Wolnzach: Allen Wetterkapriolen zum Trotz
Dick eingepackt haben die Kindergartenkinder (oben) und Leiterin Bianca Bernhard (links unten) auch dem knackigen Frost der jüngsten Zeit getrotzt. Im Unterschlupf machen es sich alle gerne gemütlich (rechts unten). Gebaut haben ihn die Kindergarteneltern. - Fotos: Trouboukis
Wolnzach

Bis weit unter den Gefrierpunkt ist das Thermometer in der vergangenen Woche gesunken und auch tagsüber blieb es frostig. Von "bitterkalt" will man im Waldkindergarten aber nichts hören. Schließlich hat die Kälte nichts Negatives, ist gar nicht bitter, sondern macht ganz viel Spaß, die richtige Kleidung vorausgesetzt: "Wir waren jeden Tag beim Schlittenfahren, wer kann das schon", sagt Bianca Bernhard. Sie ist die Leiterin des jüngsten Kindergartens im Gemeindebereich, der vor etwas über einem Jahr eröffnet hat; nicht in einem Gebäude mit Gruppenräumen, Turnhalle und Küche, sondern draußen im Wald, auf einer Lichtung bei Stadelhof.

"Wir haben hier alles, was wir brauchen", sagt Regina Weichenrieder, die neben weiteren Betreuerinnen zum Kindergartenteam gehört: einen Wald mit Bäumen, Sträuchern und vielen Tieren, der die Kinder Achtung vor der Natur und den Umgang mit ihr spielerisch lehrt. Zum Beispiel gibt es da ein paar Stellen, die mit Brombeersträuchern dicht bewachsen sind. Und die stechen und können ganz schön wehtun, wenn man nicht aufpasst. Aber: "Auch unsere Kleinsten haben schon nach kurzer Zeit gelernt, wie man hier durchgeht, ohne sich zu verletzen", so Regina Weichenrieder. "Sie lernen sehr schnell, wenn man ihnen nur etwas zutraut."

Keine drei Jahre alt ist das jüngste Waldkindergartenkind, nach den ersten Anfängen im Herbst 2014 haben sich immer mehr Eltern von der Idee begeistern lassen - und geben ihre Kinder gerne in die Obhut von Bianca und ihrem Team. "Alle haben uns gesagt, dass es schon ein paar Jahre dauern kann, bis das alles richtig läuft, aber jetzt sind wir schon beinahe voll", sagt sie. Denn in den ersten Anfängen - Initiatorin des Waldkindergartens ist Veronika Linner - musste noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, gab es nur wenige Interessierte und vor allem kein geeignetes Grundstück. Heute sind Plätze im Waldkindergarten gefragt, das Konzept kommt an: "Wir verbringen wirklich den ganzen Tag draußen", so die Leiterin. Null Grad - kein Thema für die Kinder, auch keines für die Betreuerinnen. "Da essen wir auch draußen, jetzt haben wir ja unseren schönen Unterschlupf", zeigt Regina Weichenrieder stolz hinter den Bauwagen, der in Notfällen zum Aufheizen dient. Gebaut haben den Unterschlupf die Eltern der Waldkindergartenkinder und aus Zweigen, Baumstämmen und einer Plane eine Sitzgruppe gezaubert, in der die Kinder ihren Morgenkreis halten, sich austauschen oder Brotzeit machen - genauso, wie in anderen Kindergärten auch.

Ganz anders ist jedoch eines: Im Waldkindergarten gibt es kein Spielzeug, zumindest kein herkömmliches. Trotzdem wird es nicht langweilig, denn auch mit Stecken, Zapfen, Moos oder Baumrinden lässt sich prima spielen, natürlich wird auch gemalt und geklebt. Kreativ waren die Kinder auch beim Gestalten des Weihnachtsgeschenks für die Eltern: "Wir haben geschnitzt", sagt Regina Weichenrieder. "Und ja: Auch die Kleinsten haben mitgemacht und das ganz alleine!" Verletzt habe sich beim Schnitzen niemand, die Kinder hätten genau gewusst, dass man vom Körper wegschnitzt. Und: Die Eltern haben sich riesig über das Geschenk, ausgedacht von Leiterin Bianca Bernhard, gefreut.