Der FC Bayern ist ein global agierendes, höchst kommerzielles Unterhaltungs-Unternehmen. Manager Uli Hoeneß sorgt seit fast 30 Jahren dafür, dass die weiß-blauen Rauten in rotem Kreis – das Logo des FC Bayern – Gewinn bringend vermarktet werden. Wer will, kann sich mit dem offiziellen FC Bayern-Duschgel waschen und danach mit der offiziellen FC Bayern-Zahnbürste der Mundhygiene frönen. Immer umgeben von der Aura des Rekordmeister-Erfolgs. Auch Firmen hoffen, dass etwas vom Glanz des großen FC Bayern auf ihre profanen Produkte abfällt. Gestern haben deswegen Hoeneß und Vertreter des Lastwagen- und Omnibusherstellers MAN das Ergebnis ihrer Sponsoring-Partnerschaft vorgestellt: den neuen, verschwenderisch ausgestatteten Mannschaftsbus des FC Bayern. Ledersitze, Klimaanlage, elektrisch höhenverstellbare Schafkopf-Tische – nur das Beste ist gut genug für Schweinsteiger und Konsorten.

Das System Hoeneß

Der FC Bayern ist aber auch ein familiärer Dorfverein geblieben. Viele Jobs werden nicht ausgeschrieben. Schließlich gibt es genug Leute, die sich verdient gemacht haben. Auch das ist Teil des Systems Uli Hoeneß. So ist der ehemalige Torhüter Raimond Aumann Fanbetreuer, Abwehrrecke Hansi Pflügler Merchandising-Chef. Und Maria Meissner gab es nicht nur im Werbespot: Die rüstige Seniorin polierte bis vor einigen Jahren tatsächlich die Trophäen. Dann gab es da noch den Egerer Rudi. Die meiste Zeit seines Lebens saß der am Steuer des FC Bayern-Vereinsbusses. Unterstützt wurde von Tochter Sandra. Als Egerer starb, war klar, das Sandra – die inzwischen auf den Nachnamen König hörte – ihn beerbt.

"Der FC Bayern-Bus steht immer am Flughafen, um uns abzuholen, ob in Mailand oder Moskau", sagt Hoeneß. Der Bus sei ein Stück zu Hause für die Spieler. Zudem verliere die Mannschaft dank des Busses wenig Zeit. "Wegen der eingebauten Küche." Denn beim großen FC Bayern wird für die Bordverpflegung keine Catering-Firma engagiert. Statt dessen kocht die Busfahrerin daheim vor. Wie die Mütter von E-Jugendspielern vor Auswärts-Partien. Nur in größerem Maßstab. Selbstverständlich kennt Sandra König ihre Pappenheimer. "Der eine will immer seine Nutella-Semmel" sagt sie. "Ein anderer seine Mailänder Salami." Wer wer ist, will sie nicht sagen. Am liebsten würden aller Fußballspieler ohnehin Lasagne essen. Auch da unterscheiden sich E-Jugend-Kicker und Fußball-Profis wohl kaum.

Was wurden Vater und Tochter belächelt. Zum Beispiel in Spanien, als sie Tage vor Champions-League-Spielen in München aufbrachen, um ihr Team vom Flughafen zum Stadion in Madrid zu fahren. Kurze Zeit darauf begegneten spanische Fans dem Bus mit Ehrfurcht. Schließlich brachte er "la bestia negra" – die schwarze Bestie, wie der FC Bayern seit diesen Tagen in Madrid genannt wird. Die Bayern hatten das "weiße Ballett" von Real Madrid entzaubert. Vielleicht auch dank Sandra Königs Semmeln.

Kinder machen Fotos

Sanft säuselnd erwacht der Sechszylinder mit 12,5 Litern Hubraum. Ohne Ruck setzt sich der Bus in Bewegung. Die Lüfterräder der Klimaanlage sind lauter als der Motor im Heck. Spielerisch steuert Sandra König den Dreiachser durch die Münchner Innenstadt. Überall bleiben Leute stehen. Kinder machen Fotos mit Handy-Kameras. Autofahrer vergessen an der Ampel Gas zu geben, weil sie auf die Fenster starren. Der Bus erregt Aufmerksamkeit, wo immer er fährt oder steht.

In den 20 Jahren, in denen Sandra König den FC Bayern-Mannschaftsbus fährt, hat sie viel erlebt. Hooligans bedachten den Bus mit Steinen, in St. Petersburg warfen russische Fans faule Eier und Tomaten. Die wildeste Fahrt ging nach Tirana in Albanien. "Da standen nachts ständig Esel und Ziegen auf der Fahrbahn", erinnert sie sich. Von den Schlaglöchern gar nicht zu reden. "Dann mussten ich und mein Vater im Keller des Hotels kochen."

70 000 Kilometer durch ganz Europa spult Sandra König pro Jahr runter. Von den Spielen bekommt sie dabei nie etwas mit. Während die FC Bayern-Stars dem Ball hinterherjagt, steht sie in der Küche im Heck des Busses. Trotzdem bezeichnet sie sich als Fan. Fußball-Expertin sei sie aber keine, versichert sie. "Die Abseitsfalle kann ich nicht erklären. Dafür aber, wie man in Hannover vom Flughafen zum Stadion kommt." Oder in Madrid.