Haderthauers Chancen steigen
München (DK) Horst Seehofer lässt sich nicht in die Karten schauen. Unter strengster Geheimhaltung stellt der Ministerpräsident gerade seine Regierungsmannschaft zusammen. Hinter den Kulissen heißt es aber, die Chancen der früheren CSU-Generalsekretärin Christine Haderthauer stiegen.
Nicht jeder in München glaubt wirklich daran. Jünger und weiblicher solle seine Mannschaft werden, hatte Seehofer angekündigt. Selbst in der CSU rätseln indes viele darüber, woher Seehofer die qualifizierten Frauen nehmen soll: Zumal sich Importe aus den CSU-Landesgruppen in Berlin und Brüssel verbieten, will der Ministerpräsident die mühsam eroberte Sympathie der CSU-Landtagsfraktion nicht gleich wieder verlieren.
In deren Reihen sind jüngere Frauen Mangelware, nur 19 Vertreterinnen des weiblichen Geschlechts haben für die CSU überhaupt noch den Sprung in den Landtag geschafft. Die Frauengruppe in der Fraktion verlangt deswegen, dass alle bisherigen Ministerinnen und Staatssekretärinnen bleiben – und Christine Haderthauer neu in die Regierung kommen soll.
Schon beim CSU-Parteitag am Wochenende hatten die scheidenden Tandemfahrer Erwin Huber und Günther Beckstein die Ingolstädterin mit Lob überschüttet. Seehofer gilt zwar nicht als großer Freund Haderthauers. Doch hat sich die 45-Jährige in den vergangenen Tagen professionell verhalten und ihre Parteifreunde öffentlich immer wieder zur geschlossenen Unterstützung Seehofers aufgefordert. Einige in der CSU meinen, die Anwältin und zweifache Mutter könne mit ihrer Biografie vor allem in den Großstädten jenes weibliche Publikum ansprechen, das sich am hartnäckigsten der CSU verweigert: die Frauen zwischen 25 und 45.Ob es für Haderthauer für einen Ministerposten reichen kann, wird in der CSU indes heftig bezweifelt. In Frage käme das Sozialministerium, das Christa Stewens (63) wohl räumen muss. Auch als Justizministerin wäre die Ingolstädterin vorstellbar, falls Amtsinhaberin Beate Merk ins Sozialressort wechselte. Wahrscheinlicher ist aber, dass sich Haderthauer mit einem Staatssekretärsposten begnügen müsste. Vorausgesetzt, es ist tatsächlich irgendwo ein Plätzchen für sie frei.
Immer noch offen ist derweil, wie es mit Kultusminister Siegfried Schneider (52) weitergeht. Der Eichstätter selbst, so ist zu hören, würde wohl lieber einen anderen Posten übernehmen. Ob ihn Seehofer als Nachfolger des Unterfranken Eberhard Sinner (63) zu sich in die Staatskanzlei holt, darüber schweigen sich die Beteiligten aus. Derweil ranken sich wilde Gerüchte darum, dass Seehofer die Ex-Minister Monika Hohlmeier (46) und Alfred Sauter (58) aus der Versenkung holen könnte. Beide haben zwar ihre Qualitäten, gegen die beiden sind die Widerstände indes beträchtlich. "Rückwärtsgewandt" wären solche Personalentscheidungen, lästern führende Parteileute, Horst Seehofer müsse aber nach vorne schauen.
Sicher scheint, dass nach dem Rückzug von Finanzminister Erwin Huber auch die Position einer ganzen Reihe älterer Kabinettsmitglieder geschwächt ist. Das eröffnet Seehofer die Chance, zumindest eine ganze Menge neuer Gesichter in die Staatsregierung zu berufen.
Von Jürgen Fischer
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