Samstag, 13.03.2010 |

 

22.06.2009 15:54 Uhr | 304x gelesen
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Der 22. Juni - ein Tag der Trauer in Russland


Bild: Der 22. Juni - ein Tag der Trauer in Russland.  Ruhm, Ehre und ein riesiges Gebiet für das Deutsche Reich sollte er bringen, der Angriffskrieg von Nazi-Deutschland auf die Sowjetunion. Die besiegten Völker sollten nach dem kruden Sozialdarwinismus der Nazi versklavt oder gleich vernichtet werden. Das Ergebnis waren nichts als Not und Elend, auf beiden Seiten.

Ruhm, Ehre und ein riesiges Gebiet für das Deutsche Reich sollte er bringen, der Angriffskrieg von Nazi-Deutschland auf die Sowjetunion. Die besiegten Völker sollten nach dem kruden Sozialdarwinismus der Nazi versklavt oder gleich vernichtet werden. Das Ergebnis waren nichts als Not und Elend, auf beiden Seiten.


Am Ende waren große Teile Europas und der Sowjetunion verwüstet, Millionen und Abermillionen Menschen tot und das „Dritte Reich“ am Ende.
 
Am 22. Juni 1941 trat der „Plan Barbarossa“ in Kraft, der Überfall auf die Sowjetunion. Trotz eines Nichtangriffspaktes und ohne Kriegserklärung überschritten 153 Divisionen mit 600.000 motorisierten Fahrzeugen, mehr als 3500 Panzern, fast 7200 Geschützen und rund 2700 Flugzeugen, insgesamt drei Millionen Soldaten die Grenze zur Sowjetunion. Es sollte ein Blitzkrieg werden, für den Hitler drei Monate anberaumt hatte. Doch hatten er und seine Militärs die Widerstandskraft der gegnerischen Armee und die Weite des Raums vollkommen unterschätzt, wie seinerzeit auch Napoleon, der ebenfalls an einem 22. Juni, am 22. Juni 1812, Russland angegriffen und dessen Armee ebenfalls fast vollkommen aufgerieben worden war.
 

Bild: Wikipedia
Die ersten Wochen brachten riesige Erfolge für die Deutschen und ihre Verbündeten, aber bereits nach einigen Tagen war klar, dass die Sowjetunion und vor allem die Soldaten der Roten Armee nicht kampflos weichen würden. Für die Sowjetunion wurde der Kampf um die Festung Brest zum Fanal. Sowjetische Soldaten hielten diese Festung über Wochen und kämpften dabei buchstäblich bis zum letzten Mann. Der deutsche Vormarsch kam bald ins Stocken, die Verluste auf beiden Seiten stiegen ins schier Unermessliche. Trotz zahlreicher Siege war die Wehrmacht und die mit ihr verbündeten Armeen bereits Ende 1943 am Ende, und die Nazi kämpften nur noch um ihr Überleben. Schließlich scheute sich Hitler nicht, Kinder und alte Leute in den Kampf zu schicken.
 
Mein Vater beispielsweise war 16 Jahre alt, als er im Spätsommer 1944 zur Wehrmacht eingezogen und noch im Herbst an die Ostfront geschickt wurde. Schwer verwundet - ein Projektil steckt noch heute in seiner Lunge - geriet er schließlich in Berlin in sowjetische Gefangenschaft und kam erst fünf Jahre später wieder nach Hause - mit großem Respekt und Achtung vor den Russen. Mein Onkel, der an allen Fronten eingesetzt war, hat übrigens ebenfalls nie anders als mit höchster Achtung von den russischen Soldaten gesprochen. Meine Mutter und ihre Familie wurden von den Tschechen aus Karlsbad vertrieben und mussten mit praktisch Nichts einen Neuanfang machen. Immerhin - meine Eltern haben überlebt, im Gegensatz zu so vielen Millionen ihrer Generation. Was bei beiden geblieben ist, ist ein tiefer Wunsch nach Frieden, Aussöhnung und Freundschaft zwischen den einst feindlichen Völkern.
 
Für Russland, Weißrussland und dem Ostteil der Ukraine ist der heutige Tag ein Tag der Trauer. In allen Städten kamen Menschen um 4 Uhr früh, der Stunde des Angriffs, zusammen, um des Kriegsbeginns zu gedenken. In Brest ließen Menschen Kränze mit Kerzen im Fluss Bug schwimmen, in Wolgograd, dem ehemaligen Stalingrad, gingen alle zum Mamajew-Hügel, wo ein großes Denkmal mit „Mutter Heimat“ steht, um Kerzen und Blumen niederzulegen.
 
In Moskau kamen allein 10.000 Bürger zu den „Spatzenbergen“ zusammen, auf denen ebenfalls ein Denkmal steht. Auch hier legten sie rote Nelken nieder und zündeten Kerzen an. Glockenschläge zeigten symbolisch die letzten Sekunden des Friedens an, dann setzten leise Töne von Chopin ein. Wer zu den „Spatzenbergen“ ging, bekam auch ein kleines Glöckchen, das er an den Zweig eines Baumes hängen konnte. Und viele von denen, die nicht zu einer offiziellen Gedenkfeier gingen, zündeten Lichter auf ihren Fensterbänken an. In Deutschland ist der 22. Juni ein Tag wieder jeder andere auch, was sehr bedauerlich ist.
 

Von Josef Bartenschlager


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