Wolnzach: Runder Tisch mit düsteren Vorzeichen
Auch die Festküche beim Wolnzacher Volksfest ist ein Lärmfaktor, der manche Anwohner stört. Beim nächsten Runden Tisch soll die Marktgemeinde Vorschläge präsentieren, wie es dauerhaft leiser werden kann. - Foto: Archiv
Wolnzach

Noch steht der Termin nicht endgültig fest, aber laut dem Vorsitzenden des Umweltausschusses im Bayerischen Landtag, Christian Magerl (Grüne), der den Runden Tisch leitet, soll er Anfang Mai stattfinden. Dann werden die Anwohnerin samt Anwalt, Vertreter des Marktes, des Landtags und der Regierung wieder um eine Lösung für ein Problem ringen, das die Wolnzacher schon seit Jahren beschäftigt. Bekanntlich fühlen sich mehrere Anwohner von dem Lärm des Volksfestes gestört, eine Nachbarin reichte vor rund drei Jahren eine Petition auf Einhaltung des Lärmschutzes im bayerischen Landtag ein. Der Markt konterte mit einer Petition auf Erhalt des Volksfestes. Messungen im Jahr 2014 ergaben, dass die laut Immissionsschutzgesetz zulässigen Werte beim Volksfest tatsächlich teilweise überschritten werden.

Bisher wollte die Anwohnerin keinesfalls vor Gericht ziehen: "Ich habe nichts gegen das Volksfest", sagt sie. Sie wolle aber, dass die Richtlinien des Lärmschutzes eingehalten würden. Und eine Lösung, die ihr nicht weiter schade. "Ich habe immer schon deutlich gemacht, dass eine Verringerung des Abstands zu meinem Grundstück für mich nicht infrage kommt." Auch beim vergangenen Runden Tisch im November habe sie das gesagt. Ein geringerer Abstand führe zur Wertminderung ihres Grundstücks, zudem sei sie, wolle sie später einmal anbauen, eingeschränkt, weil sie dann wiederum mehr Abstand einhalten müsse.

Doch die Vorschläge in der vom Markt Wolnzach in Auftrag gegebenen schalltechnischen Untersuchung, die mittlerweile fertiggestellt ist und unserer Zeitung vorliegt, beschäftigen sich mit verschiedenen Varianten einer Einhausung und der Überdachung sowie Auskleidung des Aufstellbereiches der Kühlanhänger nordwestlich der Halle, der Dienstleister hat hier auch theoretische Rechnungen angestellt. Mit den Maßnahmen würden sich Pegelminderungen von mehr als zehn Dezibel ergeben, heißt es. Zur Einordnung: Zehn Dezibel entsprechen in etwa der Lautstärke eines raschelnden Blattes. Um das zu erreichen, müsse man aber eben näher an ihren Grund heran, so die Anwohnerin.

Beim Markt Wolnzach formuliert man Stellungnahmen zu diesem Thema derzeit vorsichtig: "Ich gehe davon aus, dass man bei einer Einhausung und der Überdachung ein Stück weit näher an das Grundstück heranmüsste", sagt Geschäftsleiter Markus Rieder. Näheres werde noch besprochen. "Wir werden auf jeden Fall beim nächsten Treffen mit konkreten Vorschlägen aufwarten", verspricht er. Ob das auch Vorschläge seien, für die man nicht näher an die Grenze müsse, könne er nicht sagen. Bürgermeister Jens Machold (CSU), der sich intensiv damit beschäftigt, ist diese Woche noch im Urlaub.

Generell arbeitet der Markt weiter daran, den Lärm während des Volksfestes zu drosseln - einige Maßnahmen wurden bereits umgesetzt - dafür wird mit Brauerei und Festküche verhandelt. Zum Beispiel stand zur Debatte, das Rolltor Richtung Anwohnerin künftig geschlossen zu halten. Auch eine Verlegung aller Veranstaltungen außer Volksfest, Weinfest und Zirkus Tonelli in die Siegelhalle ist im Gespräch, doch mit einer Sanierung der Siegelhalle wäre laut Protokoll des vergangenen Runden Tisches Ende November erst 2018 zu rechnen. Das würde ihr zu lange dauern, sagt die Anwohnerin.

Irritiert ist sie außerdem über den Punkt "Mobile Einhausung" in dem Protokoll. Dies könnte eine Möglichkeit sein, um die Grenzwerte einzuhalten, steht dort. Und: "Zur Errichtung wäre eine Zustimmung der Anwohnerin aufgrund der Abstandsflächen erforderlich." Daraufhin schrieb die Nachbarin per E-Mail an Magerl, sie sei "sehr verwundert" über diese Ausführungen, da sie ja bereits erklärt habe, sie wäre hier zu keinerlei Zugeständnissen bereit. Und Magerl antwortete: "Selbstverständlich ist es ihr Recht, diese Variante aufgrund fehlender Abstandsflächen abzulehnen." Sehr deutlich wird das Protokoll jedenfalls in einem Punkt: "Nach Studium der Unterlagen und der Stellungnahmen hält Dr. Magerl fest, dass Handlungsbedarf besteht, um die gesetzlichen Grenzwerte künftig einzuhalten."

Aus Landtagskreisen heißt es schon, es sei wahrscheinlich, dass keiner der Vorschläge vonseiten der Marktgemeinde zu einer Lösung führen werde. Und dann würde das Landratsamt Pfaffenhofen wohl kaum eine gerichtliche Auseinandersetzung in Kauf nehmen - das Volksfest müsse folglich von der Ortsmitte weichen. Dem widerspricht Landratsamtssprecher Karl Huber (CSU) vehement: "Wir warten dann zunächst ab, wie der Petitionsausschuss entscheidet." Das Landratsamt als Aufsichtsbehörde werde sich dann mit dem Markt beratend zusammensetzen und weiter nach Möglichkeiten suchen, die Lärmrichtlinien einzuhalten. "Wir hoffen aber jetzt auf eine Lösung am Runden Tisch."

Im Landtag ist man sich jedenfalls darüber klar, dass eine juristische Auseinandersetzung nicht erstrebenswert ist. "Das Bundesgesetz kann kurzfristig nicht geändert werden", sagt Landtagsabgeordneter Karl Straub (CSU), der an Gesprächen in der Staatskanzlei zum Thema teilgenommen hat. Und den Lärmbestimmungen auf Bundesebene unterliege das Volksfest nun einmal. "Man weiß nicht, wie ein Richter im Ernstfall entscheiden würde." In der Freizeitlärmrichtlinie gebe es keine ganz klare Regelung. Straub will das Thema im Kreisgremium einbringen. Sollte es dafür stimmen, will er beim nächsten Parteitag beantragen, dass Volksfeste künftig bundesgesetzlich klar geregelt werden. Das soll dann auch in eine mögliche Koalitionsforderung einfließen.

Die Anwohnerin weiß noch nicht, wie sie weiter vorgehen wird, sollte es nach dem nächsten Runden Tisch wieder keine für sie akzeptable Lösung geben. Sie hofft, dass der Petitionsausschuss dann möglichst noch heuer eine Entscheidung trifft.