Mittwoch, 30.05.2012 |

 

30.04.2009 22:29 Uhr | 81x gelesen
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Auf dem Arbeitsmarkt wird sich viel ändern


München (DK) Die Arbeitswelt ändert sich in rasendem Tempo: Vor allem für diejenigen, die nicht direkt in der Produktion beschäftigt sind.


In den USA gibt es die Elektronikkette "Best Buy", erzählt Sebastian Sooth. Da sei nicht nur die Stechuhr abgeschafft worden, da gebe es überhaupt keine Anwesenheitspflicht mehr. Und trotzdem sei die Arbeitsproduktivität dramatisch gestiegen, strahlt Sooth.

Dem 30-Jährigen ist das US-Modell sympathisch. Von der traditionellen Aufteilung des Tages in Arbeitszeit und Freizeit hält der Freiberufler hingegen nicht viel. Sooth, Teil der "Digitalen Bohème" in Berlin, arbeitet gern vom Café aus. "Man sieht da nicht jeden Tag dieselben Kollegen am selben Schreibtisch sitzen", sagt der Autor des Buches "Der 100 000 Euro Job". Für das virtuelle Unternehmen "Zentrale Intelligenz Agentur", dessen Name eine Parodie auf den Geheimdienst CIA ist, organisiert Sooth Projekte wie "9 to 5 – wir nennen es Arbeit".

Im August 2007 stellte da in einer Halle am Spreeufer unter anderem der Buchautor Tom Hodgkinson unter dem Motto "work kills" (Arbeit tötet) seine provokanten Thesen zur "Revolution des eigenen Alltags" vor. Drei Nächte lang gab es – von neun Uhr abends bis fünf Uhr morgens – Workshops wie "Business in virtuellen Welten" oder "Soziales Netzwerken auf dem Handy" oder Diskussionen über einen "linken Neoliberalismus." In einer Nacht produzierte die dazu aus dem Boden gestampfte "Blitzpop" – "Band für einen Tag" ein Internetalbum und gab ein Konzert.

Steht in der Dienstleistungs- und Wissensgesellschaft die urbane Elite aus Webdesignern, Grafikern und Werbetextern, die selbst Zeit, Dauer und Intensität ihrer Arbeit bestimmt, für die Zukunft der Arbeit? Wird, wenn die aktuelle Krise einmal überwunden ist, in wenigen Jahren die Berufswelt auf den Kopf gestellt?

Jedenfalls waren sich darüber Experten bei einer Podiumsdiskussion in der Münchner BMW-Welt einig: Es muss und wird sich im Arbeitsleben vieles ändern. Das neue Denken komme hier zu Lande aber nur mühsam voran, beklagte der renommierte Zukunftsforscher Matthias Horx: "Die größte Utopie der Deutschen ist, dass alles ganz schnell wieder so werden muss, wie es einmal war."

Die ständige "Angstdiskussion" über den Arbeits-"Platz" geht Horx auf die Nerven. Es sei doch gut, "wenn sich die Arbeit erhebt und vielfältiger wird." Früher, so Horx, hätten die berufstätigen Menschen den hinter ihnen stehenden Organisationen gedient. In Zukunft müssten die Organisationen den Menschen dienen. Die nächsten Generationen würden sich nicht mehr vorschreiben lassen, "was sie alles machen dürfen und was nicht", glaubt auch Sooth.

Dass die sture Pflichterfüllung im Beruf allmählich passé ist, zeigte auch BMW-Personalvorstand Harald Krüger auf. Seine Familie sei ihm genauso wichtig wie die Arbeit, sagte der 43-jährige Vater von drei Kindern. Vor der Einschulung seiner kleinen Tochter habe er seinem Chef gesagt: "Entweder wir verschieben die für diesen Tag angesetzte Veranstaltung oder ich bin nicht da." Vor wenigen Jahren hätte das noch als für die Karriere tödliche Arbeitsverweigerung gegolten.

Väter, da waren sich alle Redner einig, würden in Zukunft generell mehr Aufgaben bei der Kinderbetreuung übernehmen. Denn die Frauen, so Horx, seien auch als Führungskräfte stark im Kommen. "Die aktuelle Finanzkrise hat viel mit dem Versagen des männlichen Risikoverhaltens zu tun", behauptete der Zukunftsforscher und verwies auf eine wissenschaftliche Studie über die männlichen Hormone bei Börsenbrokern. Das Ergebnis: "Es heißt nicht umsonst Bullenmarkt", spottete Zukunftsforscher Matthias Horx.

Der Einzug der Frauen in die Führungsetagen wird aus seiner Sicht die Flexibilität in der Arbeitswelt weiter voranbringen. BMW-Personalchef Krüger warnte indes vor Übertreibungen. "Ich kann meine E-Mails auch auf der Terrasse bei einer Latte Macchiato oder einem Weißbier bearbeiten", sagte Krüger. "Aber die flexible Montage, wo man die Produktion schnell von einem Ort zum anderen verlegen kann, haben wir noch nicht erfunden."


Von Jürgen Fischer
 
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