanislaw Tillich in Sachsen, kann die SPD beim besten Willen nicht gefährlich werden. In den beiden anderen Bundesländern wäre sie auf Hilfe der Linkspartei angewiesen: Laut der aktuellen Umfragen könnte es sowohl im Saarland als auch in Thüringen gelingen, mit Hilfe der Linkspartei die SPD-Spitzenkandidaten Heiko Maas und Christoph Matschie zu neuen Ministerpräsidenten zu machen – und so Impulse für den Bundestagswahlkampf zu senden. "Mobilisierung hat immer etwas mit Macht zu tun", fasst ein SPD-Linker zusammen, warum die Ablösung der CDU-Ministerpräsidenten betrieben werden sollte.
In der SPD-Zentrale wird gebetsmühlenartig betont: Über Koalitionen wird in den Ländern entschieden. Doch mit den Wahlkämpfern vor Ort ist zumindest fest vereinbart, dass die schnell nach dem Wahlsonntag entscheiden, mit wem sie über eine Regierungsbildung reden – falls die SPD in einer Schlüsselposition ist. Eine lange Hängepartie soll es nicht geben, sondern ein Signal der Tatkraft.
Doch eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei ist nicht risikolos. In Thüringen wäre die SPD nach Umfragen gar nur Juniorpartner. Die SPD will nicht den ersten Linkspartei-Ministerpräsidenten der Republik ins Amt hieven. Spitzenkandidat Bodo Ramelow signalisierte wohl aus diesem Grund bereits, die Linkspartei könne auch als stärkste Partei einen SPD-Ministerpräsidenten mittragen. In der Berliner Zentrale wird auch diese Variante keineswegs mehr ausgeschlossen. Andere vermuten, dass Ramelow wegen des Drucks der eigenen Partei nicht komplett verzichten könne. Von einer "israelischen Lösung" mit SPD-Mann Matschie als Ministerpräsident, der zur Hälfte der Legislaturperiode von Ramelow abgelöst würde, ist die Rede. Im Saarland hat Oskar Lafontaine angeblich bereits Vorschläge für SPD-kompatible Linkspartei-Regierungsmitglieder in einem neuen Bündnis gemacht.
Nach dem Debakel in Hessen um Rot-Rot-Grün wäre es die nächste heikle Operation mit der Linkspartei. Ex-SPD-Chef Kurt Beck kostete die Rückendeckung für Andrea Ypsilantis Versuche, mit Hilfe der Linkspartei CDU-Ministerpräsident Roland Koch aus dem Amt zu kippen, letztlich seinen Posten. Ein Jahr später stichelt er jetzt per Interview ein wenig: Er könne sich nicht erinnern, dass die Partei zu seiner Zeit als Parteichef bei 20 Prozent gelegen hätte. Aber die Partei solle jetzt nicht auf Umfragen starren. Und es mache keinen Sinn "mitten im Spiel zu diskutieren, ob es bei einem anderen Spielertransfer besser gelaufen wäre".
Von Christoph Slangen
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