Mittwoch, 30.05.2012 |

 

14.05.2005 08:26 Uhr | 735x gelesen
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Chronologie


Das mysteriöse Verschwinden des Landwirts Rudolf Rupp aus Neuburg-Heinrichsheim nahm im Herbst 2001 seinen Anfang. Die Polizei ging zunächst von einem gewöhnlichen Vermisstenfall aus.


  • 13.  Oktober  2001:  Rudolf Rupp  verlässt  die  BSV-Gaststätte in  Neuburg-Grünau. Nach  acht  Halben  Bier  setzt  er sich  gegen  1  Uhr  früh  betrunken ans  Steuer  seines  Mercedes und  macht  sich  auf  den  rund  1,7 Kilometer  langen  Heimweg.
  • 14.  Oktober  2001:  Rupps Ehefrau  Hermine  erscheint  bei der  Neuburger  Polizei  und  meldet ihren  Mann  als  vermisst. Der  52-Jährige  sei  nach  dem Wirtshausbesuch  nicht  heimgekehrt, gibt  sie  zu  Protokoll. Die  „üblichen  Ermittlungen“ beginnen,  so  die  Polizei.  Sie bleiben  ohne  Erfolg.
  • September  2003:  Die  Kripo nimmt  die  Untersuchungen wieder  auf,  nachdem  sich  die Hinweise  verdichten,  dass  der Bauer  in  jener  Nacht  doch heimgekehrt  ist.
  • 13.  Januar  2004:  Staatsanwaltschaft und  Polizei  tauchen im  Rupp-Anwesen  auf,  durchsuchen es  und  nehmen  die  Familie mit,  um  sie  zu  vernehmen –  zunächst  als  Zeugen.  Noch  am selben  Tag  kommen  erste  Aussagen von  Matthias  E.,  dass  der Bauer  von  seiner  Frau  im  Streit erschlagen  worden  sei.  Die  Familienmitglieder bleiben  als Tatverdächtige  hinter  Gittern.
Rudolf Rupp

  • 14.  Januar  2004:  Hermine Rupp  räumt  ein,  den  Toten  gemeinsam mit  Matthias  E.  in  einem Irgertsheimer  Weiher  versenkt zu  haben.  In  den  folgenden neun  Wochen  suchen  Taucher alle  Gewässer  im  Umkreis von  fünf  Kilometern  rund  um das  Rupp-Anwesen  ab  –  von  einer Leiche  keine  Spur.
  • 23.  Januar  2004:  Die  ältere Tochter  Rupps  erklärt,  ihr  Verlobter Matthias  habe  den  Vater erschlagen.  Ihre  Schwester  sagt am  selben  Tag  aus,  die  Mutter habe  den  Vater  im  Streit  die Treppe  hinab  gestoßen.
  • 3.  Februar  2004:  Erstmals ist  die  Rede  davon,  dass  die  Tat geplant  war.  Die  ältere  Rupp- Tochter  belastet  mit  dieser Aussage  Matthias  E.  und  ihre Mutter.  Tags  darauf  spricht auch  ihre  Schwester  von  einem Mordplan.
  • 11.  Februar  2004:  Die  Mieterin aus  dem  Obergeschoss sagt  aus,  in  der  fraglichen Nacht  einen  überaus  heftigen Streit  mitbekommen  zu  haben.
  • 12.  Februar  2004:  Hermine Rupp  widerruft  alle  ihre  Aussagen und  behauptet:  „Mein Mann  ist  damals  überhaupt nicht  nach  Hause  gekommen.“
  • 18.  Februar  2004:  Erstmals ist  die  Rede  davon,  dass  die  Leiche Rupps  zerteilt  und  an  die Hunde  verfüttert  worden  sei. Die  Aussage  stammt  von  der jüngeren  Rupp-Tochter.
  • 1.  März  2004:  Der  Schrotthändler H.  aus  dem  Donaumoos rückt  als  mutmaßlicher  Mittäter ins  Visier  der  Polizei.  Er soll  das  Auto  des  mutmaßlichen Mordopfers  für  100  Mark  entsorgt haben.  Durchsuchungen auf  seinem  Hof  bringen  aber keine  verwertbaren  Spuren.
  • 14.  April  2004:  Matthias  E. kündigt  über  seinen  Anwalt  ein Geständnis  an.  Seine  umfangreichen (später  widerrufenen) Aussagen  in  den  zwei  Wochen danach  bilden  das  Kernstück der  Anklage.  Seine  Schilderungen sind  auch  für  erfahrene Ermittler  „schockierend“. Demnach  hat  der  21-Jährige den  Landwirt  in  jener  Nacht  erschlagen. Dessen  Ehefrau  und ältere  Tochter  seien  an  der  Tat beteiligt  gewesen.  Matthias  E. erzählt  den  Beamten  weiter, wie  er  die  Leiche  anschließend zerteilt  hat.  Den  Kopf  will  er ausgekocht  und  mit  einem Fäustling  zertrümmert,  das Fleisch  den  Hunden  am  Hof zum  Fraß  vorgeworfen  haben. Die  Überreste  sollen  im  Misthaufen gelandet  und  ein  Jahr danach  von  einem  Nachbarn auf  einem  Feld  ausgebracht worden  sein.  Die  Töchter  bestätigen diese  Angaben  später  in groben  Zügen.
  • 14.  Juni  2004:  Die  Staatsanwaltschaft ist  von  der  Schuld der  vier  Beschuldigten  überzeugt und  erhebt  Anklage.  Die weiteren  Ermittlungen  nach den  Geständnissen  hatten  allerdings keinerlei  Spuren  zutage gefördert,  die  das  geschilderte Geschehen  bestätigen.  Es  ist ein  Mord  ohne  Leiche  und  ohne jegliche  Sachbeweise.
  • 8.  Dezember  2004:  Am Landgericht  Ingolstadt  beginnt der  Mordprozess  Rupp.  Die  vier Angeklagten  schweigen  vor  der 1.  Jugendkammer  beharrlich, nur  einmal  lassen  sich  die  drei jüngeren  zu  Äußerungen  über ihr  Leben  hinter  Gefängnismauern hinreißen.
  • 13.  Mai  2005:  Urteilsverkündung: Hermine  Rupp  und Matthias  E.  sollen  wegen  gemeinschaftlichen Totschlags jeweils  achteinhalb  Jahre,  die Töchter  wegen  Beihilfe  durch Unterlassen  für  zwei  Jahre  und sechs  Monate  sowie  drei  Jahre und  sechs  Monate  hinter  Gitter. Die  Verteidigung  kündigt  Revision an.   



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