Strenger Blick ins Pferdemaul
Oberstimm (DK) Stur wie ein Esel: Ilka macht ihrer Spezies alle Ehre. Die Eselstute will nicht, dass ihr Maike Schäfer ins Maul schaut. Also dreht sie den Kopf weg, immer wieder. Doch am Ende setzt sich die Tierärztin durch. Ein kritischer Blick – und sie verpasst dem Esel sein rosarotes Eintrittsbändchen.

Routinierter Griff: Tierärztin Maike Schäfer kontrolliert am Eingang zum traditionellen Rossmarkt am Barthelmarkt ein Pferd. - Foto: Schmidtner
Arbeitsbeginn 4.45 Uhr
Der Tag der beiden Frauen beginnt früh: Um 4.45 Uhr beziehen sie in ihren gelben Warnwesten mit dem Schriftzug "Veterinär" auf dem Rücken ihren Posten am Eingang des Rossmarktes. Es ist stockdunkel, als die ersten Pferdehändler mit ihren Anhängern vorfahren. Mit der Taschenlampe bewaffnet werden die Tiere untersucht: Stimmt das Fellmuster, die Zeichnung des Pferdes, mit den Angaben im so genannten Equidenpass überein, den jedes Pferd seit Sommer 2005 haben muss: Fehlt er, gibt es kein rosa Bändchen, die Tiere müssen zurück auf den Transporthänger. Dann der Griff ins Maul, der strenge Blick ins Auge. "Wir können nur gesunde Tiere auf den Markt lassen", sagt Anja Dörrzapf. Ansonsten wäre die Ansteckungsgefahr "geradezu gigantisch".
Es ist harte Knochenarbeit, die die beiden Frauen verrichten. Zudem sind die Pferdebesitzer, die an ihren Kontrollen scheitern, alles andere als freundlich. "Man gewöhnt sich daran, schließlich machen wir beide das seit inzwischen acht Jahren", sagt Maike Schäfer. Mitleid hat sie keines – und wenn, dann höchstens mit den Tieren.
Langsam füllt sich der Markt, ab sechs Uhr kommen die ersten Neugierigen. In den benachbarten Bierzelten werden die ersten Lieder gegrölt. Für das Feiern haben Maike Schäfer und Anja Dörrzapf keine Zeit. Ein klappriges Auto mit einem kleinen Anhänger hält mit quietschenden Bremsen. Der Besitzer holt eine Ziege nach der anderen aus dem Vehikel. Am Ende hat er 16 Tiere an den Gitterpfosten entlang der Rossmarktwiese festgebunden. Auch sie inspizieren Schäfer und Dörrzapf – trotz der Duftnote, die die Ziegen verbreiten.
Um sieben Uhr wird es für einen Augenblick etwas ruhiger am Einlass. Am benachbarten Weißwurststand reicht die Schlange bis über die Straße. Anja Dörrzapf organisiert Kaffee. Es soll die erste kurze Pause werden. Doch als der Kaffee da ist, kommen wieder Pferde. Maike Schäfer nimmt trotzdem einen Schluck, denn greift sie zu den Pferdepässen.
Rückepferde
"Die hier sind nie ein Problem", erklärt sie kurz und zeigt auf die schweren Rückepferde, die ein Holzbetrieb aus dem mittelfränkischen Ellingen wie jedes Jahr zum Barthelmarkt bringt. Die Tiere sind nicht zum Verkauf gedacht: Sie werden nur gezeigt – und dafür gibt es eine Prämie: "50 Euro pro Tier", erklärt Birgid Neumayr vom Marktausschuss in Manching, der den Barthelmarkt betreut. Mit diesen Prämien versucht die Gemeinde, den traditionellen Rossmarkt am Leben zu erhalten, werden Pferde hier doch nur noch in Ausnahmefällen gehandelt. "Manche bringen ihre Tiere her, um sie zu zeigen, andere nur, um diese Prämie zu kassieren", sagt Tierärztin Dörrzapf.
Als unerträglich stufen die beiden Tierärztinnen allerdings das Verhalten mancher Barthelmarktbesucher ein: "Die kommen dann aus dem Bierzelt hierher und kaufen aus der Laune heraus eine Ziege – ohne zu wissen, was sie mit dem Tier eigentlich wollen", sagt Maike Schäfer und deutet auf drei sichtlich angetrunkene junge Burschen in Lederhosen, die gerade mit dem Ziegenbesitzer feilschen. Am Ende werden sie handelseinig. Ein Handschlag, einige Scheine wechseln den Besitzer und die drei Burschen ziehen mit der Ziege ab. "Bleibt zu hoffen, dass es ihr nicht so geht, wie einer Ziege im vergangenen Jahr", sagt Maike Schäfer: Die sollte im WC-Abteil eines Busses die Heimreise antreten. "Das hat der Busfahrer dann allerdings verhindert."
Von Christian Fahn
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