Wolnzach: Der Traum ist ausgeträumt
Für Bälle, Ausstellungen und auch Theaterveranstaltungen soll die Wolnzacher Siegelhalle in Zukunft dienen und dementsprechend hergerichtet werden. Der aufwendige Umbau zur Kulturhalle hätte rund sechs Millionen Euro gekostet. - Foto: WZ-Archiv/Trouboukis
Wolnzach

Damit verzichtet der Markt Wolnzach auf die bereits zugesagte Förderung aus dem Leader-Topf und setzt endgültig einen Punkt hinter eine lange, kontroverse und heiße Diskussion, bei der im Gemeinderat in der Vergangenheit oft die Fetzen flogen. Dieses Mal aber nicht, ganz im Gegenteil zeigten sich die Räte quer durch alle Fraktionen konstruktiv, sachlich in ihren Wortbeiträgen und als Bürgermeister Jens Machold (CSU) in seiner Zusammenfassung erklärte, dass man nun eine energetische und zweckmäßige Instandsetzung der Halle für eine künftige Nutzung für Bälle, Partys, Schauen, Theateraufführungen und Ähnliches ansteuern solle, gab es sogar Zwischenapplaus vom Sitzungstisch und am Ende ein einstimmiges Votum.

Zur Vorgeschichte: Das ursprüngliche Projekt "Siegelhalle - Kulturhalle" hatte im Sommer vergangenen Jahres Begeisterungsstürme im Leader-Lenkungsausschuss ausgelöst, die höchstmögliche Fördersumme von 200 000 Euro wurde zugesagt. Im Gemeinderat wurde das dennoch kontrovers diskutiert, Kernfrage waren die hohen Kosten im Verhältnis zur künftigen Nutzung. Und dann kam die ernüchternde Erkenntnis: Die aufwendige Umgestaltung der Halle käme auf fast sechs Millionen Euro. Deshalb entschied der Marktgemeinderat im November vergangenen Jahres, nur den Außenbereich mit Freilichtbühne im Förderprogramm zu belassen und für die Hallenumgestaltung andere Förderungen über die Städtebauförderung anzufragen. Aber das Geld fließt nicht so, wie erhofft, Machold formulierte das jetzt so: "Andere Förderungen greifen nicht in dem Umfang, wie wir das für diesen hohen Sanierungsbetrag auch bräuchten." Diese Erkenntnis habe sich jetzt manifestiert, nachdem die Verwaltung verschiedene Fördermöglichkeiten ausgelotet habe. Lediglich zur energetischen Sanierung gäbe es Mittel, für alles andere sei "keine weitere Förderung in Sicht".

Und da eine aufwendige und durch Leader geförderte Umgestaltung des Außenbereichs einfach nur dann Sinn mache, wenn auch die Halle entsprechend umgebaut werde, solle man besser auch von der Außengestaltung absehen, so der Vorschlag der Verwaltung. Mit "relativ einfachen Mitteln" sei eine Instandsetzung der Halle möglich, so Machold weiter, um ein Hallendrittel künftig beispielsweise auch für Theateraufführungen - bekanntlich ist neben dem s'Theaterbrettl Wolnzach jetzt auch das Niederlauterbacher Laientheater obdachlos geworden - oder Ähnliches anbieten zu können. Auch für die Sportvereine, die die Halle bei schlechtem Wetter nutzten - beispielsweise die Stockschützen - zeichneten sich zudem andere Lösungen durch eine eigene Halle ab.

Mit welchen Kosten jetzt zu rechnen sei, wollte Peter Rech (FDP-UW-BGW) wissen. Man rechne mit Fördermitteln aus dem Energieeffizienznetzwerk, antwortete der Rathauschef - und bat um etwas Geduld: "Jetzt ändert sich das Pflichtenheft und wir werden das alles neu darstellen, weil sich ja jetzt neue Voraussetzungen ergeben haben." Ihre Zustimmung signalisierte auch Marianne Strobl für die SPD-Fraktion: "Das klingt vernünftig." Nachdem aber jetzt Finanzmittel aus der Leaderförderung frei würden, sollte man sich doch Gedanken machen. "Es wäre doch schön, wenn man da gleich ein neues Projekt nachsieben könnte", meinte sie - und hatte auch gleich einen Vorschlag in petto: die Verlegung des Museums Kulturgeschichte der Hand vom Gelände Am Brunnen in die Ortsmitte. Dieses Museum erfülle viele Voraussetzungen, genieße großen Zuspruch der Bevölkerung und sei vor allem einzigartig. Strobl: "Das ist ein echtes Alleinstellungsmerkmal für den Markt Wolnzach."

Gelder, die nicht abgeschöpft werden, wanderten zunächst zurück in den Leader-Topf, erklärte Machold - und stellte sich ausdrücklich nicht gegen Strobls Idee, im Gegenteil: "Das Händemuseum könnte sicherlich ein Thema sein", meinte auch er. Allerdings müsste dafür eine nachhaltige Finanzierung gesichert sein und die entsprechenden Strukturen vorab geschaffen werden. Er wolle sich der Diskussion dazu aber keineswegs verschließen, sondern sei "an einer konstruktiven Ergebnisfindung" interessiert.