Wolnzach: Sesam, öffne dich!
Ein großer Moment für die Behindertenbeauftragte Resi Huber war das Aufschwingen der beiden Rathaustürflügel auf Knopfdruck. Bürgermeister Jens Machold und die Seniorenbeauftragte Gisela Brandl-Giesel (im Hintergrund) freuten sich mit ihr. - Foto: Trouboukis
Wolnzach

Freilich. Auch bisher schon konnte sie das Rathaus betreten, trotz ihres Rollstuhls: Über den Rathauskeller rollte sie zum Aufzug und von dort aus in die Räume, die sie aufsuchen wollte. Aber eben über den Hintereingang. "Und das ist genau das, was wir eben nicht wollten", sagt Bürgermeister Jens Machold (CSU). Das Rathaus sollte barrierefrei sein, erreichbar für Menschen mit Rollatoren, Krücken, Rollstühlen oder auch Kinderwägen - und das eben nicht durch einen Hintereingang. Aber da gab es ein Problem: Den Haupteingang des historischen Wolnzacher Rathauses ziert eine ebensolche Tür aus schwerer Eiche, verziert mit aufwendigem Dekor. Diese Tür mit einem automatischen Öffnungsmechanismus zu versehen, das schien beinahe unlösbar. "Aber wir haben in Wolnzach Handwerker, die das können", ist Machold heute voll des Respekts über das mittlerweile abgeschlossene und sehr gelungene Werk - das übrigens auch den Vorgaben des Denkmalschutzes entspricht.

Denn von außen ist der Mechanismus kaum erkennbar, nur der in auch für Rollstuhlfahrer angenehmer Höhe angebrachte Schalter an der Auffahrtsrampe zum Haupteingang verrät die Veränderung. Behindertenbeauftragte Resi Huber, die selbst im Rollstuhl sitzt, hat den Mechanismus am Dienstag getestet - und ist begeistert. Vor allem, weil sie jetzt nicht mehr den Nebeneingang benutzen muss. Jetzt öffnet sich das Rathausportal für sie auf Knopfdruck beinahe majestätisch, beide Flügel schwingen auf, ebenso die hinter dem Windfang liegende Glastüre. "Das ist ja wie für eine Prinzessin", sagt Resi Huber.

Auch Seniorenbeauftragte Gisela Brandl-Giesel erlebt diesen großen Moment für die Rollstuhlfahrerin mit - und erkennt noch viele weitere Vorteile dieser Türautomatik, der vielen zugute kommt: "Die alte Türe ist ja sehr schwer, so schön sie auch ist", sagt sie. "Wer beispielsweise Probleme mit den Händen hat oder am Stock geht, der konnte sie bisher nur schwer öffnen." Der neue Mechanismus sei auch für diese Menschen ein großer Vorteil.

Gedacht habe man an sie, aber auch an Besucher, die beispielsweise einen Kinderwagen schieben. Und auch an Kleinkinder, die vielleicht ausgerechnet neben der großen Türe stehenbleiben. Ein Selbstversuch beweist: Der Sensor im Öffnungsmechanismus erkennt Objekte und schwingt die schweren Türen dann nicht voll auf, sollte in der Ecke etwas oder jemand stehen. "Unsere Handwerker haben da wirklich sehr lange getüftelt und an alles gedacht", ist Bürgermeister Machold begeistert und sehr froh, dass das Projekt - das ihm eben wegen der historischen Türe durchaus Kopfzerbrechen bereitete - so gelungen ist. Insgesamt 20 000 Euro hat der Umbau gekostet, wichtige Vorarbeiten konnten von fachkundigen Bauhofmitarbeitern erledigt werden.

Für Resi Huber, die sich aufgrund ihrer Alltagserfahrungen als Rollstuhlfahrerin sehr für die Belange gehandicapter Menschen einsetzt, ist der gelungene Umbau viel mehr als nur ein Knopfdruck. Für sie bedeutet er wieder ein Stück mehr Selbstständigkeit und auch Gleichstellung. Denn viel zu oft hat sie in der Vergangenheit Gebäude entweder gar nicht oder über Hintertürchen betreten müssen. "Ganz früher, im Landratsamt, ging das nur über den Lieferanteneingang", weiß sie noch gut. Aber auch diese Zeiten seien ja längst vorbei: "Gottseidank".