"Bier trinken die Leute immer": Die Jungunternehmerinnen Natalie Weiß (links) und Sandra Zito glauben trotz Krise an ihre Idee - Foto: oh
Denn selbstverständlich handelt es sich bei der Erfindung der beiden Jungunternehmerinnen nicht um ein stinknormales Maßband wie beim Schneider. Es geht vielmehr um ein Accessoire, das die Biergarten- und Vol ksfestsaison sowie andere bedeutende Jahreszeiten der Bayern bereichern soll: um einen Überzieher für den Maßkrug, zwei Zentimeter breit und so elastisch wie ein Strumpfband, der wie angegossen in die Kerbe auf Höhe des Eichstrichs passt.

In fast 100 Stoffen mit verschiedenen Mustern und Motiven gibt es seit ein paar Wochen die Bänder, von Baumwolle bis Cord und Satin, vom Trachtenmuster bis zum trendigen Design. Wahlweise kommen Anhänger aus Metall, Holz oder Horn hinzu, als Breze, Edelweiß oder Hirschgeweih. Zweck der Übung: Die Verwechslungsgefahr bannen, wenn an großen Biertischen im Zelt oder unter freiem Himmel in großer Runde gefeiert wird.

Die Idee ist den beiden Eventfrauen, die gemeinsam an der Bayerischen Akademie für Werbung und Marketing studierten, auf dem von ihnen heiß geliebten Oktoberfest gekommen. Kurz waren sie mal wieder zum Karussellfahren aus dem Zelt gegangen, schon war das eigene Bier nicht mehr identifizierbar. "Was is mei Maß", lautete die bange Frage. Die Antwort soll jetzt die folgerichtig "mei Maß!" getaufte Firmenneugründung liefern.

Drei Jahre vergingen von der Idee bis zur Realisierung. "Wir haben unsere Mamis an die Nähmaschinen gesetzt", erzählt Natalie Weiß. In Bayern wurden schließlich professionelle Produzenten gefunden, auch wenn die Fertigung der waschbaren "mei Maß"-Bänder im Ausland billiger wäre. So aber habe man ein rein bayerisches Produkt und so auch deutlich mehr Spaß daran.

Die Resonanz ist bislang positiv. Manch einer ist zwar leicht irritiert, dass ausgerechnet zwei Mädels den Einfall hatten. Doch auch Traditionalisten finden, dass die aus Bayreuth und Mannheim stammenden Existenzgründerinnen die bayerische Kultur nicht ernsthaft beschädigen. Oft würden die 9,50 bzw. mit Anhänger zwölf Euro teuren Bänder mit witzigen Namen wie "Bierdimpfi" oder "Noagerlwächter" sogar als "Innovation in der Welt der Tracht" empfunden, berichtet Weiß.

Der Verkauf sei gut angelaufen. Nicht nur Privatleute bestellten – oft als Geschenk für Väter und Freunde. Auch Firmen bis aus Berlin und Chemnitz, die beispielsweise Kunden zum Oktoberfest einladen, orderten Bänder für ihre Gäste. "Das ist eben ein schönes Give-away aus Bayern", sagt Zito.

Dabei hatten viele das Duo gewarnt, ausgerechnet in Krisenzeiten so ein Risiko einzugehen. Aber die jungen Frauen sind von dem Geschäftsmodell absolut überzeugt. "Bier trinken die Leute immer", meint Zito. "Und wenn sie weniger Geld haben, dann passen sie mehr auf ihr Bier auf."