Grausige Details nüchtern erzählt
Ingolstadt (DK) Die grausigen Details des (mutmaßlichen) Mordes und der anschließenden Beseitigung des Leichnams sind im Rupp-Prozess vor dem Ingolstädter Landgericht gestern abermals Gegenstand der Verhandlung gewesen. Die ältere Tochter des laut Anklage von den eigenen Familienmitgliedern ums Leben gebrachten Neuburger Landwirts hatte der Polizei nach ihrer Festnahme Anfang vergangenen Jahres in mehreren Vernehmungen recht eingehend geschildert, wie sie die Geschehnisse der fraglichen Nacht im Oktober 2001 erlebt haben will. Diese Aussagen wurden zwar später widerrufen, sind für die Jugendkammer aber dennoch ein wichtiger Anhaltspunkt bei der Aufklärung des mysteriösen Falls.
Zunächst hatte die Tochter angegeben, dass ihr seinerzeit spät nachts betrunken heimgekehrter Vater im Zuge eines Streits mit ihrem Freund "Matze" und mit der Mutter von seiner Ehefrau die Treppe hinuntergeschubst worden sei. Gleich darauf habe dann der Freund mit einem nicht näher definierten längeren Gegenstand zweimal auf den Kopf des Landwirts eingeschlagen, der blutüberströmt liegengeblieben sei. Der leblose Körper des Vaters sei dann von Mutter und "Schwiegersohn" ins Auto getragen und wahrscheinlich zu einem Weiher in der Nähe gefahren worden.
Diese Version des Ablaufs wurde bei einer zweiten Vernehmung in etwa bestätigt. Erst beim dritten Verhör kamen dann jene Details zur Sprache, die dem Fall die außergewöhnliche Dimension gaben und die für die große Aufmerksamkeit über die Region hinaus gesorgt haben: Hier wurde geschildert, wie der Vater in einem Handgemenge mit dem ungebliebten "Schwiegersohn" zu Boden gegangen und der junge Mann einen spitzen Hammer genommen haben soll, um dem Hausherrn damit den Kopf zu zertrümmern.
"Völlig ausgerastet"
Die Mutter soll dieser Aussage nach noch versucht haben, den Täter von weiteren Schlägen abzuhalten, doch dieser sei "voller Hass gewesen" und "völlig ausgerastet"; er habe das Gesicht seines Opfers regelrecht deformiert. Anschließend habe er die Leiche in den Keller getragen, dort auf einen mit einer Folie abgedeckten Tisch gelegt, entkleidet und in Anwesenheit aller Familienmitglieder ("Mama stand da und weinte") mit einer Axt in 10 bis 20 Zentimeter große Stücke gehackt.
Die Leichenteile seien dann vom Täter in mehreren Leinenbeuteln in die Küche geschleppt und dort den Hunden der Familie zum Fraß vorgeworfen worden. Tatsächlich hätten die Tiere sich auch darüber hergemacht. Die Tochter sagte aus, dass sie sich deshalb habe übergeben müssen. Sie sei regelrecht entsetzt darüber gewesen, dass selbst ihr Lieblingshund sich seinen Anteil geholt habe.
Auto in der Nacht beseitigt
Nach den Aussagen der jungen Frau soll das Auto des Landwirts noch in derselben Nacht – möglicherweise mit letzten Resten der Leiche – beseitigt worden sein. Jedenfalls sollen die Ehefrau und der "Schwiegersohn" mit dem Wagen verschwunden und früh am Morgen von der im selben Hause wohnenden Mieterin wieder nach Hause gebracht worden sein (diese Details waren bereits Gegenstand des vorigen Verhandlungstages).
Der Kripobeamte, der die meisten Vernehmungsgespräche mit der älteren Tochter geführt hat, sprach gestern von relativ "nüchternen" Schilderungen der Beschuldigten; sie habe dabei nicht besonders mitgenommen gewirkt. Die heute 20-Jährige hatte damals auch zu Protokoll gegeben, dass ihr Freund bereits zwei Tage vor der Tat die Absicht geäußert haben soll, ihren Vater umzubringen. Grund dafür sei die Drohung des Hausherrn gewesen, den "Schwiegersohn" rauszuschmeißen. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt.
Donaukurier
Kommentare
Jetzt kostenlos Community-Mitglied werden und mitmachen!

